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Fragen und Antworten Aphasie: Das ist die Krankheit, die Bruce Willis zum Karriereende zwingt

Schauspieler Bruce Willis blickt ernst in die Kamera
Bis zuletzt hatte Bruce Willis unermüdlich Filme gedreht. Einer davon ist der Action-Streifen "Fortress – Stunde der Abrechnung" (Bild), der im April 2022 in die deutschen Kinos kommen soll.
© ©Lions Gate/Courtesy Everett Collection / Picture Alliance
Die Nachricht sorgte für den nächsten Schock in Hollywood. Bruce Willis beendet überraschend seine Schauspielkarriere. Nicht weil er will, sondern weil er muss. Er ist an Aphasie erkrankt. Das sind die wichtigsten Fakten zur Krankheit.

Hollywoodstar Bruce Willis zieht sich aus dem Filmgeschäft zurück. Der Schauspieler, der als taffer Action-Star mit Streifen wie "Stirb langsam" und "Armageddon" Karriere machte, wird krankheitsbedingt nicht länger vor der Kamera stehen. "Als Familie wollten wir mitteilen, dass unser geliebter Bruce einige gesundheitliche Probleme hat und bei ihm kürzlich eine Aphasie diagnostiziert wurde, die seine kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt", teilte die Familie auf diversen Instagram-Kanälen am Mittwoch mit. "Als Ergebnis und nach reiflicher Überlegung, beendet Bruce seine Karriere, die ihm soviel bedeutet hat." Die Nachricht überraschte und erschütterte die Branche. Willis hatte bis zuletzt unermüdlich gedreht. Das sind die wichtigsten Fakten zu der Krankheit, die den 67-Jährigen zum Karriereende zwingt.

Was ist Aphasie?

Übersetzt bedeutet Aphasie so viel wie "Sprachverlust". Es handelt sich bei der Krankheit um eine erworbene Sprachstörung, die das gesamte Sprachsystem betrifft.

Was ist die Ursache für Aphasie?

Eine Aphasie wird durch eine Erkrankung des Gehirns verursacht. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Schlaganfälle. Diese machen etwa 80 Prozent aller Aphasien aus. Aber auch Schädel-Hirn-Traumata, Tumore, Hirnblutungen, Entzündungen und andere Erkrankungen des zentralen Nervensystems können eine Aphasie verursachen.

Welche Symptome treten auf?

Bei einer Aphasie sind alle Facetten, die zur Sprache gehören, betroffen – jedoch sind Verlauf und Schweregrad der Erkrankung sehr verschieden. Bei Aphasiker:innen ist die Fähigkeit zu sprechen und zu verstehen, aber auch die Schriftsprache, also das Lesen und Schreiben, beeinträchtigt. Zudem ist die Kommunikationsfähigkeit gestört. Manche Betroffene können sich schlechter konzentrieren, ihre Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistungen sind gemindert. Aphasiker:innen leiden außerdem oftmals an Begleiterscheinungen der Erkrankung. Dazu gehören unter anderem Beeinträchtigungen der Motorik, aber auch der räumlichen Orientierung. Außerdem kann das Gefühlsleben durcheinander geraten. Wichtig: Sonstige geistige Fähigkeiten sind von der Erkrankung in der Regel nicht beeinträchtigt. "Aphasie ist eine Sprachstörung, keine Denkstörung" schreibt dazu der Bundesverband der Aphasiker auf seiner Webseite.

Welche Arten von Aphasie gibt es?

Die schwerste Form ist die globale Aphasie. Die Betroffenen können nahezu nicht sprechen und nicht schreiben. Sie verstehen wenig und können auch nicht lesen. Charakteristisch für die Broca-Aphasie (auch motorische Aphasie) sind langsamer Sprachfluss und starke Wortfindungsstörungen. Laute werden ausgelassen oder an der falschen Stelle in einem Wort platziert. Das Leitsymptom der Wernicke-Aphasie ist eine flüssige, überschießende Sprache mit vielen falschen oder lautlich entstellten Wörtern. Die Entstellungen können so gehäuft auftreten, dass keine zusammenhängende Information mehr vermittelt wird. Das Hauptsymptom der amnestischen Aphasie sind Wortfindungsstörungen. Die Betroffenen können Sprache fast uneingeschränkt verstehen, müssen ihre Rede aber häufig unterbrechen, weil ihnen das gesuchte Wort nicht einfällt.

Wie äußert sich eine Aphasie?

Aphasie ist nicht gleich Aphasie. Die Ausprägung der Erkrankung ist abhängig davon, um welche Schädigung es sich handelt, wie stark die Schädigung ist und welcher Teil des Gehirns davon betroffen ist. In der Regel äußert sich eine Aphasie zumindest zu Beginn multimodal, was bedeutet, dass mehrere Symptome gleichzeitig auftreten. Seltener hingegen ist nur ein Sprachbereich betroffen. Zu den typischen Symptomen gehören unter anderem Wortfindungsprobleme, der Redefluss ist stockend. Es werden zudem Begriffe falsch verwendet, die Grammatik nicht mehr richtig angewandt. Auch die Aussprache kann Schwierigkeiten bereiten, für andere unverständlich werden. 

Wie wird Aphasie therapiert?

Aphasie ist nur bedingt behandelbar. Ziel der Therapie ist es, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern, intakte Sprachbereiche zu fördern und ein selbstbestimmtes Alltagsleben zu ermöglichen. Eine wesentliche Säule ist dabei die Sprach- und Sprechtherapie. Meist ist diese aber nur Teil weiterer Rehabilitationsmaßnahmen wie neuropsychologische Therapie, Physio- und Ergotherapie.

Wie viele Menschen leiden an einer solchen Sprachstörung?

In Deutschland sind laut dem Bundesverband der Aphasiker mehr als 100.000 Menschen von der Erkrankung betroffen, jährlich kommen etwa 25.000 Neuerkrankte hinzu. Damit machen Aphasiker:innen ein bis zwei Promille der deutschen Bevölkerung aus.

Quelle: Landesverband AphasieBundesverband AphasikerMediclin


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