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Corona-Pandemie in Russland: Mit Trick ums Geld gebracht: Ärzte in Sibirien drohen mit Hungerstreik

Bis zu 80.000 Rubel hat Wladimir Putin allen Ärzten versprochen, die gegen die Corona-Pandemie kämpfen. Doch bislang ist nur ein Bruchteil der bewilligten Milliarden bei den Medizinern angekommen. In Sibirien drohen nun Notärzte mit Hungerstreik. 

Russland: Eine Notärztin im Einsatz in Moskau:

Eine Notärztin im Einsatz in Moskau: In Russland klagen Mediziner über fehlende Sonderzahlungen, die von Wladimir Putin versprochen wurden

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In Russland nimmt die Zahl der Corona-Patienten seit Tagen so rasant zu, wie in keinem anderen Land. Mehr als 280.000 bestätigte Infektionen vermeldet die Johns-Hopkins-Universität am Montag. In der vergangenen Woche kamen jeden Tag rund 10.000 neue Infizierte hinzu. Das russische Gesundheitssystem stößt an seine Grenzen. Ärzte und Rettungssanitäter schuften in Zwölf-Stunden-Schichten. Um Sie für ihre Mühen und Arbeit zu entlohnen, kündigte Wladimir Putin im April großzügig Sonderzahlungen an. Bis zu 80.000 Rubel (rund 1000 Euro) sollten alle Ärzte erhalten, die Corona-Patienten behandeln, hatte der russische Präsident versprochen. 

Am Freitag ist die Frist für die Auszahlungen abgelaufen. Doch nur ein Bruchteil der Ärzte hat das Geld bislang erhalten. In Westsibirien drohen nun Notärzte mit einem Hungerstreik. Mit einem öffentlichen Appell wenden sie sich direkt an Putin und den Gouverneur der Region Kemerowo Sergej Tsiwilew. Die Gelder seien nur denjenigen Medizinern ausgezahlt worden, die Patienten mit einer bereits bestätigten Corona-Infektion ins Krankenhaus gebracht haben. "Alle anderen gehen leer aus", beschweren sich die Notärzte der Stadt Anzhero-Sudzhensk, fast 4.000 Kilometer östlich von Moskau, in einem Video

Demnach greife die Regierung der Region auf einen Trick zurück, um die aus Moskau zur Verfügung gestellten Gelder nicht auszuzahlen. Wird eine Corona-Infektion erst im Krankenhaus diagnostiziert, hätten die Ärzte keinen Anspruch auf die Sonderzahlungen, weil sie "sich nicht direkt mit Corona-Patienten befasst" hätten, argumentiert Gouverneur Tsiwilew. 

Die Rettungswagen-Mediziner sind empört. "Warum müssen wir jedem immer alles beweisen?", fragen sie und drohen ab nächsten Montag in einen Hungerstreik zu treten, sollten sie das Geld nicht bekommen. 

Nur sechs von 27 Milliarden Rubel ausgezahlt 

Nicht nur in der west-sibirischen Region Kemerowo bekommen Ärzte offenbar nicht die versprochenen Sonderzahlungen. Überall in Russland klagen die Mediziner nicht nur über katastrophale Zustände, sondern auch über das fehlende Geld. Der russische Premierminister Michail Mischustin gab am Sonntag zu, dass die regionalen Behörden gerade mal sechs der bewilligten 27 Milliarden Rubel ausgezahlt haben.

In dem offiziellen Verlautbarungsblatt der russischen Regierung, "Rossiskaja Gazeta", gelobte Mischustin Besserung. "Von nun an sollte sich die Situation mit Verzögerungen bei solchen Zahlungen nicht wiederholen", versprach er und kündigte weitere 22,4 Milliarden Rubel aus dem Bundeshaushalt zu diesem Zwecke an. Außerdem soll künftig die Höhe der Sonderzahlung nicht von geleisteten Arbeitsstunden abhängen, sondern nach angetretenen Schichten berechnet werden. 

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