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Interview

Pickel am Auge: Gerstenkörner: Warum sie im Winter gehäuft auftreten

Es juckt, es brennt und tut bei jedem Blinzeln weh. Das Wichtigste beim Gerstenkorn ist dennoch: Finger weg!

Was tun bei einem Gerstenkorn?

Gerstenkörner sind nervig, aber gut zu behandeln. Rotlicht und Antibiotika können die Heilung beschleunigen.

Zuerst ist da eine leichte Schwellung am Lid. Sie wächst sich bald zu einem roten Knötchen aus, oft mit heller Kuppe, die an ein Korn erinnert. Mediziner nennen das Gebilde daher "Hordeolum", abgeleitet vom lateinischen Wort "hordeum" für Gerste.

Dr. Georg Eckert ist Augenarzt in Senden bei Ulm und Pressesprecher des Berufsverbands der Augenärzte Deutschland. Hier beantwortet er die wichtigsten Fragen rund um die lästige Entzündung am Auge.

Herr Dr. Eckert, was ist ein Gerstenkorn?
Eine Drüsenentzündung an Unter- oder Oberlid. So zart das Lid auch erscheint, neben Haut, Bindegewebe und Muskeln besteht es aus erstaunlich vielen Schweiß- und Talgdrüsen. Gelangen Keime in eine der Drüsenöffnungen und sie entzündet sich, kann die Folge ein Abszess sein: Es bildet sich am inneren oder äußeren Lidrand eine Art Pickel, der sich prall mit Eiter füllt. Die Haut spannt und der Druck steigt, da das Gewebe fest ist und sich die Schwellung kaum ausbreiten kann. Das tut weh.

Außerdem juckt so ein Gerstenkorn.

Anfassen ist trotzdem tabu. Wird mit den Fingern daran herumgedrückt oder gerieben, können neue Erreger die Erkrankung verschlimmern. Oder die Infektion breitet sich diffus in umliegendes Gewebe aus, und es kommt zu einer Entzündung von Bindehaut oder Augenhöhle – gar nicht schön.

Was hilft gegen den Juckreiz?

Desinfizierende Tropfen lindern den Juckreiz, die gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Schneller wirken antibiotische Augentropfen oder -salben. Sie töten die Erreger ab und verhindern auch, dass sich die Entzündung ausweitet. Salben sind jedoch fettig und daher nur vor dem Zubettgehen geeignet.

Welche Erreger lösen den Infekt aus?

Am häufigsten Staphylokokken. Diese Bakterien siedeln auch auf der Haut und übertragen sich durch Händeschütteln oder über Türgriffe. Eigentlich sind sie harmlos. Doch unter bestimmten Bedingungen – etwa einem geschwächten Immunsystem – können sie zu Entzündungen führen.

Bakterien sind ansteckend. Wie gelangen sie ins Auge?

Der Feind des Auges sind ungewaschene Finger, mit denen wir Tränen oder Müdigkeit wegwischen. Oder Kontaktlinsen wechseln. Manchmal spielt auch Zugluft eine Rolle, vor allem in der kalten Jahreszeit. Kälte schwächt die Durchblutung und damit das lokale Abwehrsystem. Dann haben Bakterien ein leichteres Spiel.

Warum leiden manche Menschen trotz Händewaschen immer wieder darunter?

Hinter häufigen Infekten kann eine ernste Erkrankung stecken, nicht selten Diabetes.
Oft wird das Gerstenkorn aber auch verwechselt mit dem Hagelkorn, von Medizinern "Chalazion" genannt. Das sieht ähnlich aus, ist aber ein chronischer Infekt, der sich oft aus den abgekapselten Resten eines Gerstenkorns bildet. Ein Chalazion schmerzt nicht so schlimm wie ein Hordeolum, hält sich aber hartnäckig. Ist es nach Wochen immer noch nicht weg, wird eine Operation notwendig, die Inzision: Der Augenarzt schneidet die erkrankte Drüse unter lokaler Betäubung auf und entfernt das Bindegewebsknötchen. Klingt bedrohlich, tut aber nicht weh.

Kann ich die Heilung eines Gersten- oder Hagelkorns beschleunigen?

Trockene Wärme, am besten in Form von Rotlicht unterstützt den Heilungsprozess. Sie fördert die Durchblutung, sodass mehr Abwehrzellen die Entzündung bekämpfen. Mit dieser Therapie öffnet sich das Gerstenkorn oft etwas schneller, der Eiter fließt ab und die Entzündung kann heilen.

Was ist mit Hausmitteln wie Kräuterkompressen?

Von feuchtwarmen, lange einwirkenden Auflagen raten Mediziner ab. Die Feuchtigkeit weicht die Haut auf, dadurch können sich Bakterien ausbreiten.

Kann man trotzdem Kontaktlinsen tragen?

Besser wäre, darauf zu verzichten. Vor allem nach dem Abheilen ist es wichtig, die Linsen gründlich zu reinigen, bevor sie wieder eingesetzt werden, damit keine neuen Bakterien ins Auge gelangen. Und so unschön ein Gerstenkorn auch ist: Vom Wegschminken halte ich nichts. Auf Mascarabürsten, Schwämmchen oder Lidpinseln, die bereits vor der Infektion benutzt wurden, siedeln ebenfalls Bakterien.

Interview: Andrea Lepperhoff
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