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Blutdruck und Herzinfarkt: Ist Salz wirklich schädlich?

Die weißen Kristalle stehen im Verdacht, Herzleiden und Bluthochdruck zu verursachen. Studien relativieren die Gefahr inzwischen. Wie viel Salz ist unbedenklich?

Von Richard Friebe

Beim plötzlichen Salzentzug steigt die Produktion von Stresshormonen

Beim plötzlichen Salzentzug steigt die Produktion von Stresshormonen

Es gibt ein Märchen, darin antwortet die Prinzessin auf die Frage, wie sehr sie ihren Vater liebe: "So sehr wie Salz." Dem alten Monarchen ist damit der Tag versalzen, und er verstößt sie. Auch heute wird Kochsalz oft gering geschätzt, es steht sogar in Verdacht, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu begünstigen. Doch nun zeigt sich, dass Verzicht darauf oft nicht nur keine Vorteile, sondern mitunter sogar Nachteile hat.

Extremen Salzgegnern, die ein viertel Gramm täglich für vollkommen ausreichend halten, gehen jedenfalls die Argumente aus. Zwar sank mit Salzreduktion bei vielen Teilnehmern einer großen Studie der Blutdruck. Dies wirkte sich aber nicht signifikant auf das Infarkt- oder Sterberisiko aus. In einer anderen Untersuchung war das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, in der Gruppe mit dem niedrigsten Salzkonsum sogar am höchsten.

Vergangenes Jahr legte ein US-Expertenkomitee seinen Bericht vor. Es fand "keine konsistente Evidenz", dass eine offiziell in Amerika geltende Empfehlung, weniger als 2,3 Gramm täglich zu sich zu nehmen, positive Folgen für die Gesundheit hat. Bei Senioren, denen wegen des Blutdrucks oft Salzverzicht empfohlen wird, kann dieser sogar zu einer gefährlichen Dehydrierung beitragen. Und wer starken Appetit auf Salziges verspürt, hat häufig auch Bedarf, etwa nach schweißtreibendem Sport oder mehreren Saunagängen.

Plötzlicher Salzentzug sorg für Stress

Wie viel Salz sollte man nun höchstens essen? Studien, anhand deren man verlässlich allgemeingültige Obergrenzen festsetzen könnte, fehlen zwar. Viele Deutsche nehmen aber deutlich mehr als die von der WHO als Richtwert für Erwachsene genannten fünf Gramm täglich auf, ohne dass sie dafür einen besonderen Bedarf wie etwa häufiges Schwitzen haben. Das gilt vor allem für jene, die oft Fertigprodukte verzehren. Schon eine Scheibe abgepackten Brotes kann ein Gramm enthalten. Nach Meinung der meisten Fachleute ist es für diese Menschen sinnvoll, den Salzkonsum zu reduzieren. Man sollte dies aber schleichend tun, damit der Organismus sich langsam anpassen kann. Denn bei plötzlichem Salzentzug steigt etwa die Produktion von Stresshormonen.

Auch Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion profitieren vom Verzicht. Zudem gibt es Personen, die mehr als andere mit steigendem Blutdruck auf die Natriumionen, aus denen Salz zur Hälfte besteht, reagieren. Einen sicheren Test dafür gibt es aber nicht. Wer glaubt, besonders salzempfindlich zu sein - etwa aufgrund wiederholten Unwohlseins oder erhöhten Blutdrucks nach salzigen Mahlzeiten -, sollte den Hausarzt darauf ansprechen.

Ach ja, Und wie ging nun das Märchen aus? Nachdem der König seine Tochter verstoßen hatte, verschwand in seinem Reich alles Salz. Untertanen und Vieh wurden krank und kränker. Salz ist eben lebenswichtig. Man sollte deshalb beim Konsum der weißen Kristalle nicht übertreiben, aber eben auch nicht beim Verzicht auf sie.

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