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Gesundheit: Ärzte identifizieren neun Risikofaktoren für Demenz

Demenz ist unvermeidbares Schicksal? Das stimmt so wohl nicht ganz. Britische Ärzte haben neun Risikofaktoren für die Krankheit identifiziert. Sie glauben: Durch Prävention könnte womöglich jede dritte Erkrankung verhindert werden.

Das Gedächtnis und das Denken lässt nach und auch das zwischenmenschliche Verhalten ist verändert: Demenz ist eines der größten Gesundheitsprobleme der heutigen Zeit und betrifft meist ältere Menschen. Da die Gesellschaft weiter altert, ist in Zukunft mit einem Anstieg der Erkrankungsfälle zu rechnen. Nach Angabe der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland derzeit 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl auf bis zu drei Millionen ansteigen.

In einer Studie betonen britische Forscher nun, wie wichtig Prävention im Kampf gegen die Krankheit ist. Die Wissenschaftler um Gill Livingston vom University College London haben neun Risikofaktoren für Demenz-Krankheiten identifiziert und ihre Ergebnisse im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht. "Eine Demenz wird zwar erst spät im Leben diagnostiziert, doch das Gehirn beginnt in der Regel bereits Jahre zuvor damit, sich zu verändern", wird Livingston von der "BBC" zitiert. 

Den Wissenschaftlern zufolge könnten neun Faktoren das persönliche Erkrankungsrisiko beeinflussen. Zu diesen zählen

  • Hörverlust im mittleren Lebensalter
  • mangelnde Bildung in der Jugend
  • Rauchen
  • Depression
  • körperliche Inaktivität
  • Übergewicht
  • hoher Blutdruck
  • soziale Isolation
  • Typ 2-Diabetes

Würden alle neun Risikofaktoren beseitigt, könnte die Zahl der weltweiten Demenzfälle um rund ein Drittel sinken, glauben die Forscher. Einen Schutz vor einer Erkrankung bieten diese neun Faktoren im Einzelfall aber nicht. Das persönliche Erkrankungsrisiko ist nur bis zu einem gewissen Grad durch einen gesunden Lebensstil beeinflussbar. Die Ursache der Demenz-Krankheit ist bis heute weitgehend unbekannt. Eine seltene Form, bei der die Patienten in einem frühen Lebensalter erkranken, scheint erblich bedingt zu sein.

Demenz: Prävention in jedem Lebensalter

Eine gute schulische Ausbildung sei eine besonders wichtige vorbeugende Maßnahme, so die Forscher. Sie erhöhe die kognitiven Fähigkeiten und die Belastbarkeit des Gehirns. Hätten alle Kinder auf der Welt schlagartig Zugang zu ausreichender Bildung, ließe sich beinahe jeder zehnte Fall (acht Prozent) von Demenz vermeiden, berechneten die Autoren. Nur der Verlust des Gehörs habe größere negative Auswirkungen als mangelnde Schulausbildung.

Allerdings schränken die Wissenschaftler ein: "Die Zahlen sollten mit Vorsicht interpretiert werden, weil es nicht möglich ist, alle Risikofaktoren vollständig auszuschalten". Zudem seien bei den Berechnungen manche potenziellen Risikofaktoren nicht berücksichtigt worden, etwa Alkoholkonsum oder Schlafmangel.

Bis zum Jahr 2050 rechnen die Forscher mit rund 131 Millionen Demenzkranken weltweit. 2015 lag die Zahl der Betroffenen noch bei 47 Millionen. In reichen Ländern wie den USA, Großbritannien, Schweden, Niederlande und Kanada ging der Studie zufolge die Zahl der Krankheitsfälle zuletzt zurück. Sollten dort Risikofaktoren wie Übergewicht und damit zusammenhängende gesundheitliche Probleme weiter zunehmen, würde sich dieser Trend aber schnell wieder umkehren.

"Die Autoren machen zu Recht auf die Bedeutung und das gewaltige Potenzial von Prävention durch Veränderungen des Lebensstils und von Umweltfaktoren aufmerksam", kommentiert Monique Breteler, Direktorin für Populationsbezogene Gesundheitsforschung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. Noch zu klären sei allerdings, welche der Faktoren tatsächlich kausale Auswirkungen auf die Krankheit haben.


ikr, mit / DPA
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