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Long-Covid Corona und das Herz: Fitbit-Untersuchung liefert Hinweise auf erhöhten Puls

Corona Herz Wearable: Ein Mann mit einer Smartwatch
An der Studie nahmen unter anderem 234 Menschen teil, die positiv auf das Coronavirus getestet worden waren
© PeopleImages / Getty Images
Sie sind müde oder klagen über Atembeschwerden: Einige Menschen entwickeln nach einer akuten Corona-Infektion Long-Covid. Eine Studie mit Wearables zeigt nun: Hatten Menschen Covid-19, kann sich das auch Wochen nach überstandener Infektion beim Puls bemerkbar machen.

Die meisten Menschen erholen sich vollständig von einer Covid-19-Erkrankung. Mindestens einer von zehn ehemals Infizierten entwickelt jedoch länger andauernde Beschwerden – darunter Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit oder Atembeschwerden. Noch ist unklar, warum einige Menschen unter langfristigen Symptomen leiden, während andere voll genesen. Forschende nähern sich der Frage auf unterschiedlichste Weise, wie nun eine Studie mit sogenannten Wearables, darunter Fitbits, aus den USA zeigt.

Die Studie gibt einen interessanten Einblick in den Genesungsprozess von ehemaligen Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf Basis von Gesundheitsdaten, die mittels Tracker erhoben wurden. Dabei zeigte sich, dass der Puls ehemals Infizierter noch über Wochen oder gar Monate nach der akuten Phase der Infektionen erhöht war. Als Vergleichsgruppe dienten den Forschenden Personen, die sich zwar mit einem Atemwegserreger, nicht aber mit dem Coronavirus infiziert hatten. 

Mehr als 37.100 Menschen beteiligten sich an der Untersuchung, die im März 2020 gestartet war und bis Ende Januar 2021 ging. Der Fokus der Forschenden lag auf einer Untergruppe von 875 Fitbit-Trägern, die im Laufe der Untersuchung unter anderem über Fieber, Husten sowie Gliederschmerzen geklagt hatten und daraufhin auf das Coronavirus getestet worden waren. Bei 234 Personen fiel der Test positiv aus. Bei den übrigen 641 Erkrankten gingen die Forschenden davon aus, dass sie sich mit anderen Erregern infiziert hatten. 

Die akute Phase der Erkrankung zeigte sich demnach deutlich in den erhobenen Gesundheitsdaten. Die Teilnehmer beider Gruppen schliefen zunächst mehr und bewegten sich weniger, auch erhöhte sich ihr Ruhepuls. Die Forschenden beobachteten aber, dass der Ruhepuls in der Covid-Gruppe stärker erhöht war als in der Vergleichsgruppe. "Wir sehen auch eine viel drastischere Veränderung bei der Schrittzahl und dem Schlaf", wird Jennifer Radin von der "New York Times" zitiert. Die Epidemiologin war an der Studie beteiligt. 

Schwankende Herzfrequenz

Und noch eine weitere Beobachtung machten die Forschenden in der Covid-Gruppe: Etwa neun Tage nachdem die Probanden zuerst von Symptomen berichtet hatten, sank die Herzfrequenz. In der Vergleichsgruppe war dies nicht der Fall. Nach der kurzfristigen Delle stieg die Herzfrequenz der Teilnehmer in der Covid-Gruppe aber wieder an und blieb teils wochenlang erhöht. Im Schnitt normalisierte sich der Ruhepuls nach 79 Tagen. Bei der Vergleichsgruppe war dies nach rund vier Tagen der Fall.

Auffällig war zudem eine kleine Gruppe innerhalb der Covid-Erkrankten. Ihr Herz schlug über die Dauer von ein bis zwei Monaten nach der Infektion etwa fünf Mal häufiger in der Minute als zu erwarten gewesen wäre. Ihr Puls normalisierte sich im Schnitt zudem erst nach 133 Tagen. Betroffen waren etwa 14 Prozent der Personen in der Covid-Gruppe. Auffallend war zudem, dass diese Personengruppe während der akuten Phase der Infektion deutlich häufiger über Husten, Atemlosigkeit und Gliederschmerzen geklagt hatte.

Mögliche Gründe für die erhöhte Herzfrequenz kann die Studie nicht nennen. Der schnellere Puls muss zudem nicht zwingend auf eine zugrundliegende schwere Erkrankung oder dauerhafte Schädigung hinweisen. Eine Einschränkung der Studie ist auch, dass die Teilnehmer nicht weiterhin zu möglichen Symptomen befragt worden waren. So ist unklar, ob Menschen, deren Ruhepuls über längere Zeit erhöht war, beispielsweise auch häufiger Long-Covid-Symptome entwickelt hatten.

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Die Forschenden vermuten, dass entzündliche Prozesse im Zusammenhang mit der Covid-Erkrankung möglicherweise eine Rolle spielen könnten. So könnten sie die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigen, den Puls zu regulieren. Grundsätzlich wird der Ruhepuls jedoch von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Eine ungesunde Lebensweise, zu viel Gewicht, psychischer Stress und auch Medikamente können ihn nach oben treiben.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom "Scripps Research Institute" in San Diego hoffen nun, dass die Ergebnisse die Forschung zu den möglichen Ursachen von Long-Covid voranbringen werden.

Quellen: Jama Infectious Diseases / New York Times

ikr

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