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Corona-Pandemie Bestellt und nicht geliefert: Wie viele Impfdosen braucht die EU und wo bleiben sie?

Eine Pflegekraft in voller Schutzausrüstung kümmert sich um einen älteren, weißhaarigen Mann, der in einem Bett beatmet wird
Sehen Sie im Video: Berliner Großkrankenhaus steht nach Corona-Ausbruch unter Quarantäne.




Nachdem das Berliner Humboldt-Klinikum wegen mehrerer Fälle der mutierten Coronavirus-Variante Quarantäne-Maßnahmen ergriffen hat, sind nun auch Infektionen außerhalb des Krankenhauses nachgewiesen worden. Das sagte der Leiter des Gesundheitsamtes Reinickendorf, Patrick Larscheid, am Montagnachmittag.
"Und wir können aktuell noch nicht vollständig die Lage einschätzen. Es hat sich erschwerend ergeben in den letzten Minuten, dass bereits zwei Menschen, die keinen direkten Bezug zu den eben angesprochenen Personengruppen haben, auch die B.1.1.7-Variante aufweisen. Das sind in einem Fall Angehörige und in einem anderen Fall eine Nachbarin eines ehemaligen Patienten aus dem HUK, der entlassen wurde. Das heißt, es passiert natürlich genau das, was wir jetzt auch wollen. Wir gewinnen gerade einen größeren Überblick, und wir erwarten auch im Laufe des heutigen und morgigen Tages noch weitere Zahlen und sind sehr sicher, dass leider auch diese Variante B.1.1.7 dabei eine Rolle spielen wird... Es ist nicht so, dass hier stadtweit überall Hotspots sind und wir gucken müssen, dass die ganze Stadt jetzt ein Problem hat. Nein, das, was wir nachweisen, ist erfreulicherweise zurzeit begrenzt. Und das ist auch der Sinn unseres ganzen Handelns, dass wir versuchen, es auf diesen, wenn auch großen, Personenkreis zu beschränken."
Zwei weitere Fälle der bisher vor allem in Großbritannien aufgetretenen, offenbar hochansteckenden Variante gebe es im Vivantes-Klinikum in Berlin-Spandau, hieß es am Montag. Auch die Charité meldete inzwischen mehrere Fälle.
Am Humboldt-Klinikum stehen rund 1500 Ärzte, Pflegekräfte und weiteres Personal unter häuslicher Quarantäne. Außerdem sollen mindestens 400 Patienten, die sich derzeit in Behandlung befinden, vorerst isoliert bleiben. Und es wurde ein Aufnahmestopp für neue Patienten verhängt, Notfälle werde in andere Kliniken umgeleitet. Für Vivantes-Mitarbeiter wurde ein Shuttle-Service eingerichtet, zudem soll umfassend getestet werden.
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Wann kommt endlich meine Chance auf eine Corona-Impfung? Im Lockdown-Frust fragen sich das viele in Deutschland und anderen EU-Staaten. Bestellt sind riesige Mengen Impfstoff, doch die Lieferpläne wackeln.

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Die Lage im Überblick:

Die 2,3-Milliarden-Sammelbestellung der EU

Die EU-Kommission hat mit sechs Herstellern Rahmenverträge über die Lieferung von insgesamt 2,3 Milliarden Impfstoffdosen geschlossen - mehr als genug für die 450 Millionen Europäer. In die Entwicklung und den Aufbau von Produktionskapazitäten hat sie 2,7 Milliarden Euro gesteckt. Zwei Mittel sind inzwischen zugelassen: Von Biontech/Pfizer soll die EU bis zu 600 Millionen Dosen bekommen und von Moderna noch einmal 160 Millionen Dosen. Das Vakzin von Astrazeneca soll Ende Januar zugelassen werden.

Deutschland hat mehr als 300 Millionen Dosen bestellt

Deutschland erwartet nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Biontech/Pfizer aus der EU-Bestellung 64 Millionen Dosen sowie über eine eigene "gesicherte Option" weitere 30 Millionen. Von Moderna sollen es noch einmal 50,5 Millionen sein. Bestellt hat Deutschland darüber hinaus: 56,2 Millionen Dosen von Astrazeneca; bis zu 73 Millionen Dosen von Curevac; und 37,25 Millionen Dosen von Johnson&Johnson.

Deutschland hat bisher fast nur Biontech /Pfizer genutzt

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC soll die Daten zu gelieferten und genutzten Impfstoffen der 27 EU-Staaten rasch zusammentragen und veröffentlichen, ist aber nach eigenen Angaben noch nicht ganz fertig. Für Deutschland veröffentlicht das Robert Koch-Institut regelmäßig die Daten. Bis einschließlich Sonntag waren 1,78 Millionen Impfstoffdosen verbraucht. Davon kam der allergrößte Teil, nämlich 1,76 Millionen Dosen, von Biontech/Pfizer. Von Moderna kamen rund 20.000 Einheiten. Die Zahl der Geimpften in Deutschland lag bei 1,55 Millionen, denn einige Menschen haben bereits ihre zweite Dosis bekommen.

Zwei wichtige Hersteller liefern weniger

Biontech/Pfizer hat wegen des Umbaus eines Werks in Belgien einen kurzen Produktionsengpass angezeigt - nach EU-Angaben befristet auf die vergangene Woche. Die Liefermenge soll EU-weit diese Woche wieder 100 Prozent erreichen und der Ausfall rasch wettgemacht werden. In Deutschland kommt dies nach Angaben des Gesundheitsministeriums in einem anderen Rhythmus an: Vergangene Woche war demnach etwas mehr verfügbar, nämlich 842.400 statt 667.875 Dosen. Diese Woche sollen aber nur 485.550 Dosen kommen, ab 1. Februar dann schrittweise wieder mehr. Für die Woche ab 22. Februar sind 906.750 Dosen in Deutschland avisiert.

Hinzu kommt nun die Ankündigung von Astrazeneca, ebenfalls weniger an die EU-Staaten liefern zu können, und das in viel größerem Umfang. Der britisch-schwedische Konzern könnte am 29. Januar die Zulassung bekommen. Danach erwartete die EU eigentlich 80 Millionen Impfdosen bis Ende März. Doch nun sollen es nach EU-Angaben nur 31 Millionen sein. Begründung hier: Lücke in der Lieferkette in Belgien. Im Raum steht aber die Vermutung, dass vorproduzierter Impfstoff statt an die EU an Dritte verkauft worden sein könnte. Die EU verlangt Aufklärung und die volle Menge.

nik DPA

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