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Impfstoff CoronaVac Brasilien stoppt Studien mit chinesischem Corona-Impfstoff wegen "ernstem negativen Vorfall"

Freiwilliger lässt sich im Institut für Infektiologie Emilio Ribas in Brasilien mit einem Corona-Impfstoff impfen
Ein Freiwilliger lässt sich im Institut für Infektiologie Emilio Ribas in Brasilien mit einem Corona-Impfstoff des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac impfen. Die Tests wurden nun wegen einem "ernsten negativen Vorfall" gestoppt.
© Andre Lucas / DPA
Die brasilianische Behörde Anvisa hat Untersuchungen mit dem chinesichen Impfstoff CoronaVac seit Ende Oktober vorerst gestoppt. Grund dafür sei ein "ernster negativer Vorfall".

Klinische Studien mit einem zunächst vielversprechenden chinesischen Impfstoffkandidaten in Brasilien sind vorerst gestoppt worden. Die brasilianische Behörde Anvisa teilte am Montag mit, dass sie die Aussetzung der Tests mit dem Impfstoff CoronaVac nach einem "ernsten negativen Vorfall" angeordnet habe. Demnach finden bereits seit dem 29. Oktober keine klinischen Studien mehr mit dem vom Pharmaunternehmen Sinovac Biotech entwickelten Impfstoff mehr statt. Sinovac Biotech betonte in einer ersten Reaktion, dass der Impfstoffkandidat sicher sei.

Worum es sich bei dem "ernsten negativen" Vorfall genau handelte, teilte Anvisa nicht mit. Die genauen Umstände könnten aufgrund der Privatsphäre-Richtlinien nicht öffentlich gemacht werden, hieß es.

Hersteller Sinovac Biotech ist von Sicherheit überzeugt

Gemeint seien mit negativen Vorfällen jedoch Todesfälle nach der Verabreichung des Mittels, potenziell lebensgefährliche Nebenwirkungen, schwerwiegende Behinderungen, Krankenhaus-Aufenthalte, Geburtendefizite und weitere "klinisch signifikante Vorkommnisse", erklärte Anvisa weiter. Den Angaben zufolge war von dem genannten negativen Vorfall eine freiwillige Testperson betroffen.

Sinovac Biotech wies Sicherheitsbedenken zurück. "Wir sind überzeugt von der Sicherheit des Impfstoffs", erklärte das in Peking ansässige Unternehmen. Der von Anvisa angeführte negative Vorfall habe "keinen Bezug zu dem Impfstoff".

Das Butantan-Institut für öffentliche Gesundheit, das die klinischen Studien mit Impfstoffen in Brasilien koordiniert, zeigte sich "überrascht" über die Entscheidung der Behörde. Es fänden nun "detaillierte Untersuchungen zu dem Vorfall" statt, erklärte das Institut und kündigte für den späten Dienstagvormittag (Ortszeit) eine Pressekonferenz an.

Regionalregierung warte auf die "wahren Gründe" für die Aussetzung

Die Regionalregierung des Bundesstaats Sao Paulo äußerte sich ebenfalls enttäuscht über die vorübergehende Einstellung der klinischen Studien. Sie bedaure, dass sie "aus den Medien von der Entscheidung erfahren" habe und nicht direkt von Anvisa, teilte die Regionalregierung mit. Sie erwarte nun Informationen des Butantan-Instituts über die "wahren Gründe für die Aussetzung" der klinischen Studien.

Der Gouverneur von Sao Paulo, Joao Doria, gehörte bislang zu den prominentesten Unterstützern der klinischen Studien mit CoronaVac. Doria gilt auch als einer der wichtigsten politischen Rivalen von Staatschef Jair Bolsonaro. Der rechtsextreme Präsident bezeichnete CoronaVac in der Vergangenheit abschätzig als Impfstoff "aus diesem anderen Land". Er setzte sich stattdessen für einen gemeinsam von der Universität Oxford und dem Pharmaunternehmen AstraZeneca entwickelten Impfstoff ein.

Brasilien ist besonders von der Pandemie betroffen

Gemessen an der Todesfallrate ist Brasilien das zweitschwerste von der Corona-Pandemie betroffene Land der Welt. Mehr als 162.000 Menschen starben in dem südamerikanischen Land bereits an den Folgen einer Corona-Infektion, mehr als 5,6 Millionen Menschen haben sich mit dem Erreger angesteckt.

Die Mitteilung über den Stopp der klinischen Studien mit CoronaVac erfolgte nur einen Tag, nachdem die Firmen Biontech aus Mainz und Pfizer aus den USA einen Erfolg bei den klinischen Studien mit ihrem Impfstoffkandidaten verkündet hatten. Demnach verhindert der Stoff in 90 Prozent der Fälle eine Erkrankung an der von dem neuartigen Coronavirus verursachten Lungenkrankheit Covid-19. Die beiden Unternehmen wollen nun bereits in der kommenden Woche in den USA die beschleunigte Genehmigung des Impfstoffs beantragen.

meh AFP

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