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Ewige Teenies: Forscher sagen: Die Jugend endet heute erst mit 24 Jahren

In welchem Alter werden Jugendliche zu Erwachsenen? Lange Zeit galt die magische Grenze von 19 Jahren. Australische Forscher wollen die nun nach hinten verschieben - und nennen dafür gute Gründe.

Freunde, Ausbildung, feste Partner: In der Jugend werden wichtige Weichen für das spätere Leben gelegt

Freunde, Ausbildung, feste Partner: In der Jugend werden wichtige Weichen für das spätere Leben gelegt

Australische Forscher rütteln an einer gängigen Vorstellung über das Erwachsenwerden: Ging man früher davon aus, dass Jugendliche mit 19 Jahren in das Erwachsenenalter übertreten, plädieren Experten nun dafür, diese Grenze nach hinten zu verschieben - und zwar auf ein Alter von 24 Jahren. Das berichtet das Team um Susan Sawyer vom "Murdoch Children's Research Institute" in Victoria, Australien, im Fachjournal "The Lancet - Child&Adolescent Health".

Als Gründe nennen die Forscher Veränderungen in der Lebensplanung: Menschen würden heute deutlich später heiraten als noch vor einigen Jahren, sie bekämen später Kinder und bräuchten länger, um ihre Ausbildung abzuschließen. "Viele gesetzliche Privilegien von Erwachsenen beginnen in einem Alter von 18 Jahren, doch erwachsene Rollenbilder und Verantwortungsbewusstsein setzen in der Regel zu einem späteren Zeitpunkt ein", schreibt Hauptautorin Susan Sawyer in dem Fachblatt.

Teenies von heute heiraten spät und werden spät Eltern

In Deutschland heiraten Männer im Schnitt in einem Alter von 33,8 Jahren. Frauen sind am Tag ihrer Hochzeit durchschnittlich 31,2 Jahre alt. Zum Vergleich: Zu Beginn der Neunzigerjahre lag das durchschnittliche Heiratsalter von Frauen bei 26,1 Jahren - eine Steigerung von mehr als fünf Jahren. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei den Geburten: Frauen entscheiden sich immer später für ein erstes Kind.

Tatsächlich tun sich Experten seit langem schwer damit, das Ende des Jugendalters zu definieren. Im Raum steht die Frage, welche Faktoren dabei berücksichtigt werden sollten: Ist es entscheidend, dass die körperliche Entwicklung abgeschlossen ist? Oder spielen eher Verhaltensweisen eine Rolle, die mit dem Erwachsenenalter assoziiert sind?

Experimente sind okay

Jan Macvarish, Soziologe an der "Universität of Kent" war nicht an der Publikation beteiligt und warnte gegenüber der BBC davor, das Verhalten junger Erwachsener grundsätzlich als kindlich abzustempeln. Seiner Meinung nach sei es nicht schlimm, wenn sich junge Leute zu Beginn ihrer Zwanziger beruflich ausprobieren und experimentieren möchten. Es sei wichtig, diesen "Wunsch nach Unabhängigkeit" zu respektieren.

Weitgehend einig sind sich Experten über den Beginn des Jugendalters: Sobald der Körper Sexualhormone produziert, startet die Pubertät. Bei Mädchen beginnt die Sexualhormonproduktion in der Regel in einem Alter von elf Jahren, bei Jungen in einem Alter von zwölf Jahren. Erste Schamhaare wachsen, bei Mädchen setzt die Menstruation ein. Jungen haben den ersten Samenerguss.

Mädchen und Jungen kommen heute deutlich früher als noch vor einigen Jahrzehnten in die Pubertät. Als Gründe gelten Verbesserungen in den Lebensbereichen Gesundheit und Ernährung.


ikr
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