HOME

Ethnomedizin: Die Apotheke der Schamanen

Traditionelle Arzneipflanzen als Grundlage für moderne Medikamente - eine Übersichtstabelle.

Traditionelle Arzneipflanzen als Grundlage für moderne Medikamente

PflanzenartRelevante InhaltsstoffeRegionale VerbreitungVerwendung in der traditionellen HeilkunstVerwendung in der modernen MedizinAnanas (Ananas comosus)Bromelain (Eiweiß spaltendes Enzym)Ursprünglich aus Südamerika, heute weltweit in den Tropen verbreitetFrischgepresster Saft dient traditionell als Mittel gegen Verdauungsstörungen und zur Förderung des Schleimauswurfs bei Erkältungen. Brasilianische Indianer trinken Abkochungen von Blättern und unreifen Früchten zur Bekämpfung von Darmwürmern und als Abtreibungsmittel.Bestandteil verdauungs-fördernder Medikamente. Ödem hemmende Wirkung; therapeutische Wirk-samkeit bei Entzündungen und Schwellungen.Afrikanische Pflaume (Prunus africana)Vor allem SitosterolTropisches AfrikaExtrakte und Pulver aus der Rinde des Baums sind weit verbreite Heilmittel gegen eine Vielzahl von Leiden (u.a. bei Schwellungen und Entzündungen). Häufig finden sie als Abführmittel Verwendung.Substanzen aus der Afrikanischen Pflaume sind Bestandteile von Medika-menten gegen gutartige Prostatavergrößerungen. Dafür werden jährlich über 4000 Tonnen Rinde dieses Baums aus Afrika exportiert. Die Art wird dadurch langfristig in ihrem Bestand bedroht.Afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)Harpagosid, PhenylethaneSüdliches AfrikaFiebermittel; Einsatz bei unspezifischen Erkrankungen des Blutes; als Schmerzmittel (vor allem nach einer Geburt); Bestandteil entzündungshemmender Salben und Tränke.Schmerzmittel, v.a. bei RheumaCalabarbohne (Physostigma venenosum)PhysostigminTropisches WestafrikaDas Volk der Efik in Nigeria nutzte die stark giftigen Calarbohnen für Gottesurteile. Als unschuldig galten Angeklagte, die sich nach dem Kauen der Bohnen sofort erbrachen, während Personen, denen Schaum aus der Nase trat und der Mund zitterte als Schuldige angesehen wurden.
Extrakte der Bohnen finden außerdem als Jagdgift Verwendung.
Physostigmin und seine Derivate (synthetische Weiterentwicklungen) dienten lange Zeit zur Reduktion des Augeninnendrucks und als Pupillen verengendes Mittel bei der Behandlung von Glaukomen (Grüner Star). Heute spielen die Substanzen in Augenheilkunde aber keine große Rolle mehr.Chinarindenbaum (Cinchona succirubra und Chinona pubescens)Chinin(Modell-substanz für Malariamittel wie z.B. Chloroquin)Tropisches SüdamerikaRindenauszüge gegen FieberMalariamittel; Grundstoff für Medikamente gegen HerzrhythmusstörungenIpecacuanha (Cephaelis ipecacuanha)EmetinTropische Regionen Brasiliens, Boliviens und KolumbiensGegen Ruhr, Amöbenruhr und andere Verdauungsbeschwerden; zum Auslösen von BrechreizMittel gegen AmöbenruhrJavanische Gelbwurzel (Curcuma xanthorriza und C. longa)Curcumin, ätherisches ÖlUrsprünglich aus Indien, heute weltweit in den Tropen verbreitetZur Förderung des Gallenflusses und der Fettverdauung; Mittel gegen Bronchitis; innere und äußere Anwendung bei Entzündungen. Die zerriebene Wurzel ist Hauptbestandteil des Currypulvers.LebertherapeutikumKalifornische Eibe (Taxus brevifolia)TaxolWesten der USARinden und Holzabkochungen werden gegen Magenschmerzen eingesetzt. Die Tsimshian-Indianer verwenden diese Extrakte traditionell auch gegen verschiedene Krebserkrankungen.Taxol und davon halbsynthetisch abgeleitete Derivate werden bei der Behandlung von Brust- und Eierstockkrebs sowie bei nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom eingesetzt.Knorbelbaum, Curare-Liane (Chondrodendron tomentosum)D-Tubocuarin (und synthetische Weiterentwick-lungen, so genannte Derivate)Brasilien, PeruWichtiger Bestandteil des Curare-Pfeilgifts. Curare bedeutet soviel wie „gekochter Tod“ und ist ein Jagdgift der Amazonas-Indianer, das sich aus einer Vielzahl verschiedener Grundstoffe zusammensetzt. Fast jeder Jäger hat sein eigenes Spezialrezept. Hauptbestandteil ist die Brechnuss, Strychnos toxifera. Das Giftgemisch bewirkt rasche Lähmung und Muskelerschlaffung, wenn es in die Blutbahn gelangt.Zur Erschlaffung der Muskeln; Basisnarkotikum. In Deutschland wird Curare aufgrund von möglichen Nebenwirkungen nur noch selten in der Anästhesie eingesetzt. Französische Ärzte verwenden es jedoch nach wie vor relativ häufig bei Operationen.Madagaskar-Immergrün (Catharanthus roseus)Vincristin und Vinblastin dienen als Modellsubstan-zen für Zyto-statika (Stoffe, die das Wachs-tum von Krebs-tumoren hemmen)Ursprünglich aus Madagaskar, heute weltweit in den Tropen verbreitetBlütenauszug gegen Halsschmerzen und Erkältungen; in Afrika werden die getrockneten Blätter als Rauschmittel und Aphrodisiaka geraucht (das kann bei übermäßigem Gebrauch zu Nieren- und Nervenschädigungen führen)Wichtige Grundsubstanzen für die Chemotherapie bei unterschiedlichen Krebsarten. Vinblastin ist ein Standardmedikament bei Blasenkrebs. Vincristin wird in der Kombinations-therapie bei Leukämie und kleinzelligem Bronchialkarzinom eingesetzt.Schlangenwurzel (Rauwolfia ssp.)Ajmalin und ReserpinWeltweit in den Tropen verbreitetMittel zum Auslösen von Brechreiz und zur Behandlung von CholeraAjmalin wird bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Reserpin wird seit über 40 Jahre in Kombinationspräparaten gegen zu hohen Blutdruck angewandt.Senna (Cassia senna, C. alata und C.angustifolia)Senna-AnthranoideWestafrika, Nordostafrika, Mittlerer OstenTee aus Sennesblättern wird als Abführmittel verwendet; die westafrikanischen Fang trinken frisch gepressten Saft oder Abkochungen der Blätter gegen Gelbsucht und andere LebererkrankungenHochwirksames AbführmittelSonnenhut (Echinacea angustifolia und E. purpurea)Isobutylamide, Polysaccharide, u.a.NordamerikaMittel gegen Schmerzen und Entzündungen; Bestandteil von Pasten und Salben zur Verbesserung der Wundheilung, auch bei Schlangenbissen und Verbrennungen

Quellen: Michael Heinrich, Ethnopharmazie und Ethnobotanik, WVG Stuttgart und Christian Rätsch, Medizin aus dem Regenwald, Midena-Verlag

Wissenscommunity