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Ausnahmezustand im Nachbarland Dänemark im Corona-"Lockdown": "Metro und Busse sind in der Rush Hour fast leer"


Dänemark hat in der Corona-Krise als eines der ersten Länder in Europa zentrale Teile der Gesellschaft heruntergefahren. Wie macht sich das im Alltag bemerkbar? Ein Erfahrungsbericht aus Kopenhagen.

Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus hat das deutsche Nachbarland Dänemark bis Ostern seine Grenzen geschlossen. Die Maßnahme gilt seit dem heutigen Samstag um 12 Uhr. Damit solle einer weiteren Ausbreitung von Sars-CoV-2 entgegengewirkt werden.

Zuvor hatte Regierungschefin Mette Frederiksen diesbezüglich bereits drastische Maßnahmen beschlossen: Zentrale Teile der Gesellschaft wurden seitdem heruntergefahren – Schulen und Universitäten sind inzwischen geschlossen, Tausende Beamte wurden nach Hause geschickt. "Dänemark wird dichtgemacht", titelte die Zeitung "Berlingske" auf ihrer ersten Seite.

Dänemark: "Leben geht weiter – aber gedämpfter"

Aber wie fühlt sich der Ausnahmezustand im Alltag an? Sune Pejtersen ist Streetworker in Kopenhagen und erzählt im Interview mit dem stern von seinen Eindrücken aus einer ungewöhnlich stillen Hauptstadt.

Herr Pejtersen, Sie sind der Organisator des größten Breakdance-Events in Kopenhagen, Floor Wars, das für den heutigen Samstag geplant war. Wann und wie haben Sie erfahren, dass es nicht stattfinden kann?

Am Mittwochabend hat die dänische Regierung in einer Pressekonferenz bekanntgegeben, dass Versammlungen mit mehr als 100 Menschen nicht mehr stattfinden dürfen und die Nachtclubs für mindestens zwei Wochen geschlossen bleiben. Da war klar, dass ich "Floor Wars" absagen musste.   

Was bedeutet die Absage für Sie persönlich?

Ich werde deshalb Geld verlieren – wieviel es sein wird, weiß ich noch nicht, das wird sich im Laufe der nächsten Wochen herausstellen. Außerdem ist es natürlich frustrierend, absagen zu müssen, wenn man so viel Zeit und Arbeit investiert hat.  

Dänemark befindet sich im sogenannten "Lockdown". Wie hat sich der Alltag in der Hauptstadt Kopenhagen seitdem verändert?

Das Leben hier geht weiter, allerdings gedämpfter –  es sind weniger Leute auf der Straße zu sehen, besonders im öffentlichen Nahverkehr sind sehr viel weniger Menschen unterwegs. Metro und Busse sind in der Rush Hour fast leer.     

Wie reagieren die dänischen Bürger?

Die Bürger sind mit den Maßnahmen der Regierung im Großen und Ganzen zufrieden und richten sich danach. Viele sind jedoch auch um ihre Jobs besorgt, besonders die kleineren Unternehmen. Eine gewisse Frustration ist auch deutlich spürbar, die empfinde ich auch.  

Macht sich auch Panik bemerkbar?

Panik ist hier noch nicht angesagt – mal abgesehen vom Hamstern des Klopapiers, das in den ersten Tagen nach dem Lockdown um sich gegriffen hat. Das hat sich inzwischen aber schon wieder etwas normalisiert.  

Und wie geht es Ihnen persönlich?

Natürlich mache ich mir auch Sorgen um die Lage, einen Grund zur Panik sehe ich aber nicht.

Was halten Sie von den radikalen Maßnahmen der dänischen Regierung? 

Sune Pejtersen
Sune Pejtersen, 47, ist Streetworker in Kopenhagen
© Privat

Ich finde sie richtig und notwendig, da die Situation sonst sehr schnell außer Kontrolle geraten kann – so wie in Italien.

Sie arbeiten als Streetworker. Wie wirkt sich der Lockdown auf Ihre Arbeit aus?

Wie die meisten anderen muss ich in den nächsten zwei Wochen von Zuhause aus arbeiten. Das ist allerdings kein Urlaub. Außerdem fallen viele Gigs und Termine aus.

Was erwarten Sie von den nächsten Tagen und Wochen?

Ich denke, die Leute werden sich schnell an die neue Situation gewöhnen. Sie werden sich anpassen. Es wird aber auch eine schwere Zeit, die von Ungewissheit und Unsicherheit geprägt ist. Alle werden sich fragen: Wie lange noch? Und was werden die langfristigen Konsequenzen sein?


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