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Schwierige Kontaktnachverfolgung "Schlimmste Befürchtungen werden wahr": Corona-Fall nach Anti-Rassismus-Demo in Australien

Coronavirus-Fall bei "Black Lives Matter"-Demonstration in Melbourne
An der "Black Lives Matter"-Demonstration in Melbourne, nach der ein Coronavirus-Fall auftauchte, nahmen etwa 10.000 Menschen teil.
© Sydney Low / Picture Alliance
Nach einer "Black Lives Matter"-Demonstration in Melbourne ist ein Mann positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Behörden gehen davon aus, dass er schon bei den Protesten infiziert und ansteckend war.

In vielen Städten auf der ganzen Welt versammelten sich am Wochenende tausende Menschen, um gegen Rassismus, Diskriminierung und Polizeigewalt zu demonstrieren – trotz der Gefahr durch das Coronavirus. Im australischen Melbourne ist nach einer "Black Lives Matter"-Demonstration ein Infektionsfall gemeldet worden. Die Behörden gehen davon aus, dass der Mann zum Zeitpunkt der Demonstration bereits infiziert war.

An den Protesten in Melbourne nahmen insgesamt 10.000 Menschen teil. Erlaubt sind in dem Bundesstaat Victoria eigentlich nur Versammlungen von 20 Personen. Die Gesundheitsbehörden befürchten, dass der Mann auf der Veranstaltung weitere Menschen angesteckt haben und die Demonstration zu einem Superspreading-Event geworden sein könnte. "Damit werden unsere schlimmsten Befürchtungen wahr", sagte Australiens Innenminister Peter Dutton dem Radiosender 2GB in Sydney. "Jetzt könnten wir in eine zweite Welle geraten wie andere Länder."

Maske kein hundertprozentiger Coronavirus-Schutz

Der Mann soll bei der Demonstration eine Maske getragen und erst 24 Stunden danach Symptome von Covid-19 gezeigt haben. Aufgrund der kurzen Zeitspanne zwischen Demonstration und Symptomen sind die Gesundheitsbehörden allerdings sicher, dass er bereits bei den Protesten infiziert und ansteckend war. Das teilte der Gesundheitsminister des Bundesstaates Victoria, Brett Sutton, mit.

"Es ist natürlich hilfreich, dass die Person eine Maske getragen hat, aber Masken sind kein hundertprozentiger Schutz", sagte Sutton. Er forderte alle Teilnehmer der Demonstration auf, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben, sollten sie Symptome entwickeln. Menschen, die sich 15 Minuten lang in engem Kontakt mit der Person befanden, sollten sich ebenfalls isolieren.

Mann hatte Corona-App nicht installiert – Nachverfolgung der Kontakte schwierig

Die Nachverfolgung der Kontakte des Infizierten gestaltet sich allerdings schwierig. Offenbar hatte der Mann die Corona-Tracing-App, die in Australien im Einsatz ist, nicht auf seinem Smartphone installiert. Die App soll anzeigen, wenn sich jemand unwissentlich in der Nähe einer infizierten, unbekannten Person aufgehalten hat. So könne es "unmöglich" sein, die Kontakte zu identifizieren, sagte Sutton.

Drei der Veranstalter der Demonstration müssen eine Geldstrafe von mehr als 1600 australischen Dollar (etwa 970 Euro) zahlen, berichtete der Sender ABC News. Politiker hatten im Vorfeld der Veranstaltung appelliert, sich aus Vorsicht nicht daran zu beteiligen. Meriki Onus, eine der Veranstalterinnen, sagte ABC, dass es Hygienmaßnahmen gegeben habe: "Aber wir sorgen uns auch um das bestehende Problem, dass Menschen in den Händen eines rassistischen Systems sterben."

In Australien gab es bisher lediglich knapp 7300 Coronavirus-Fälle und 102 Todesfälle. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen bewegt sich seit Wochen im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich.

Quellen:ABC News / ABC News / "Sydney Morning Herald"

epp

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