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News zum Coronavirus Mehr als 35.000 Infizierte in Deutschland – Bundestag beschließt historisches Hilfspaket

Raul Krauthausen


Wann gehören Menschen mit Behinderung zur Corona-Risikogruppe?
Viele Menschen mit Behinderung gehören zu der sogenannten Risikogruppe, weil sie zum Beispiel durch das Sitzen kein großes Lungenvolumen haben. Vielleicht durch eine Wirbelsäulenverformung, auch , auch wenn sich die Lunge nicht ganz ausdehnen kann oder durch eine Muskelerkrankung, wodurch sie auch ein eingeschränktes Lungenvolumen haben und dann Probleme mit dem Husten haben. Wo es dann vor allem darum geht, eine Lungenentzündung zu vermeiden, denn die kann eine sehr große Auswirkung haben auf diese Menschen.
In wiefern betrifft Sie das persönlich?
Auch mich betrifft das. Meine Lunge ist nicht die größte. Ich habe zwar ein relativ starkes Immunsystem, aber wenn ich eine Lungenentzündung bekommen sollte, könnte es schon sein, dass das ungünstig ist. 
Wie hat sich Ihr Alltag in den vergangen Wochen verändert?
Ich habe das Privileg, dass wir bei uns auf der Arbeit schon immer im Homeoffice praktizieren konnten. Das heißt, es gibt gar nicht so viele Einschränkungen? Ich gehe ein bisschen weniger raus. Noch gibt es genug zu tun in der Wohnung. Bin mal gespannt, wie das in ein paar Wochen aussieht. Wenn dann irgendwie alles gemacht ist, was man sich schon immer mal vorgenommen hatte. Mir fehlt die Sonne. Mir fehlt auch ein bisschen die Geselligkeit und die Gelassenheit, die wir sonst im Alltag hatten, wenn wir rausgegangen sind. Ich hoffe, das kommt irgendwann wieder. Aber wann, ist unklar.
Was hilft Ihnen durch die Isolation im Alltag?
Interviews, aber auch Routinen durch Rhythmus im Alltag und den Versuch, irgendwie einigermaßen den Alltag aufrechtzuerhalten oder zu leben und Struktur reinzubringen. Nicht zu viele Informationen zu konsumieren, aber auch nicht zu wenige. Kontakt mit Menschen über soziale Medien, über Videos, Skype und dann eben auch immer wieder mahnen und darauf hinweisen, dass es noch viele andere Themen und Menschen gibt, die von dieser Krise betroffen sind. Es geht hier nicht um mich, nur um mich. Oder nur um Menschen mit Behinderung. Es gibt noch viele, viele andere Menschen.
Sie haben sich der Kampagne #Risikogruppe angeschlossen: Was hat sie bewirkt?
Ja, der Hashtag ging natürlich total viral. Wir haben total viele Medienanfragen bearbeitet, die alle so in die gleiche Richtung gehen wie das, was wir gerade machen. Was mir gerade Sorgen macht, sind eigentlich andere Dinge. Mir fällt schon auf, dass es immer noch viele Menschen gibt, die draußen unterwegs sind und sich nicht daran halten, zu Hause zu bleiben. Aber ich mache mir auch nichts vor. Zu glauben, dass irgendeine Kampagne oder Interviews diese Menschen überzeugen,, sondern da muss man dann wahrscheinlich zu anderen Maßnahmen greifen und auch der Staat dafür sorgen. Auch wenn es schade ist, dass wir hier mit Überzeugung nicht mehr weiterkommen. Und dann mache ich mir natürlich sorgen : Was machen wir, wenn die Krankenhäuser dann irgendwann wirklich voll sind? Und dann Menschen mit Behinderungen, die auch so Unterstützung brauchen, auch oft von Krankenhäusern, dann Probleme haben, dort behandelt zu werden? Wir lesen schreckliche Berichte aus Italien, aus England, aus den USA, wo bereits Beatmungsgeräte knapp werden und dann entschieden werden muss, wem geholfen wird und dass wir sowas mal in Deutschland erleben, hätte ich für möglich gehalten. 
Was fehlt Ihnen gerade in der Berichterstattzng über Corona?
Ich würde mir wünschen, dass Medien weniger fragen, wie einzelne Menschen, die zur Risikogruppe gehören, damit umgehen. Denn das Thema ist inzwischen seit einer Woche in zahlreichen Medien – sondern weiterzugehen und vielleicht auch mal den Silberstreif am Horizont zeigen. In was für eine Gesellschaft werden wir danach leben? Was macht Hoffnung? 
Welche Dinge passieren gerade, die uns in der Zukunft stärken werden?
Damit wird sicherlich der Digitalisierung einen großen Schub gegeben. Dass viele Menschen erkennen, dass Homeoffice doch möglich ist. Dass viele Menschen spüren, was es bedeutet, wenn man wenig Kontakt hat, wenn man einsam ist, wenn man nicht mehr aus dem Haus kommt. Was viele Menschen mit Behinderung schon ihr Leben lang spüren, vielleicht auch eine gewisse Empathie. Aber wir müssen auch mal ergänzend zu einer Frage davor genau hinschauen: Wie geht es den Menschen in Behinderteneinrichtung, in Wohnheimen, in Altersheimen? Mich erreichen Geschichten, wo Menschen infiziert sind, mit Corona in einem Behindertenheim. Der Staat sagt: Geht doch nach Hause. Aber die sind zu Hause, und die stecken sich untereinander an. Es fehlt an Schutzausrüstung.  Die Pflege: Fachkräfte kommen nicht mehr zur Arbeit, weil sie Angst haben, sich zu infizieren. Es gibt ja sehr viele Menschen, die wirklich unter dieser Krise mehr leiden als ich persönlich. 
Was wünschen Sie sich von der Politik?
Dass sie sich ehrlich macht und dass sie auch wirklich den Menschen helfen, die am wenigsten haben: Menschen mit Behinderungen. Menschen, die prekär leben und verdienen. Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind. Und dass wir hier nicht wieder anfangen, irgendwelche Spielchen zu spielen mit zigfachen Formularen und Nachweisen, ob man wirklich bedürftig ist. Wir wissen genau, welche Menschen bedürftig sind. Menschen, die einsam sind, Menschen, die alleinerziehend sind, Menschen, die Kinder zu Hause betreuen müssen, weil die Kitas und Schulen zu haben und nebenbei noch arbeiten und da schon wenig verdient haben. Das ist eigentlich sonnenklar, dass diese Menschen Unterstützung brauchen. Manche müssen wir wirklich großzügig unterstützen.
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Gesundheit, Lebensunterhalt, Arbeitsplätze – das ist für die Bundesregierung in der Corona-Krise das Wichtigste. Der Bundestag winkt beispiellose Hilfsmaßnahmen durch. Zugleich rüsten sich die Krankenhäuser für noch mehr Infizierte.

Milliardenschwere Hilfen sollen in der Corona-Krise den Lebensunterhalt der Bürger, ihre Arbeitsplätze, die Krankenhaus-Versorgung und bedrohte Unternehmen sichern. Dafür beschloss der Bundestag am Mittwoch ein historisches Paket - und ermöglichte dem Bund eine massive Neuverschuldung. Auch der Bundesrat verschwendete keine Zeit. Während sich die Intensivstationen für die Corona-Welle wappnen, beginnt aber auch schon eine Debatte, wie lange die Kontaktbeschränkungen überhaupt durchzuhalten sind.

MEHR ALS 35 000 CORONA-INFIZIERTE IN DEUTSCHLAND

Bei mehr als 35 300 Menschen in Deutschland ist inzwischen eine Infektion mit dem Corona-Virus nachgewiesen. Mindestens 180 Infizierte sind bundesweit gestorben. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Besonders hohe Zahlen haben Nordrhein-Westfalen mit mehr als 9400 sowie Bayern mit mehr als 7200 und Baden-Württemberg mit mehr als 6000 Fällen.

Coronavirus: Prinz Charles positiv getestet

Auch der britische Thronfolger Prinz Charles (71) wurde positiv auf das neuartige Coronavirus getestet. Er habe nur milde Symptome und sei ansonsten bei guter Gesundheit, teilte der Palast mit.

BUNDESTAG BESCHLIEßT HISTORISCHES HILFSPAKET

Erst machte Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) den Bürgern Mut in harten Zeiten, dann fasste der Bundestag historische Beschlüsse: Es gibt massive Hilfen für Unternehmen, Krankenhäuser und die Bürger direkt. Der Bund darf dafür in diesem Jahr neue Kredite in Höhe von 156 Milliarden Euro aufnehmen.

Kleine Firmen und Selbstständige bekommen Zuschüsse, auch für die Krankenhäuser gibt es eine große Finanzspritze. Der Bundestag beschloss zudem einen 600 Milliarden Euro umfassenden Schutzschirm für größere Firmen. Der Staat will in großem Umfang Garantien geben und notfalls wichtige Unternehmen auch ganz oder zum Teil verstaatlichen.

Für Mieter beschloss der Bundestag, dass Vermieter ihnen nicht mehr kündigen dürfen, wenn sie wegen der Corona-Krise die Miete nicht zahlen können. Die Jobcenter sollen bei Hartz-IV-Anträgen ein halbes Jahr lang auf die Prüfung des Vermögens verzichten. Familien mit Einkommenseinbrüchen sollen leichter an den Kinderzuschlag kommen. Die Regelungen gehen nun in den Bundesrat, einige der Gesetze sind dort zustimmungspflichtig.

DEBATTE ÜBER ENDE DER KRISENMAßNAHMEN

Bereits an Tag zwei der härteren Kontaktbeschränkungen ist eine Debatte darüber ausgebrochen, wie lange die Maßnahmen durchgehalten werden können. Die Bundesregierung sieht vorerst keinen Anlass für eine Lockerung. "Wir befinden uns immer noch am Anfang einer Epidemie", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Auch wenn sich ein leichtes Abflachen der Kurve andeute, gebe es weiterhin eine hohe Zahl an Neuinfektionen und keinen Grund für Entwarnung. Es sei davor zu warnen, jetzt bereits von einer "Exitstrategie" zu sprechen.

Ressortchef Jens Spahn (CDU) sagte der Wochenzeitung "Die Zeit": "Die Frage, wie wir diesen Krisenmodus wieder verlassen, wird jeden Tag wichtiger." Es gehe darum, öffentliches Leben in Zeiten der Epidemie wieder möglich zu machen. "Bis spätestens Ostern will ich darauf eine gute Antwort geben können." Dabei müsse auch über neue Lösungswege nachgedacht werden.

Warnungen: Wirtschaft könnte dauerhaft Schaden nehmen

Zugleich gibt es Warnungen, die Wirtschaft werde dauerhaft Schaden nehmen, wenn die Maßnahmen nach Ostern noch in Kraft seien. Auch die psychologische Belastung der Menschen müsse berücksichtigt werden.

FORDERUNG: BONI FÜR CORONA-HELDEN STEUERFREI MACHEN

Union und SPD wollen, dass Beschäftigte mit besonderen Leistungen in der Corona-Krise finanziell belohnt werden. Wenn ihr Arbeitgeber ihnen einen Bonus zahle, müsse dieser von der Steuer befreit werden. Das Finanzministerium prüft derzeit, ob und wie eine solche Befreiung umgesetzt werden kann. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) forderte zugleich höhere Löhne für Kassierer und Pfleger. Das könne aber nicht staatlich verordnet werden.

BONI-BREMSE FÜR TOPMANAGER 

Haushaltspolitiker im Bundestag wollen verhindern, dass Top-Manager trotz der Krise hohe Boni einstecken. Ihre Forderung: Die Bundesregierung soll sicherstellen, dass Unternehmen, die unter den Rettungsschirm des Staates schlüpfen, keine Dividenden, Boni oder Sonderzahlungen etwa in Form von Aktienpaketen für ihre Vorstände ausgeben. Staatliche Beteiligungen dürften nicht für hohe Vorstandsbezüge oder Dividenden missbraucht werden.

JETZT DOCH ÜBERALL ABIPRÜFUNGEN

Die Schulabschlussprüfungen in Deutschland sollen nun doch überall stattfinden - wenn auch zu anderen Terminen als geplant. Darauf einigten sich die Kultusminister der Länder in einer Schaltkonferenz. Die Prüfungen, insbesondere die schriftlichen Abiturprüfungen, finden zum geplanten bzw. zu einem Nachholtermin bis Ende des Schuljahres statt, soweit dies aus Infektionsschutzgründen zulässig ist", heißt es in dem Beschluss. Schleswig-Holstein rückte von seinen Plänen ab, die Prüfungen in diesem Schuljahr komplett ausfallen zu lassen. In Hessen und Rheinland-Pfalz schreiben Schüler ihre Abiturprüfungen derzeit unter strengen Hygienevorschriften. Andere Länder haben das Abi und andere Schulabschlussprüfungen verschoben.

ERNTEHELFER DÜRFEN NICHT EINREISEN

Erntehelfer und andere Saison-Arbeitskräfte dürfen seit Mittwochnachmittag nicht mehr einreisen. So soll die Ausbreitung der Pandemie weiter eingedämmt werden. Die Regelung gilt für die Einreise aus Drittstaaten, aus Großbritannien, für EU-Staaten wie Bulgarien und Rumänien, die nicht alle Schengen-Regeln vollumfänglich anwenden, sowie für Staaten wie Polen oder Österreich, wo es jetzt wieder Grenzkontrollen gibt.

Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte, das Einreiseverbot treffe die Betriebe sehr hart. Der Stopp müsse so kurz wie möglich gehalten werden. Insbesondere Obst-, Gemüse- und Weinbaubetriebe bräuchten dringend Arbeitskräfte. In der Landwirtschaft sind jährlich knapp 300 000 Saisonarbeitskräfte in Ernte und Aussaat beschäftigt, die vor allem aus Osteuropa kommen.

KLINIKEN MIT SELBSTGENÄHTEN SCHUTZMASKEN

Die Intensivstationen rüsten sich für mehr Patienten. Noch ist die Situation nach Angaben von Intensivmedizin-Verbänden und Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) noch relativ normal, in den nächsten acht bis zehn Tagen wird aber mit deutlich mehr Schwerkranken gerechnet. Derzeit fehlt vor allem Schutzausrüstung für Mediziner und Pflegepersonal. Eine Klinik berichtete, ehemalige Krankenschwestern nähten selbst Schutzmasken - allerdings nur für den normalen Betrieb. Hoffnung gibt, dass die Produktion in China langsam wieder anläuft.

LUFTBRÜCKE" FÜR TOURISTEN

Die Bundesregierung hat gemeinsam mit Reiseveranstaltern und der Lufthansa inzwischen mehr als 150 000 im Ausland gestrandete Deutsche zurückgeholt. Zahlreiche Länder haben wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus Grenzen dicht gemacht und Flugverbindungen gekappt. Rund 50 000 Reisende warten laut Auswärtigem Amt noch auf Sonderflüge. Unter www.rueckholprogramm.de können festsitzende Deutsche sich für die Rückholaktion registrieren lassen. Die Tui will an diesem Wochenende noch Kunden aus Fernzielen wie Thailand, Mauritius, Mexiko oder Sri Lanka nach Hause bringen. Weil viele Airlines ihren Betrieb unterbrochen haben, sind derzeit kaum reguläre Linienverbindungen zu bekommen.

BILLIONEN-HILFEN IN DEN USA

Auch die US-Regierung plant ein Mega-Hilfspaket - Republikaner und Demokraten haben sich darauf geeinigt. Laut Präsident Donald Trump soll es 2 Billionen Dollar umfassen. Geplant sind unter anderem direkte Hilfszahlungen an die US-Steuerzahler, eine deutliche Verbesserung der Arbeitslosenversicherung, mehr Geld für Krankenhäuser und ein sehr umfassendes Kreditprogramm für Unternehmen. Auch in den USA sind viele Geschäfte derzeit geschlossen, Restaurants und Kinos leer, Reisen wurden gestrichen.

G20-LÄNDER BERATEN CORONA-KRISE

Die Staats- und Regierungschefs der führenden Wirtschaftsmächte wollen die Corona-Krise am Donnerstag bei einem Video-Sondergipfel beraten. Es solle dabei um weltweit koordinierte Schritte zur Eindämmung der Pandemie und um die "menschlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen" gehen, kündigte Saudi-Arabien laut staatlicher Nachrichtenagentur SPA an. Das Königreich hat den Vorsitz in der G20-Gruppe. Auch Länder und Organisationen, die eigentlich nicht Teil der G20 sind, sollen teilnehmen.

tim DPA

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