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Omega-3-Fettsäuren: Guter Fisch, böser Fisch? In einem Punkt ist Zuchtlachs besser als Wildlachs

Lachs schmeckt gut und ist gesund. Dafür sorgen die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren. Sie stecken vor allem in Zuchtlachs - der allerdings wegen Schadstoffen in Kritik geraten ist. Was also tun?

Lachsfilet: Lachs enthält viele Omega-3-fettsäuren

Lachs ist grundsätzlich eine gute Quelle für Omega-3-Fettsäuren

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Soll es Wildlachs sein, Zuchtlachs aus Aquakultur oder doch Seelachs? Das Lachs-Angebot im Supermarkt ist für Verbraucher oft verwirrend. Kommen dann noch verschiedene Siegel wie MSC oder Bio hinzu, wird der Einkauf schnell zur Wissenschaft. Die entscheidende Frage lautet dabei: Welches Produkt ist aus gesundheitlicher Sicht empfehlenswert - und garantiert vernünftige Haltungsbedingungen?

Die Verbraucherzentrale Bayern hat dazu jüngst Stellung bezogen. Die überraschende Nachricht: Ausgerechnet der in Verruf geratene Zuchtlachs aus Aquakulturen besitzt gegenüber Wildlachs einen entscheidenden Vorteil. Er enthält insgesamt mehr Omega-3-Fettsäuren als Wildlachs. Omega-3-Fettsäuren gelten als sehr gesund. Menschen, die regelmäßig fettreichen  Fisch wie Lachs essen, senken ihr Risiko für tödliche Herzinfarkte, Schlaganfälle und Fettstoffwechselstörungen.

Auch der Cholesterinspiegel wird durch regelmäßigen Fischverzehr günstig beeinflusst. Für die positiven Effekte sorgen wohl vor allem die langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) im Fisch. 

Zuchtlachs aus Aquakulturen ist im Vergleich zu seinen freien Artgenossen insgesamt fettreicher, da er regelmäßig gefüttert wird und sich weniger bewegt. Wildlachse schwimmen tägliche mehrere Kilometer und fressen nur, wenn sie entsprechendes Angebot haben.

Insgesamt sei die Menge an Omega-3-Fettsäuren im Zuchtlachs im Vergleich zu früheren Zeiten rückläufig, betont die Verbraucherzentrale. Das liege vor allem an veränderten Futtergewohnheiten. Das Futter der Tiere besteht heute zu einem Großteil aus pflanzlichen Quellen wie Soja oder Raps und weniger aus Wildfisch wie es früher üblich war. Pflanzlich basierte Futtermittel sind günstiger, aber auch ressourcensparender als Futtermittel auf Wildfischbasis. Um den Omega-3-Fettgehalt der Zuchtfische halten zu können, wird den pflanzlichen Futtermitteln Fischöl zugesetzt. 

Zuchtlachs am besten als Biovariante kaufen

Zuchtlachs ist in letzter Zeit wegen kritischer Futtermittelzusatzstoffe wie Ethoxyquin in Kritik geraten. Ethoxyquin ist ein Konservierungsmittel, das im Verdacht steht, Krebs auszulösen. In konventioneller Haltung darf das Konservierungsmittel noch bis zum Jahr 2020 eingesetzt werden. Die Verbraucherzentrale rät daher zum Kauf von Zuchtlachs in der Biovariante: Zum einen steht den Fischen in der Regel mehr Platz zur Verfügung. Zum anderen ist der Einsatz von Ethoxyquin, wie auch Hormonen und bestimmten Medikamenten verboten. 

Im letzten Jahr untersuchte "Ökotest" verschiedene Räucherlachs-Produkte auf Schadstoffe - und fand auch in zwei Bio-Produkten Rückstände von Ethoxyquin. Die Hersteller gaben als Quellen verunreinigte Impfstoffe beziehungsweise Vitaminpräparate an. Mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier.

Verbraucher, die lieber Wildlachs kaufen möchten, sollten auf Produkte mit MSC-Ziegel achten, raten die Verbraucherschützer. Das Siegel zeichnet Fische und Meeresfrüchte aus umweltverträglicher und nachhaltiger Fischerei aus. Der MSC-Standard bezieht sich nur auf Tiere aus wild- beziehungsweise freilebenden Beständen.

Sonderfall Seelachs

Seelachs hat mit echtem Lachs nichts zu tun, auch wenn der Name das vermuten lässt. Der Seelachs gehört zu der Familie der Dorsche und ist eng mit dem Kabeljau verwandt. Dass er als Seelachs bezeichnet wird, hat wahrscheinlich Marketing-Gründe. Anders als bei echtem Lachs ist sein Fleisch eher weiß bis grau mit rötlichen Anteilen. Das Fleisch des Seelachs ist fettarm, auch das unterscheidet ihn von echtem Lachs. Der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren fällt entsprechend niedriger aus. 

Wie viel Fisch sollte es sein?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät, in der Woche ein bis zwei Portionen Fisch zu essen. Die zwei Portionen lassen sich beispielsweise in 150 Gramm fettarmen und 70 Gramm fettreichen Fisch aufteilen. Fettreiche Fischarten sind Lachs, Makrele oder Hering.

Fisch ist jedoch nicht nur wegen seiner Omega-3-Fettsäuren empfehlenswert: Er liefert zudem leicht verdauliches Protein, Selen und auch Vitamin D. Seefische gelten außerdem als wichtige Jod-Lieferanten. 

Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren stecken in Produkten wie Nüssen, Leinsamen oder Ölen (Raps-, Walnuss- oder Leinöl). Sie enthalten vor allem alpha-Linolensäure (ALA). Der Körper kann die Fettsäure zu einem gewissen Grad in EPA und DHA, wie sie auch in Fisch stecken, umwandeln. Ob es tatsächlich ausreicht, den Bedarf an Omega-3 aus rein pflanzlichen Quellen zu decken sei aber bisher noch nicht abschließend geklärt, so die Verbraucherzentrale.

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