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Test auf Sat.1: Kassen- oder Privatpatient: Wer erhält den wirksameren Grippe-Impfstoff?

Husten, Fieber, Gliederschmerzen: Die Grippesaison hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Schutz kann eine Impfung bieten - aber werden Kassen- und Privatpatienten beim Arzt auch immer gleich behandelt? Mitnichten. Ein Test der "Akte"-Sendung deckt erhebliche Unterschiede auf. 

Ein Mann wird gegen Grippe geimpft

Die meisten zirkulierenden Grippe-Viren gehören zum Typ B der Yagamata-Linie - sie ist nur im Vierfach-Impfstoff enthalten

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Für Patienten, die sich jetzt noch gegen die Grippe impfen lassen wollen, stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung: der sogenannte Dreifach- und der Vierfachimpfstoff. Letzterer enthält einen weiteren Virusstamm und schützt besser gegen die aktuell zirkulierenden Viren vom B-Typ. Allerdings ist der Impfstoff auch teurer. Bekommen ihn auch Kassenpatienten von ihrem Arzt empfohlen?

Die Sat.1-Verbrauchersendung "Akte" hat eine Stichprobe gemacht und zwei Reporter in Berliner Arztpraxen geschickt. Einer der Reporter gab sich als Privatpatient aus und bat um eine Grippeschutzimpfung. Die andere Testperson legte ihre Krankenkassenkarte vor. Wie gut werden die beiden Patienten beraten? Und: Wer von beiden erhält im Anschluss den wirksameren Impfstoff?

Zwei-Klassen-Medizin bei Grippeschutzimpfung?

Bereits in der ersten Praxis offenbaren sich eklatante Unterschiede: Der Kassenpatientin wird der Dreifachimpfstoff empfohlen, mit dem Hinweis, dies sei der "ganz normale Impfstoff". Die Info, dass es noch einen wirksameren Schutz gibt, den sie für einige Euro per Privatrezept erhalten kann, bekommt sie nicht. Sie bricht die Impfung ab.

Dem Privatpatienten wird später in derselben Praxis zum Vierfachimpfstoff geraten. Er bekommt das Privatrezept ausgestellt, das er im Anschluss in der Apotheke einlösen kann. Immerhin an einen Termin sind beide gleich schnell gekommen.

Ähnliche Szenen spielen sich in der zweiten Test-Praxis ab: Auch hier soll die Kassenpatientin den Dreifachimpfstoff bekommen, der Privatpatient dagegen die Vierfach-Impfung. In der dritten Arztpraxis erhält die gesetzlich versicherte Patientin immerhin den Hinweis, dass es noch einen besser wirksamen Impfstoff gibt. 

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte bei der SPD zeigt sich im Beitrag erschrocken über die unterschiedliche Behandlung der beiden Testpersonen: "Die Kassen sagen zwar immer, es wird jeder bei uns gut behandelt, aber wenn man genau hinschaut, gibt es doch Unterschiede." Im Einzelfall, so glaubt Lauterbach, könne das "den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen."

Vierfach-Impfstoff: Kassen übernehmen Kosten in Ausnahmefällen

Laut Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) gab es in der zweiten Februarwoche deutschlandweit rund 24.500 bestätigte Grippe-Fälle - ein vorläufiger Höhepunkt. Seit Start der Grippesaison erkrankten damit insgesamt 82.000 Menschen.

Die Experten des RKI empfehlen die Impfung für Schwangere, ältere Menschen und Patienten mit chronischen Krankheiten oder einer Immunschwäche. Bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist, dauert es rund zwei Wochen.

In Ausnahmefällen übernehmen Kassen die Kosten für den Vierfachimpfstoff. Das gilt insbesondere für gefährdete Risikogruppen. Im Zweifelsfall lohnt es sich daher, bei der Krankenkasse nachzuhaken, ob die Kosten übernommen werden.

Auch der Dreifach-Impfstoff bietet "gewissen Schutz"

Was aber, wenn man bereits die Impfung mit dem Dreifachimpfstoff erhalten hat? Ist diese dann komplett wirkungslos? Eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts gibt im Gespräch mit dem stern Entwarnung: "Aus neuesten Daten wissen wir, dass die Impfung insgesamt vergleichsweise gut wirksam ist und 46 Prozent der Geimpften vor Erkrankung schützt. Offenbar verleiht die B-Linie, die im Dreifachimpfstoff enthalten ist, einen gewissen Schutz gegen die zirkulierenden B-Viren."

Den vollständigen "Akte"-Beitrag können Sie hier noch einmal nachsehen.

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ikr
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