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Zahnpflege Elektrische Zahnbürsten: "Kinder müssen erstmal ein Gefühl dafür bekommen, was in ihrem Mund passiert"

Elektrische Zahnbürsten: Kleines Mädchen putzt ihre Zähne vor einem Spiegel
Weil die motorischen Fähigkeiten unserer Kinder stetig schlechter werden, plädiert Zahnarzt Dr. Thomas Breyer dafür, dass vor allem die Kleinsten ihre Zähne zunächst manuell pflegen.
© FatCamera/LZK Sachsen / Getty Images
Elektrische Zahnbürsten erleben derzeit einen Boom. Immer mehr Eltern drücken auch ihren Kindern die praktischen Geräte in die Hand. Wie sinnvoll das ist und warum Mama und Papa trotzdem konsequent nachputzen sollten, erklärt der Meißner Zahnarzt Dr. Thomas Breyer im Interview. Dazu: die sieben wichtigsten Putztipps für Kinder.

Elektrischen Zahnbürsten eilt der Ruf voraus, sie würden unsere Zähne gründlicher pflegen, als das mit einer gewöhnlichen Handzahnbürste möglich sei. Seit mehr als drei Jahrzehnten breiten sich die surrenden und vibrierenden Bürsten mit den austauschbaren Köpfen in deutschen Badezimmern aus. Auch immer mehr Kinder tauschen die "normale" Zahnbürste gegen ein Bluetooth-fähiges Elektro-Pendant aus. Doch wie sinnvoll und gesund ist es, Knirpsen schon im Kita-Alter elektrische Zahnbürsten in die Hand zu drücken? Dr. Thomas Breyer, praktizierender Zahnarzt und Präsident der Landeszahnärztekammer Sachsen, betont im Interview mit dem stern, dass die Eltern in den ersten Putzjahren ihrer Kinder die wichtigste Rolle spielen. Daran ändern auch bunte elektrische Zahnbürsten und lustige Smartphone-Apps nichts.

Herr Dr. Breyer, in beinahe jedem deutschen Badezimmer steht mindestens eine elektrische Zahnbürste. Auch viele kleinere Kinder putzen mittlerweile elektrisch. Was halten Sie ganz grundsätzlich davon?

Leider entwickeln sich die Kinder von heute motorisch eher zurück, als dass es vorwärts geht. Unser Grundtenor ist deshalb, dass sie in den ersten Lebensjahren mit einer Handzahnbürste putzen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was in ihrem Mund überhaupt passiert. Bei Vierjährigen oder noch jüngeren Kindern besteht sonst die Gefahr, dass sie die Zahnbürste in den Mund stecken und das dann in erster Linie lustig finden und das Gerät ein bisschen vor sich hin brummelt. Die Kinder fangen schnell an zu träumen, spielen vor sich und die Reinigungswirkung geht gegen Null. Nach dem Motto: einmal links rein, einmal rechts rein, fertig. Erschwerend kommt dazu, dass viele Eltern auch glauben, dass die elektrische Zahnbürste die Zähne schon putzen wird und sie selbst mit der Sache nichts mehr zu tun haben.

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Ab welchem Alter sind Kinder in der Lage, sich allein und konsequent selbst die Zähne zu putzen?

Bis etwa zu ihrem sechsten Lebensjahr sind Kinder nicht in der Lage, alle ihre Zähne ordentlich zu putzen. Egal mit welcher Zahnbürste. Bis dahin müssen die Eltern nachputzen. Das geht natürlich auch mit elektrischen Zahnbürsten. Wir halten es aber für sinnvoll, Kinder so lange mit einer Handzahnbürste putzen zu lassen, bis sie motorisch so weit sind, jede Stelle im Mund entsprechend zu erreichen. Nach allem, was wir wissen ist das im Alter zwischen fünf und sieben Jahren. Danach können sie auf die elektrische Zahnbürste umsteigen. 

Das ist die Theorie. Was sind ihre praktischen Erfahrungen aus dem Alltag?

Die Lebenswirklichkeit der Kinder sieht tatsächlich anders aus. Häufig putzen die Eltern mit einer elektrischen Zahnbürste. Das führt dazu, dass die Kinder sich fragen, warum das für Erwachsene richtig sein soll – für sie aber nicht. Hier muss man aus unserer Sicht einen Kompromiss in der Familie finden. Ob das dann eine Schallzahnbürste oder eine mit oszillierendem Kopf ist, spielt im Grunde keine Rolle, wenn man sich für die elektrische Variante entscheidet. Die unterscheiden sich kaum in der Reinigungswirkung. Schallzahnbürsten liegen nach unserer Erfahrung ein wenig vorn. Hier wird das Fluorid besser in den Zahnzwischenräumen verteilt. Dafür sind die Modelle mit oszillierenden Köpfen weniger abrasiv. Das Allerwichtigste ist aber wie gesagt: Nachputzen bis zum sechsten Lebensjahr.

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Was ist der wichtigste Tipp, den Sie Eltern beim Thema Zähneputzen ihrer Kinder mit auf den Weg geben?

Der Glaube, dass die elektrische Zahnbürste von der Kontrolle und dem Nachputzen entbindet, sollte schnell aus den Köpfen der Eltern raus. Wir beobachten, dass es sich mit der elektrischen Bürste leichter ins Träumen kommt als mit der Handzahnbürste. Wenn man beim Putzen mit der Handzahnbürste träumt, bleibt sie einfach stehen. Die elektrische wackelt weiter vor sich hin, selbst wenn sich das Kind in der Nase bohrt. Deshalb sind Kontrolle und das Nachputzen so wichtig.

Zähneputzen bei Kindern: Die sieben wichtigsten Regeln 

  1. Regelmäßiges Putzen ab dem ersten Zahn
  2. Fluoridhaltige Zahncreme verwenden
  3. Kinder beim Putzen beaufsichtigen
  4. Empfehlung: Handzahnbürste bis zum fünften Lebensjahr
  5. Putzdauer mindestens zwei Minuten
  6. Konsequentes Nachputzen durch die Eltern (bis zum sechsten Lebensjahr)
  7. Halbjährliche Kontrolle beim Zahnarzt (Beläge einfärben)
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Selbst Kinderversionen elektrischer Zahnbürsten überwachen den Andruck beim Putzen. Wie sinnvoll ist diese Funktion aus Ihrer Sicht?

Die Andruckkontrolle ist sinnvoll. Allerdings eher für Erwachsene, weil sich viele bei der Zahnpflege ihre Zahnhälse kaputt putzen. Da hat die elektrische Bürste einen echten Vorteil gegenüber der mechanischen. Vor allem nach stressigen Tagen besteht die Gefahr, dass man sich mit Handzahnbürsten die Zähne ruiniert. Das verhindert die Andruckkontrolle bei elektrischen Zahnbürsten. Eltern müssen sich da keine Sorgen machen, weil Kindern in der Regel die Kraft fehlt, um zu großen Druck auszuüben. 

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