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Das Glück ist ein Turnschuh: Warum wir faul sind – und drei Mittel dagegen

Sport tut uns gut, daran besteht kein Zweifel. Warum fallen uns dann nur immer so viele gute Gründe ein, keinen zu machen? Alexandra Kraft weiß, wie man sich selbst zu mehr Bewegung überredet.

Eine Studie, die verspricht, dass schon fünf Minuten Bewegung am Tag uns gesund halten, löst Jubelstürme aus. Nur nicht zu viel bewegen, scheint zum Karma der Moderne geworden zu sein. Dabei tut uns Sport doch so gut. Es macht den Kopf frei, wir richten uns auf, Schmerzen verschwinden, Krankheiten werden fern gehalten. Das weiß doch heute jedes Kind. So weit die Theorie. Die Realität ist eine andere. Statt uns einfach zu bewegen und unserem Organismus den nötigen Auslauf zu geben, feilschen wir um Minuten. Warum lügen wir uns dauernd selbst an?

Früher war alles einfacher. Natürlich schönt Erinnerung. Aber die Sache mit der Motivation und der Bewegung war eine andere. Denn die Arbeitswelt war anders. Zu vielen Berufen gehörte körperliche Arbeit einfach dazu. So hatte man sich bis Feierabend viel bewegt und konnte einfach auch dem Sofa niedersinken. Heute sitzen wir im Alltag meist vor dem Computer. Sind kreativ. Die körperlich anspruchsvollen Berufe sind viel, viel weniger geworden. Roboter schufften für uns. Kommen wir abends nach Hause war unser weitester Weg der vom Schreibtisch zum Drucker. Und auch zur Arbeit sind wir mit dem Auto, Bahn oder Bus gefahren. Sitzen ist, wie man heute weiß, extrem ungesund. Und einer der wichtigsten Auslöser für eine Vielzahl von Zivilisationskrankheiten.

So weit so schlecht. Denn unsere Büroalltage sind trotzdem anstrengend. Nach acht Stunden am Schreibtisch mit 1084 Telefonaten und unendlich vielen E-Mails sinken wir natürlich ermattet auf dem Sofa zusammen. Nur haben wir das Problem, dass wir unseren Organismus noch längst nicht ausreichend bewegt haben. Wir haben immer noch den Körper eines Jägers und Sammlers. Und der braucht Auslauf um fehlerfrei zu funktionieren. Aber abends? Wenn es nieselt? So furchtbar kalt ist? Es schon längst dunkel ist? Natürlich fällt es uns dann verdammt schwer, noch mal die Turnschuhe anzuziehen und loszulaufen.

Aber wir sollten uns nicht länger etwas vormachen. Denn fünf Minuten reichen nicht. (Lesen Sie hier, warum fünf Minuten Bewegung am Tag nicht genug sind.) Also: Runter vom Sofa, rein in die Sportschuhe. Wer auf seine Gefühle achtet, kommt dabei schneller in den Tritt, so haben Forscher nun belegt. Geht es um Motivation sind unsere Emotionen einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Sie sind von zentraler Bedeutung für das was wir tun - oder was wir lassen. Gefühle lassen sich nicht einfach niederringen, das macht sie nur noch stärker. Deswegen sind sich die Experten auch einig, dass genau hier der Schlüssel zur Motivation liegt.

Hört sich alles furchtbar theoretisch an. Stimmt. Aber es gibt drei einfache Schritte, mit denen man viel erreicht.

1. Wann sind wir am faulsten? In welcher Stimmung verschieben wir das Lauftraining am liebsten auf den nächsten Tag? Natürlich wenn wir schlecht gelaunt sind, der Tag im Büro stressig und doof war.

Und wann sind wir am produktivsten? Wenn wir Spass an einer Sache haben und fröhlich sind. Geht es im Bewegung können wir dieses Gefühl leicht durch die Wahl der Sportart beeinflussen. Finden wir einen Sport, der uns Spaß macht, sind wir auch mit Eifer dabei. Dann freuen wir uns mehr auf das Training, als auf das Sofa. Wenn wir es dann noch schaffen, uns kleine Ziele zu setzen und uns über diese Fortschritte zu freuen, ist das schon ein wichtiger Schritt in Richtung regelmäßiges Training.

2. Manchmal sind wir Menschen so schön schlicht. Wer sich regelmässig selbst belohnt, ist viel motivierter und trainiert besser. Auch das ist inzwischen in zahlreichen Studien belegt. Die Art der Belohnung ist egal: Es können neue Laufschuhe sein. Oder eine tolle CD. Oder aber eine neue Hose, die uns, mit der neuen sportlichen Figur, plötzlich passt. Man kann seinem besten Freund natürlich auch 100 Euro geben, die man zurück bekommt, wenn man erfolgreich für ein fünf Kilometer Rennen trainiert hat.

3. Dann gibt es noch den guten alten Gruppenzwang. Der hilft immer, auch das ist wissenschaftlich belegt. Wer in einer Laufgruppe trainiert, ist motivierter, weil er die anderen nicht hängen lassen will. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, ganz nebenbei soziale Kontakte zu pflegen. Schließt man sich einer Gruppe an, erlebt man, wie Sport Leben verändern kann. Man hört die Erfolgsgeschichten der anderen. Wie sie leichter, schneller, fiter wurden. Das motiviert unser Unterbewusstsein ungemein. So gibt es sogar Studien die besagen, dass wir, in einer Trainingsgruppe automatisch die Gewohnheiten der anderen annehmen. Wir passen unsere Essgewohnheiten an. Folgen denselben Gesundheitsregel. Und gleichen manchmal sogar unsere Karriereziele aufeinander ab.

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