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Akutes Nierenversagen Erreger befällt sonst Mäuse – Tulavirus erstmals bei Patienten in Deutschland nachgewiesen

Eine tote Feldmaus auf einem Acker
Eine tote Feldmaus (Microtus arvalis), aufgenommen auf einem Acker. Erstmalig ist das vor allem bei Feldmäusen vorkommende Tulavirus als Ursache einer Hantaviruserkrankung bei einem deutschen Patienten festgestellt worden.
© Arno Burgi/dpa-Zentralbild / DPA
Ein junger Mann zeigt Symptome eines Nierenversagens. Ursache ist ein Erreger, der normalerweise bei Mäusen vorkommt: das Tulavirus.

Das Tulavirus, das normalerweise vor allem bei Feldmäusen vorkommt, ist zum ersten Mal direkt als Ursache einer Erkrankung bei einem Menschen in Deutschland festgestellt worden. Der molekularbiologische Nachweis des Erregers, der zu den Hantaviren gehört, wurde gemeinsam von Forschern des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und der Charité in Berlin erbracht, meldete das FLI am Dienstag. Bislang gab es in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) nur sehr wenige indirekte Hinweise für eine solche Infektion.

Tulavirus-Infektion sicher nachgewiesen

Laut FLI zeigte ein junger Mann im Krankenhaus Symptome eines akuten Nierenversagens. Weitere Untersuchungen bestätigten den Verdacht einer Hantaviruserkrankung. Welches Virus genau die Erkrankung auslöste, konnte aber zunächst nicht geklärt werden. Eine molekulare Analyse erbrachte dann den erstmaligen molekularen Nachweis einer Tulavirus-Infektion bei einem Patienten in Deutschland. Die Arbeit ist im Journal "Emerging Infectious Diseases" veröffentlicht.

"Dieses Ergebnis rückt nun auch die Feldmaus und das mit ihr assoziierte Tulavirus stärker in den Fokus der Hantavirus-Epidemiologie und erfordert zukünftig eine bessere Typisierung von Hantaviruserkrankungen", sagte Rainer Ulrich, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Hantaviren bei Tieren am FLI. Gemeinsame Folgeuntersuchungen mit dem Julius-Kühn-Institut sollen demnach die Verbreitung des Tulavirus bei Feldmäusen und anderen Wühlmäusen genauer bestimmen. "Gerade wegen der bei der Feldmaus auftretenden Massenvermehrungen sollte das Auftreten von humanen Infektionen mit dem Tulavirus stärker beobachtet werden.", betonte Ulrich.

Hantaviren werden über Nagetiere wie Ratten und Mäuse auf den Menschen übertragen. Meist werden die Viren eingeatmet, etwa durch kontaminierten Staub. Von Mensch zu Mensch breiten sich die Viren in Deutschland nicht aus. Die Fallzahlen schwanken nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI). Infektionen mit dem Hantavirus rufen meist Erkrankungen mit grippeähnlichen Symptomen hervor – hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen; zudem Übelkeit oder Erbrechen. Auch die Nieren können beeinträchtigt werden, bis hin zu akutem Nierenversagen. Nur die Symptome können behandelt werden. Es gibt weder spezifische Medikamente noch eine Impfung.

In Deutschland wurden Hantavirus-Erkrankungen bei Menschen den Angaben zufolge bisher vor allem auf das Puumala-Virus bei Rötelmäusen zurückgeführt. Dieses Virus komme nur im westlichen, nordwestlichen und südlichen Teil Deutschlands vor. Das mit dem Puumala-Virus eng verwandte Tulavirus komme dagegen in allen Teilen Deutschlands vor.

anb DPA

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