HOME

Stern Logo Ratgeber Ernährung

Erschreckende Studie: Zu wenig Vollkorn, zu viel Salz: Jeder Fünfte stirbt an den Folgen ungesunder Ernährung

Schätzungsweise elf Millionen Menschen sterben jedes Jahr weltweit, weil sie sich ungesund ernähren. Vor allem Vollkornprodukte und Nüsse stehen bei vielen gar nicht oder viel zu selten auf dem Speiseplan. Ein fataler Fehler, wie ein internationales Forscherteam herausgefunden hat.

Kaum vollkorn, zu viel Salz - jeder Fünfte stirbt an Folgen ungesunder ernährung

Viel zu selten stehen Vollkornprodukte oder Nüsse weltweit auf dem Speiseplan. Stattdessen wird beim Salzkonsum maßlos übertrieben. Mit fatalen Folgen. (Symbolbild)

Picture Alliance

Zu einem erschreckenden Ergebnis kam ein internationales Forscherteam, das über mehrere Jahre die Ernährungsgewohnheiten in fast 200 Ländern der Erde unter die Lupe genommen hat. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "The Lancet" schreiben, sterben weltweit schätzungsweise elf Millionen Menschen an den Folgen ungesunder Ernährung. Demnach könne man jeden fünften Todesfall darauf zurückführen, dass zu viele zuckerhaltige Getränke, zu wenig Obst und Gemüse, kaum Vollkornbrot oder zu viel rotes Fleisch verzehrt wurde. Deutschland landete in dem Ranking der Forscher im vorderen Drittel.

Israelis leben am gesündesten, Deutsche auf Platz 38

162 Todesfälle pro 100.000 Einwohner rechnete das Team im Jahr 2017 hierzulande ungesunder Ernährung zu. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 80 Millionen starben demnach ca. 130.000 Menschen, weil sie sich unausgewogen ernährten. Als wichtigstes Problem identifizierten die Forscher, den zu niedrigen Konsum von Vollkornprodukten. Damit rangiert Deutschland unter den 195 gelisteten Ländern auf Platz 38. Am gesündesten ernähren sich der Untersuchung zufolge die Menschen in Israel, Frankreich und Spanien, die die Plätze eins bis drei belegen. Die Schlusslichter sind Afghanistan und Usbekistan. 

Zu wenig Vollkorn und Nüsse, zu viel Salz

Grundsätzlich beschäftigten sich die Forscher in ihrer umfangreichen Studie mit Ernährungsstilen, die zu nicht-übertragbaren Erkrankungen wie Herzkreislauf-Problemen, Krebs oder Diabetes Typ 2 führen können. Dabei untersuchten sie 15 Faktoren. Darunter zu wenig Obst, zu wenig Vollkornprodukte oder auch zu viel rotes Fleisch. Keine Rolle spielten demnach Todesfälle, die auf Mangelernährung, Hunger oder Alkoholmissbrauch zurückzuführen waren. 

Dr. Toni Meier von der Universität Halle-Wittenberg (Sachsen-Anhalt) war an der aktuellen Studie beteiligt. Bereits in einer früheren Studie (Global Burden of Disease Study 2016) hatte Meier den "zu geringen Verzehr von Vollkornprodukten, Nüssen und Samen sowie von Gemüse" bei einem "zu hohen Salzkonsum" angemahnt. Was ernährungsbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle angehe, sei seiner Meinung allein durch eine verbesserte Ernährung jeder zweite bis dritte Todesfall vermeidbar.

Gesunde Ernährung: Krebs - diese Lebensmittel erhöhen das Risiko
Krebsrisiko: Salami auf einem Holzbrett

Verarbeitetes Fleisch (gepökelt, geräuchert, eingesalzen) wie Wurst oder Schinken

Seit dem Jahr 2015 gelten Fleischwaren wie Salami, Wiener und Kasseler als krebserregend: Eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation WHO stufte verarbeitetes Fleisch als "karzinogen" ein. Der regelmäßige Verzehr steigert demnach das Risiko für Darmkrebs. 

Wurstwaren stehen auf der höchsten Krebsrisikostufe, wie auch das Tabakrauchen. Diese Einstufung sorgte 2015 für Aufsehen, einen Aufschluss über das tatsächliche Risiko gibt die Einstufung jedoch nicht. Sie bedeutet lediglich, dass Studien das Risiko für beide Auslöser überzeugend bewiesen haben. 

Wie Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe schreibt, ist das Risiko, an den Folgen des Rauchens zu sterben, etwa 175 Mal höher: "Tabak soll weltweit für jährlich 6 Millionen Todesfälle verantwortlich sein, verarbeitetes Fleisch für 34.000".

Wie lässt sich das Krebsrisiko senken?

Nach Angaben der WHO steigert ein häufiger Verzehr von mehr als 50 Gramm Wurst das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent. Wer das Risiko senken will, solle den Verzehr von verarbeitetem Fleisch "vermeiden". 

Getty Images
js / DPA