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Interview

Grippewelle 2018: Grippe trifft dieses Jahr verstärkt Menschen mittleren Alters - ist eine Impfung jetzt noch sinnvoll?

Volle Arztpraxen, leere Büros: Die Grippewelle 2018 steuert derzeit offenbar auf ihren Höhepunkt zu. Auffallend dabei: Dieses Jahr erkranken besonders viele Menschen mittleren Alters. Lohnt sich auch für diese Gruppe noch eine Impfung?

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82.000 bestätigte Fälle seit Dezember, davon allein 23.400 in der vergangenen Woche: Die Grippewelle hat Deutschland fest im Griff. Lohnt sich jetzt noch eine Impfung? Und bietet der Dreifachimpfstoff dieses Jahr überhaupt einen guten Schutz? Der stern hat mit Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut (RKI) gesprochen. Das RKI beschäftigt sich mit dem Gebiet der Krankheitsüber­wa­chung und -prävention in Deutschland.

Frau Glasmacher, laut Ihren neuen Zahlen steigt die Häufigkeit der Grippefälle weiterhin an. Ist denn der Gipfel schon erreicht?

Das könnte sein, die Grippewelle ist jetzt in der neunten Woche, daher ist damit zu rechnen, dass die Zahlen demnächst wieder runtergehen.

Lohnt sich denn jetzt noch die Impfung, und wer sollte sich impfen lassen?

Ja. Grippewellen dauern erfahrungsgemäß drei bis vier Monate, in den kommenden Wochen besteht also noch Ansteckungsgefahr. Für Menschen, die zu den klassischen Risikogruppen gehören, lohnt die Impfung deshalb auf jeden Fall noch. Das sind Schwangere, ältere Menschen und Patienten mit chronischen Krankheiten oder einer Immunschwäche. Allerdings sollte man das bald machen, denn bis der Schutz voll wirksam ist, braucht es bis zu zwei Wochen.

Vielleicht täuscht mich die subjektive Wahrnehmung, aber in meinem Bekannten- und Freundeskreis liegen dieses Jahr mehr Menschen schwer darnieder als in anderen Jahren, und das oft für zwei bis drei Wochen.

In der Tat sehen wir dieses Jahr in der Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen vergleichsweise viele Erkrankungen. Aber eine Infektion mit dem hauptsächlich zirkulierenden Influenza-Typ B überstehen Jüngere besser als Ältere, da das Immunsystem in dieser Altersgruppe üblicherweise eine Erkrankung noch besser bekämpfen kann. Bis jetzt wurden dem RKI insgesamt 136 labordiagnostisch bestätigte Todesfälle nach Influenzainfektion gemeldet, die meisten sind über 60. Im vergangenen Jahr lag diese Zahl nach Ende der Grippewelle bei mehr als 700.

Sollten sich also auch jüngere Menschen dieses Jahr eine Impfung überlegen?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden, das Robert Koch-Institut kann hier keine generelle Empfehlung aussprechen. Man sollte im Zweifel bei seiner Krankenkasse nachfragen, ob die Kosten übernommen werden. Wenn eine Grundkrankheit vorliegt, sollten jüngere Menschen auf jeden Fall geimpft sein.

Es gibt ja zwei Impfstoffvarianten. Die billigere schützt nur vor drei Virusstämmen, die teurere vor vier. Von der Dreifachimpfung hieß es, dass sie den jetzt grassierenden Virusstamm dieses Jahr leider nicht miterfasst, also wirkungslos ist ...

Die meisten der zirkulierenden Viren gehören zum Typ B, zur sogenannten Yamagata-Linie, die in der Tat nur in der Vierfach-Impfung vertreten ist. Aber aus neuesten Daten wissen wir, dass die Impfung insgesamt vergleichsweise gut wirksam ist und 46 Prozent der Geimpften vor Erkrankung schützt. Offenbar verleiht die B-Linie, die im Dreifachimpfstoff enthalten ist, einen gewissen Schutz gegen die zirkulierenden B-Viren.

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