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Corona-Vorbereitung in Kliniken Bundesweite Datenbank startet: Wo gibt es freie Beatmungsplätze auf Intensivstationen?

Die Krankenhäuser in Deutschland bereiten sich auf eine Vielzahl schwerkranker Corona-Patienten vor. Helfen soll dabei ab sofort eine bundesweite Datenbank für freie Beatmungsplätze. Eine Maßnahme, die im Ernstfall Leben retten kann.

28.000. So hoch ist die Zahl der Intensivbetten in Deutschland. 28.000 – das klingt erst mal beruhigend, vor allem, wenn man die Situation mit Italien vergleicht. Dort stehen landesweit gerade mal 5200 Intensivplätze zur Verfügung. Auch das einer der Gründe, warum das italienische Gesundheitssystem gerade am Corona-Virus kollabiert und Ärzte dort jeden Tag entscheiden müssen, wer leben und wer sterben darf.

Doch niemand weiß, ob diese 28.000 Plätze ausreichen werden. Gerade erst hat die Bundesregierung weitere 10.000 Beatmungsgeräte beim Medizintechnikhersteller Drägerwerk in Auftrag gegeben. Auch wenn der Hersteller in Deutschland produziert – bis die Geräte zum Einsatz kommen, dürfte noch Zeit vergehen. Bis dahin gilt es, die vorhandenen Kapazitäten so gut wie möglich zu nutzen und zu organisieren.

Zu diesem Zweck haben die Deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv und Notfallmedizin (DIVI), das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) eine bundesweite Datenbank für Beatmungsplätze ins Leben gerufen. Ab Dienstag sollen die rund 1200 Intensivabteilungen in den deutschen Kliniken ihre freien Kapazitäten in das Divi-Intensivregister eintragen. Auf der Website www.divi.de wird extra ein separater Bereich freigeschaltet (nur für Fachpersonal, nicht für die Öffentlichkeit zugänglich), in der deutschlandweit die Beatmungssituation auf den Intensivstationen dargestellt und abgefragt werden kann.

Bislang keine zentrale Dokumentation von Intensivkapazitäten

Derzeit weiß niemand genau, an welchem Ort in Deutschland wie viele freie Intensivbetten mit Beatmungskapazität zur Verfügung stehen. Auch das ist – wie so vieles in diesen Tagen - dem Föderalismus geschuldet. Es gibt aktuell keine zentrale Stelle, in der die Kapazitäten in der Intensivpflege dokumentiert sind. So war es auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschieden worden, als der sich jüngst nach den Beatmungskapazitäten in Deutschland erkundigt hatte.

Das freiwillige Register soll hier nun Abhilfe schaffen. Auf einer Deutschlandkarte soll jede Klinik in einem Ampelsystem eintragen, wie viele freie Betten sie für Patienten mit geringem Beatmungsbedarf ("low-care"), erhöhtem Beatmungsbedarf ("high-care") und für schwerstkranke Beatmungspatienten ("ecmo") hat. Das Register soll täglich aktualisiert werden, jede Klinik ist dazu angehalten, ihre Zahlen mindestens ein Mal am Tag zu aktualisieren.

Die Logik dahinter: Man will Situationen vermeiden, in denen beispielsweise ein Krankenhaus in Stade einen schwerkranken Corona-Patienten abweisen muss, während es im nahen Hamburg-Harburg womöglich noch freie Beatmungsplätze auf der Intensivstation gibt. Derzeit müssten in einer solchen Situation viele Telefonate geführt werden, um ein freies Bett aufzutreiben. Das soll baldmöglichst durch einen Blick ins Register vermieden werden können.

DIVI-Sprecherin Nina Meckel: "Ziel ist es, den Vorsprung, den wir derzeit noch vor der Entwicklung in Italien haben, sinnvoll zu nutzen. Wir haben viele Mails von italienischen Kollegen bekommen. Alle mit dem gleichen Tenor: 'get ready!!!!!!!'."

Dringende Bitte von RKI-Chef Wieler an die Kliniken: "Nehmen sie teil"

Die Teilnahme ist freiwillig. Aktuell ist keine Klinik dazu verpflichtet, an dem Register mitzuwirken. Doch Lothar Wieler, Präsident des RKI, bittet dringend, sich an der Aktion zu beteiligen: "In den Krankenhäusern ist mit einem steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen zu rechnen. Deshalb ist es wichtig, dass die DIVI und die DKG unterstützt durch das RKI die Kapazitäten der Intensivbetten digital erfassen und so eine bessere Koordinierung ermöglichen."


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