VG-Wort Pixel

Appell der Blutspendedienste Zahl der Blutspenden vor Sommerferien massiv eingebrochen

Blutkonserven werden im Zentrallabor des DRK-Blutspendedienstes für Krankenhäuser und Praxen gefiltert und aufbereitet
Blutkonserven werden im Zentrallabor des DRK-Blutspendedienstes für Krankenhäuser und Praxen gefiltert und aufbereitet. Vor den Sommerferien werden Blutprodukte knapp, warnt das DRK.
© Rolf Vennenbernd / DPA
Der DRK-Blutspendedienst schlägt Alarm: Es gebe kaum Reserven an Blutprodukten mehr in Deutschland. "In den Regalen ist fast überall leer." Dafür gibt es mehrere Gründe.

Die Blutspenden sind vor den Sommerferien massiv eingebrochen. Es gebe im Moment bis zu 30 Prozent weniger Spenden, sagte ein Sprecher des Blutspendediensts des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in München der Nachrichtenagentur AFP. "Es gibt kaum Puffer, kaum Reserven, in den Regalen ist es fast überall leer."

Der Sprecher begründete dies unter anderem mit dem sehr hohen Bedarf an Blutprodukten in den Krankenhäusern, in denen derzeit viele wegen der Coronapandemie verschobene Operationen nachgeholt würden. Zugleich gebe es nach den pandemiebedingten Einschränkungen der Vorjahre einen "unglaublichen Reisedrang" der Deutschen. Dadurch seien Spender "nicht greifbar".

Appell: Am besten vor Urlaub Blut spenden

"Wir brauchen jetzt eine Trendwende, um einen gravierenden Notstand abzuwenden", sagte der DRK-Sprecher vor dem Weltblutspendetag am kommenden Dienstag. Nötig sei einerseits Kontinuität beim Blutspenden. So spendeten in Deutschland nur rund drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig Blut. Um die Versorgung mit Blutpräparaten langfristig ausreichend zu sichern, sei ein Anteil von rund sechs Prozent nötig.

Das DRK appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, am besten noch vor dem Urlaub zu einer Blutspendestelle zu gehen. "Wir brauchen Kontinuität über den Sommer", sagte der Sprecher. Täglich werden in Deutschland rund 14.000 Blutspenden für Operationen, Unfallopfer und die Behandlung schwerer Krankheiten wie Krebs benötigt.

Zudem gelte es, junge Erstspender, die während der Hochzeiten der Pandemie Blut gespendet und die Risikogruppen entlastet hätten, zurückzuholen und für regelmäßige Spenden zu gewinnen. Ein bis zwei Blutspenden jährlich wären schon hilfreich, sagte der Sprecher. Normalerweise können Männer bis zu sechsmal und Frauen bis zu dreimal binnen zwölf Monaten Blut spenden.

VOXStimme: Jochen Schropp äußert sich zum Thema Blutspenden

Blutspenden: Diese Regeln gelten

Sorgen bereitet Experten aber vor allem der demografische Wandel. Jährlich scheiden deutschlandweit rund hunderttausend aktive Blutspender aus Altersgründen oder wegen einer Krankheit aus. Auf der anderen Seite steigt der Bedarf unter Älteren.

Der Zeitraum zwischen zwei Blutspenden muss mindestens acht Wochen betragen. Die Blutzellen erneuert der Körper zwar bereits in zwei Wochen, der Ausgleich des Eisenverlusts dauert aber rund zwei Monate, bei Frauen auch etwas länger. Mit einer Blutspende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. Allerdings halten Blutpräparate nur maximal 42 Tage, manche Konzentrate sogar nur wenige Tage.

Blut spenden darf grundsätzlich jeder zwischen 18 und 68 Jahren, wobei die Höchstgrenze für die erstmalige Spende bei 60 Jahren liegt. Grundsätzlich kommen dafür auch ältere Menschen noch in Frage, wenn das ihr Gesundheitszustand zulässt. Das wird vor jeder Spende geprüft.

Neue Blutspende-Regel für Homosexuelle – Aktivist Lucas Hawrylak im Interview

Wer an Covid-19 erkrankt war, darf erst zwei Wochen nach Genesung spenden. Menschen mit Erkältungssymptomen dürfen grundsätzlich nicht Blut spenden. Während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt sollen Frauen vorübergehend nicht Blut spenden. Ein zeitlich begrenzter Ausschluss gilt auch nach vielen Impfungen und Auslandsreisen in Malariagebiete oder Länder mit Hepatitisrisiko. Vorübergehend nicht gespendet werden kann nach größeren Operationen oder bei Einnahme bestimmter Medikamente.

Nach Akupunkturbehandlungen, sofern diese nicht nachweislich steril durchgeführt wurden, sowie Piercings und Tätowierungen wird mindestens vier Monate bis zur nächsten Spende gewartet, um Infektionen sicher auszuschließen. Karenzzeiten gelten auch für Menschen, deren Sexualverhalten mit einem höheren Risiko für die Übertragung einer Infektionskrankheit wie Hepatitis oder HIV verbunden sein kann.

Dauerhaft ausgeschlossen sind Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie insulinpflichtiger Diabetes, Hepatitis oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen.

rw / Andrea Hentschel AFP

Mehr zum Thema



Newsticker