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Monatelange Tortur: "Macht mich so wütend": Sohn von Impfgegnern erkrankt als Erwachsener an Masern

Ein US-Amerikaner infizierte sich als Erwachsener mit Masern. Seine Eltern ließen ihn aus Überzeugung als Kind nicht impfen. Er trägt es ihnen nicht nach, hat aber eine klare Haltung zu den heutigen Verweigerern der Immunisierung.

Kommentar: Nach Tod durch Masern: "Fallen Sie nicht auf Legenden herein."

Vor etwa drei Jahren bekam Joshua Nerius aus Chicago unvermittelt hohes Fieber und Ausschlag. Er ging zum Arzt und bekam Antibiotika verschrieben. Wie er gegenüber CNN berichtet, schlug die Therapie jedoch nicht an. Stattdessen hätte sich Nerius immer kränker gefühlt, heißt es im Bericht.

Der heute 30-Jährige ging in die Notaufnahme ins Krankenhaus, wo eine Maserninfektion vermutet wurde. Die Ärzte fragten, ob Nerius als Kind geimpft worden wäre, dieser gab die Frage per Textnachricht an seine Mutter weiter. Die Antwort: Ein nach unten gerichteter Daumen. 

Für den Patienten begann eine Tortur. Er kam in Quarantäne und wurde immer schwächer. Er verlor rund zwölf Kilogramm an Gewicht und konnte zwischendurch kaum alleine laufen. Erst nach Monaten hätte er sich erholt, heißt es im Bericht. Die Krankheit hätte einen ernsthaften Tribut gefordert, sagte er zu CNN. Und weiter: "Es fühlte sich schrecklich an". 

Masern: So verläuft die Krankheit - so funktioniert eine Impfung
stern

Nerius' Krankheit liegt bereits knapp drei Jahre zurück. Er steckte sich im Mai 2016 bei der Uni-Abschlussfeier seiner Schwester an, an der ein mit Masern infizierter Gast teilnahm, wie sich später heraustellte. Er hätte auf dieser Feier mit niemanden außerhalb seiner Familie interagiert, und sich "buchstäblich im Vorbeigehen" angesteckt, so Nerius zu CNN. Am Tag nach der Feier nahm er, der in der Software-Branche arbeitet, an einem Technologie-Kongress in Las Vegas teil, wo er Hunderten von Leuten die Hand schüttelte. Von seiner Infektion ahnte er noch nichts, ansteckend war er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Inkubationszeit bei Masern beträgt acht bis zehn Tage. Es wäre ernüchternd darüber nachzudenken, wie viele Menschen er hätte anstecken können, wenn das Timing nur ein wenig anders gewesen wäre, so Nerius. 

Masern-Patient Nerius hat kein Verständnis für Impfgegner

Seinen Eltern macht er keinen Vorwurf, dafür den Leuten, die sie damals überzeugten: "Es macht mich so wütend. Meine Eltern dachten, sie würden das Richtige tun. Sie wurden von Impfgegnern überredet", wird Nerius zitiert. Sie hätten in den 1980ern an alternative Medizin geglaubt und hätten im Internet nicht gegenprüfen können, was die Impfgegner ihnen weismachten. Heutige Eltern hätten diese Entschuldigung laut Nerius aber nicht. Es gebe genügend Quellen, die vermittelten, dass Impfungen sicher sind und Kinder gesund halten. Das Thema sei in der Wissenschaft erledigt, das Problem gelöst. Für aktuelle Impfgegner hat er daher kein Verständnis: "Wenn ich schaue, wo wir heute stehen, mit Leuten die bewusst entscheiden die Fakten zu ignorieren, frustriert mich das wirklich". 

Hintergrund: Das Masern-Virus ist hoch ansteckend. Etwa 95 von 100 Personen erkranken nach Kontakt mit dem Virus. Bereits Tage bevor erste Symptome auftreten, etwa der typische Hautausschlag, ist ein Infizierter ansteckend. Das Virus verbreitet sich durch Tröpcheninfektion, etwa beim Niesen, Reden, Husten. Es reicht schon kurz zusammen in einen Raum oder beispielsweise Bus zu sein. Impfungen werden nicht nur vorgenommen, um den Einzelnen zu schützen, es geht auch um den sogenannten Herdenschutz, also den Schutz für die gesamte Gesellschaft. Denn ein einziger Infizierter kann Ursprung von Zehntausenden weiteren Erkankungen sein. 

+++ Lesen Sie dazu hier bei den Kollegen von "GEO":
Virus "D4-Hamburg" - wie ein einziger Masernpatient zu 25.000 Krankheitsfällen in ganz Europa führte. +++

Quellen: CNN


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