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Neueste RKI-Zahlen Wie oft kommt es zu Impfdurchbrüchen? Das sagt die Statistik

Impfdurchbrüche Corona-Impfung: Schnelltest auf das Coronavirus
Fällt ein Schnelltest auf das Coronavirus positiv aus, muss die Infektion mit einem professionellen PCR-Test bestätigt werden
© laborII / Getty Images
Husten, Fieber, Kopfschmerzen: Auch Geimpfte können sich mit dem Coronavirus anstecken – wenn auch seltener als Ungeimpfte. Wie viele Fälle sogenannter Impfdurchbrüche gibt es aktuell?

Die Corona-Sieben-Tage-Inzidenz schraubt sich aktuell von Rekordhoch zu Rekordhoch. Und auch die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen hat diese Woche zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie die 50.000-Fälle-Schwelle überschritten. Ob in der eigenen Familie oder im Freundes- und Kollegenkreis: Mittlerweile kennt so gut wie jede Person einen Coronafall im näheren Umfeld. Nicht nur Ungeimpfte sind betroffen. Auch Geimpfte können sich grundsätzlich mit dem Virus anstecken und Symptome entwickeln, wenn auch seltener. In die Statistik fließen sie dann als sogenannter "Impfdurchbruch" ein. Doch was ist das genau? Und wie viele solcher Fälle gibt es aktuell?

Das Robert Koch-Institut (RKI) definiert Impfdurchbrüche wie folgt: Es handelt sich um Covid-Infektionen mit Symptomen bei vollständig geimpften Personen, die zweifelsfrei diagnostiziert sind, etwa mit einem PCR-Test. Ein positiver Schnelltest wird also nicht automatisch als Impfdurchbruch gewertet, was sinnvoll ist, da die Tests weniger genau sind. Schlägt der Schnelltest an, muss das Ergebnis via PCR bestätigt werden. Weist auch dieser Test das Virus nach, wird der Impfdurchbruch in der Statistik erfasst.

Die Fäden laufen beim RKI zusammen: Das Institut veröffentlicht die Zahlen alle sieben Tage in seinem Covid-19-Wochenbericht. In der aktuellen Ausgabe von Donnerstagabend listet das RKI 175.188 wahrscheinliche Impfdurchbrüche ab der fünften Kalenderwoche 2021, davon mehr als 90.400 Fälle in den vergangenen vier Wochen. Dem gegenüber stehen mehr als 56 Millionen Menschen mit vollständiger Impfung in Deutschland.

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Impfdurchbrüche sind "erwartbar"

Dass im Laufe der Zeit mehr Impfdurchbrüche beobachtet werden, sei "erwartbar" schreibt das RKI – "da generell immer mehr Menschen geimpft sind und sich Sars-CoV-2 derzeit wieder vermehrt ausbreitet". Der Anteil vollständig geimpfter Personen unter den Meldefällen sei in den letzten Wochen "deutlich gestiegen". Der Großteil der seit der fünften Kalenderwoche übermittelten Covid-Fälle sei aber nicht geimpft gewesen. 

Auf den Impfstoff von Biontech/Pfizer, der in Deutschland mit Abstand am häufigsten verwendet wird, entfallen mehr als 117.367 Impfdurchbrüche. Für den Impfstoff von Johnson & Johnson werden 21.499 Impfdurchbrüche gemeldet, 14.091 mit Astrazeneca sowie 8676 mit Moderna. Auf sogenannte Kreuzimpfungen, also Astrazeneca in Kombination mit Biontech/Pfizer beziehungsweise Moderna, entfallen insgesamt 10.172 Impfdurchbrüche. In einigen Fällen liegen keine Daten zu dem zuvor verwendeten Impfstoff vor. Das betrifft 3383 wahrscheinliche Impfdurchbrüche. 

Aus den Zahlen lässt sich nicht 1:1 ableiten, bei welchem Impfstoff die meisten Durchbrüche zu beobachten sind. Dafür müssen die Daten in Relation zu der Anzahl der verabreichten Impfungen gesetzt werden, die sich je nach Impfstoff stark unterscheidet. Bekannt ist aber, dass bei dem Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson Impfdurchbrüche häufiger als bei anderen Vakzinen auftreten. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt deshalb einen Booster ab vier Wochen nach der J&J-Spritze. 

Grundsätzlich geht das RKI von einer "Untererfassung der geimpften Covid-Fälle" aus, wie es in seinem Wochenbericht schreibt. Das liegt daran, dass nicht für jede gemeldete Covid-Erkrankung vollständige Angaben zum Impfstatus vorliegen. In knapp einem von fünf symptomatischen Fällen fehlen demnach Daten. 

Dass die aktuellen Corona-Impfstoffe keinen hundertprozentigen Schutz vor Ansteckung bieten, zeigte sich bereits in den Zulassungsstudien. Auch die Virusvariante Delta macht Impfdurchbrüche wahrscheinlicher. "Die Delta-Variante hat leider die Eigenschaft, sich trotz der Impfung zu verbreiten", hatte der Berliner Virologe Christian Drosten in dieser Woche in einem "Zeit"-Interview erklärt. Nach zwei, drei Monaten beginne der Verbreitungsschutz der Impfung zu sinken. Das bedeutet: Auch Geimpfte können sich dann mit dem Virus infizieren und es im Anschluss beispielsweise zu Ungeimpften tragen, die ein höheres Risiko für schwere Verläufe haben.

Viele Menschen seien bereits im Mai oder Juni geimpft worden, so Drosten. Diese würden jetzt allmählich ihren Verbreitungsschutz verlieren.

Hoher Schutz vor schweren Verläufen

Das RKI geht weiterhin von einer hohen Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe aus. Für den Zeitraum der letzten vier Wochen gibt das Institut die geschätzte Impfstoff-Wirksamkeit (Schutz vor Ansteckung) für alle Altersgruppen ab 18 Jahren mit rund 72 Prozent an. Ernste Symptome nach einem Impfdurchbruch sind selten. 

Der Schutz vor einer schweren Erkrankung mit Krankenhauseinweisung beläuft sich demnach für denselben Zeitraum auf ca. 88 Prozent (Alter 18-59 Jahre) beziehungsweise ca. 85 Prozent (Alter 60 Plus). Der Schutz vor einer Behandlung auf der Intensivstation beträgt laut RKI ca. 93 Prozent (Alter 18-59 Jahre) beziehungsweise ca. 90 Prozent (Alter 60 Plus). Der Schutz vor Covid-19-bedingten Todesfällen beläuft sich demnach auf ca. 92 Prozent (Alter 18-59 Jahre) bzw. ca. 87 Prozent (Alter 60 Plus).

Der Anteil wahrscheinlicher Impfdurchbrüche an hospitalisierten Covid-19-Fällen beträgt demnach in der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen 5,7 Prozent ab der fünften Kalenderwoche (22,7 Prozent in den vergangenen vier Wochen). In der Altersgruppe 60 Plus liegt die Hospitalisierungsrate nach Impfdurchbrüchen ab der fünften Kalenderwoche bei 14,1 Prozent (45,1 Prozent in den vergangenen vier Wochen). Diese Werte müssen zusammen mit der erreichten Impfquote interpretiert werden. In der Altersgruppe 60 Plus sind derzeit 85,6 Prozent vollständig immunisiert. Bei den 18- bis 59-Jährigen sind es 74,0 Prozent. 

Angesichts der derzeit hohen Fallzahlen wird verstärkt über Maßnahmen diskutiert, mit denen einerseits Menschen erreicht werden können, die nach wie vor ohne Impfschutz sind, und mit denen andererseits der bestehende Impfschutz vollständig Geimpfter aufgefrischt werden kann. Studien zeigen, dass sogenannte Booster-Impfungen den Ansteckungsschutz wiederherstellen und auch das Risiko für schwere Verläufe und Todesfälle weiter senken. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Booster bereits für bestimmte Risikogruppen, darunter Ältere ab 70 Jahren. Eine generelle Booster-Empfehlung soll in Kürze folgen. 

ikr

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