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Studie Schon geringe Mengen Alkohol können das Gehirn schrumpfen lassen

Zwei Leute stoßen in einer Kneipe mit Bier an
Für viele ist Bier ein beliebtes Feierabendgetränk, doch der Alkohol ist nicht gut für das Gehirn.
© picture alliance/dpa | Gerald Matzka / Picture Alliance
Laut einer neuen Studie können schon ein paar Bier oder das ein oder andere Glas Wein in der Woche das Gehirn verändern und altern lassen. Wissenschaftler:innen haben die Daten von mehr als 36.000 Menschen ausgewertet.

Ein Gläschen Wein zum Abendessen oder ein Bier nach Feierabend, scheint langfristig mehr Schaden anzurichten als bisher gedacht. Schon moderate Mengen Alkohol bergen Risiken für das Gehirn. Laut der im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlichen Studie geht mäßiger Alkoholkonsum mit der vorzeitigen Alterung und der Schrumpfung des Gehirns einher.

Unter Leitung eines Forschungsteams der University of Pennsylvania haben Wissenschaftler:innen Daten von mehr als 36.000 Menschen aus der "UK Biodatenbank" ausgewertet. Die medizinische Datenbank enthält gesundheitsrelevante Daten über Hunderttausende britische Bürger:innen. Unter anderem über Alter, Körpergröße und Geschlecht, aber auch Hirnscans. Die Bilder lassen Rückschlüsse auf Veränderungen im Gehirn zu. Außerdem hatten die untersuchten Personen in Fragebögen zu ihrem Trinkverhalten Auskunft gegeben. "Die Tatsache, dass wir eine so große Stichprobengröße haben, ermöglicht es uns, subtile Muster zu finden, sogar zwischen dem Trinken von einem halben Bier und einem Bier pro Tag", sagt Gideon Nave von der University of Pennsylvania.

Bei höherem Alkoholkonsum ist das Hirnvolumen vermindert

Die Analyse zeigt: Je mehr Alkohol ein Mensch trinkt, desto deutlicher vermindert ist das Hirnvolumen. Diese Schrumpfung ist mit einer vorzeitigen Alterung vergleichbar, denn die Hirnmasse schwindet auch mit den Lebensjahren. In der Studie entspricht ein Pint Bier (etwa ein halber Liter) oder ein großes Glas Wein (1,75 Deziliter) zwei Alkoholeinheiten. Die Forschenden haben herausgefunden, dass bei einer 50-jährigen Person, deren durchschnittlicher Alkoholkonsum von einem kleinen Glas Bier pro Tag auf ein Pint steigt (von ein auf zwei Alkoholeinheiten), bereits Veränderungen im Gehirn auftreten, die einer Gehirnalterung von zwei Jahren entsprechen. Dies zeigte sich laut der Studie vor allem in der Verringerung der grauen und weißen Substanz.

"Es gibt einige Hinweise darauf, dass die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf das Gehirn exponentiell sind", erklärt Erstautor Remi Daviet von der University of Wisconsin-Madison. "Ein zusätzliches Getränk am Tag könnte sich also stärker auswirken als alle vorangegangenen an diesem Tag." Ein kleines Glas Bier pro Tag komme einem Jahr Alterung gleich, vier Gläser am Tag entsprechen einer Alterung von mehr als zehn Jahren.

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Grenzwerte für Alkoholkonsum

Die Forschenden weißen darauf hin, dass ihr Studiendesign nicht darauf ausgelegt war, einen kausalen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Veränderungen im Gehirn nachzuweisen. Um einen kausalen Zusammenhang erkennen zu können, sind weitere Untersuchungen nötig, die Teilnehmende wiederholt im Laufe der Zeit untersuchen.

Für Alkohol gibt es gängige Grenzwerte, die angeben, ab welchem Konsum das gesundheitliche Risiko nachweislich steigt. Bei Frauen liegt er bei 12 Gramm und bei Männern bei 24 Gramm reinem Alkohol pro Tag, informiert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Zehn Gramm Alkohol entsprechen dabei 0,2 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein. Wer ein großes Bier trinkt (ein halber Liter) nimmt nach diesen Angaben also rund 25 Gramm reinen Alkohol zu sich. Nach den Daten der Studie sind das zwei Alkoholeinheiten, die bei täglichem Konsum nach der neuen Untersuchung zufolge schon für Veränderungen im Gehirn sorgen.

Quellen: Nature, University Pennsylvania, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen

rha

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