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Studien Diabetes-Risiko nach Corona-Infektion erhöht – was Sie dazu wissen sollten

Frau misst ihren Blutzuckerspiegel
Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, haben ein höheres Risiko Diabetes zu entwickeln.
© Ta Nu/Getty Images
Mit einer Covid-19-Infektion scheint das Diabetes-Risiko zu steigen, wie zwei Studien zeigen. Welche Warnzeichen auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel hindeuten.

Schon länger besteht der Verdacht, dass Sars-CoV-2 das Risiko für Diabetes erhöhen könnte. Seit Beginn der Pandemie gibt es Berichte von Patient:innen, die nach einer überstandenen Covid-19-Infektion neu an Diabetes erkrankt sind. Zwei aktuelle Studien deuten auch darauf hin, dass Menschen, die an Sars-CoV-2 erkrankt waren, ein erhöhtes Risiko haben könnten, Diabetes zu entwickeln.

Forschende in den USA haben die Krankheitsdaten von mehr als 180.000 US-Veteranen analysiert, die Covid-19 hatten und ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "The Lancet Diabetes & Endocrinology" veröffentlicht. Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, im Vergleich zur Kontrollgruppe an Diabetes zu erkranken, steigt im Zeitraum von bis zu einem Jahr für die Corona- Infizierten um 40 Prozent.

Als Kontrollgruppen nutzten die Forschenden Daten von zwei Gruppen zu je vier Millionen Menschen, die kein Sars-CoV-2 hatten und sich im Gesundheitssystem für Veteranen behandeln ließen. Pro 1000 Menschen in der Gruppe der Corona-Erkrankten gab es 13 zusätzliche Diabetes-Diagnosen. Bei fast allen festgestellten Fällen handele es sich um Typ-2-Diabetes.

Auch Menschen ohne Risikofaktoren erkranken

Laut den Studienergebnissen steigt die Wahrscheinlichkeit an Diabetes zu erkranken mit dem zunehmenden Schweregrad von Sars-CoV-2. Sogar Menschen mit leichten Infektionen und ohne vorherige Risikofaktoren für Diabetes hatten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, sagte Ziyad Al-Aly, leitender Forscher für die Veterans Affairs (VA) Gesundheitssystem St. Louis in Missouri und Co-Autor der Studie gegenüber "Nature".  

Doch die Ergebnisse der Stude sind limitiert. Die US-Veteranen in der Untersuchung waren hauptsächlich ältere, weiße Männer. Viele von ihnen haben einen erhöhten Blutdruck und sind übergewichtig, was sie einem hohen Risiko aussetze, an Diabetes zu erkranken, erklärt Gideon Meyerowitz-Katz, ein Epidemiologe von der University of Wollongong in Australien gegenüber "Nature".

Eine weitere Studie aus Deutschland, die in der Fachzeitschrift "Diabetologia" erschienen ist, beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Covid-19 und Diabetes. Die Forschenden haben untersucht, ob Typ-2-Diabetes als Folgeerkrankung von Covid-19 auftreten kann. Ihr Ergebnis: Schon eine milde Covid-19-Infektion könnte das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen.

Ein Team um Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes Zentrum Düsseldorf hat für die Analyse elektronische Patientenakten des "Disease Analyser", eine Stichprobe von Hausarztpatient:innen, genutzt. Von März 2020 bis Januar 2021 hatten 8,8 Millionen Menschen einen Allgemeinmediziner oder eine Allgemeinmedizinerin besucht. 35.865 dieser Patient:innen hatten Covid-19. Die Forschenden verglichen die Daten mit einer gleich großen Gruppe von Patient:innen, die wegen einer Atemwegsinfektion behandelt wurden.

Höheres Diabetes-Risiko auch bei milden Corona-Verläufen

Keiner der Patient:innen litt vorher unter einer Diabetes-Erkrankung. Ebenso waren die untersuchten Personen bezüglich ihrer Risikofaktoren und Vorerkrankungen vergleichbar, heißt es in der Studie. Von den Corona-Infizierten entwickelten 15,8 von 1000 Personen Diabetes. In der Kontrollgruppe mit Atemwegsinfektionen lediglich 12,3 von 1000 Personen. Das Diabetes-Risiko ist laut der Studie nach einer Corona-Infektion rund 28 Prozent höher als nach einer Erkältung oder einer Grippe.

Da keine Daten zum genauen Body-Mass-Index der untersuchten Patient:innen und keine genauen Informationen zu Covid-19-Diagnosen außerhalb der Hausarztpraxen vorliegen, könnte die Genauigkeit der Daten eingeschränkt sein. Wolfgang Rathmann sagt, dass die Patient:innen nur drei Monate nach der Corona-Infektion beobachtet wurden. Um Aussagen darüber treffen zu können, ob Typ-2-Diabetes nach einer milden Corona-Infektion chronisch wird oder wieder rückgängig gemacht werden könne, brauche es noch weitere Studien.

Warnzeichen für mögliche Diabetes-Erkrankung

Schon frühere Studien haben sich mit dem Zusammenhang von Covid-19 und Diabetes beschäftigt. Eine Erkenntnis daraus ist, dass Sars-CoV-2 sogenannte Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse angreift und im schlimmsten Falle Typ-1-Diabetes verursachen könnte. Die Entzündungsreaktion, die im Körper durch Covid-19 verursacht wird, scheint die Insulinempfindlichkeit herabzusetzen, was das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhe. Auch durch den sitzenden Lebensstil im Lockdown könnte das Risiko steigen, heißt es in der Mitteilung zur Studie aus Düsseldorf.

Das Forschungsteam empfiehlt, dass Covid-19-Genesene auf Warnzeichen für Diabetes achten sollten. Wer eine Diabetes-Erkrankung vermute, solle sich ärztlich beraten lassen. Typ-2-Diabetes verursacht oft lange Zeit keinen Beschwerden und bleibt so oft unentdeckt. Trotzdem gibt es einige Anzeichen, die auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel hindeuten können:

  • häufiger Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • Abgeschlagenheit/Müdigkeit
  • Neigung zu Infektionen
  • schlecht heilende Wunden

Quellen:Lancet, Diabetologia, Nature, Mitteilung zur Studie, Apotheken Umschau, Fallbericht

rha

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