HOME

Stern Logo Ratgeber Erkältung & Grippe

Erkältungswelle: Das große Husten

Momentan ist wieder Erkältungssaison - und in diesem Jahr trifft viele vor allem ein hartnäckiger Husten. Warum das so ist und was man dagegen tun kann.

Von Lea Wolz

Herbst und Winter sind Erkältungssaison. In diesem Jahr leiden viele Menschen unter einem hartnäckigen Husten

Herbst und Winter sind Erkältungssaison. In diesem Jahr leiden viele Menschen unter einem hartnäckigen Husten

Rote Augen, Halsschmerzen, Schnupfnase und schlimmer Husten - in diesem Jahr plagen sich viele Menschen über einen langen Zeitraum mit Erkältungen herum. Vor allem der Husten will über Wochen nicht vergehen.

Eine Beobachtung, die der Hamburger Allgemeinmediziner Stephan Hofmeister bestätigen kann. "In diesem Jahr sind solche Infekte besonders häufig und schwer", sagt er. Ablesen kann er das auch an seinem Wartezimmer. "Montags suchen uns momentan um die 40 Patienten mit solchen Erkältungen auf. Ansonsten sind es halb so viele."

Auch Hans-Jörg Baumann, Oberarzt der Abteilung Pneumologie am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg, hat in diesem Jahr vermehrt Patienten, die wegen eines lang anhaltenden Hustens den Arzt aufsuchen. "Das kann bis zu acht Wochen gehen", sagt der Lungenfacharzt. Und auch in Süddeutschland treten Infektionen der oberen Atemwege auf, die mitunter heftiger verlaufen als üblich. "Vor allem seit der Kälteperiode kommen mehr Patienten mit schwerem Husten in unsere Praxis", sagt Markus Beier, Allgemeinarzt in Erlangen.

Dabei leiden diese Menschen meist nicht unter einer echten Grippe, die in der Fachsprache als Influenza bezeichnet wird. Sie haben sich "lediglich" eine Erkältung eingefangen, die im Gegensatz zur Influenza in der Regel von selbst vergeht und lange nicht so gefährlich ist. Doch unangenehm und für den Körper anstrengend ist sie auch - besonders in diesem Jahr.

Wandelbare Viren

Ausgelöst wird eine Erkältung, ebenso wie eine echte Grippe, durch Viren. Doch genau hier liegt das Problem: Es gibt über 200 Viren, die Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Fieber hervorrufen können - und als wäre das nicht schon genug, verwandeln sie sich auch ständig. Hat unser Immunsystem einen Erreger erkannt und sich gegen ihn zur Wehr gesetzt, kann schon ein neuer den Körper befallen - oder ein alter, der sich leicht verändert hat. Gegen diesen versagt die bekannte Abwehrstrategie erst einmal. "Gegen einen Schnupfen wird man daher nicht immun, selbst wenn man ihn einmal durchlitten hat - anders als etwa gegen Masern oder Windpocken", sagt Hofmeister.

Zumindest einige der Viren, die sich momentan verbreiten, scheinen stark auf die Lunge zu gehen. "Es muss im Erbgut dieser Viren etwas geben, das sie leicht an die Schleimhäute des Atemsystems andocken lässt", vermutet Hofmeister. Und noch etwas anderes hat er beobachtet: Mitunter erkranke ein Großteil der Belegschaft einer Firma, was darauf schließen lasse, dass die momentan kursierenden Erreger gut übertragbar und damit sehr ansteckend seien. Die Viren verbreiten sich dabei über die Luft - per "Tröpfcheninfektion" - und bleiben an Gegenständen wie Türklinken oder Computertastaturen haften.

Alle Jahre mal wieder

Sind die Viren erst einmal in die Schleimhautzellen gelangt, vermehren sie sich dort. "Und das gelingt ihnen in diesem Jahr offenbar gut, denn viele Menschen erkranken heftig", sagt Hofmeister. Reagiert unser Abwehrsystem auf die Viren, kommt es zu den typischen Symptomen einer Erkältung: Die Körpertemperatur ist leicht erhöht, der Hals kratzt, die Nase läuft. Dazu kann sich neben Kopf- und Gliederschmerzen auch ein allgemeines Gefühl der Mattigkeit gesellen. Und eben der lang anhaltende und schmerzhafte Husten, der in diesem Jahr viele plagt.

Doch warum sind die Erkältungsviren in diesem Jahr so aktiv? Und warum erkranken offenbar mehr Menschen als sonst? "Einen einzigen Grund dafür gibt es nicht, hier kommt sicher einiges zusammen", sagt Hofmeister. "Eine kleine Veränderung am Virus kann dies schon bedingen." Ein weiterer Faktor ist sicher auch die lange, trockene Kälte. Diese kann unsere Abwehr ebenso schwächen wie trockene Heizungsluft.

Doch eines will Hofmeister betont wissen: "Es geht hier nicht um irgendwelche Super-Erkältungsviren. Das liegt im Rahmen dessen, was alle Jahre mal wieder auftritt." Ähnlich sieht das auch Baumann vom UKE: "Das sind normale Schwankungen. So wie allergische Probleme auch mal heftiger auftreten, wenn mehr Pollen fliegen, kann auch eine Erkältung in einem Jahr hartnäckiger sein, wenn andere Virenstämme kursieren."

Schlaf, ausreichend Flüssigkeit und Geduld

Gegen eine Erkältung kann ein Arzt nicht viel ausrichten, denn der Körper braucht einfach Zeit, um die Eindringlinge zu bekämpfen. Dabei helfen ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung und viel Flüssigkeit , etwa heißer Tee. Mit Medikamenten lassen sich zumindest die Symptome wie Husten, Schnupfen und Fieber und Schmerzen lindern. Ansonsten ist vor allem eines nötig: Geduld. "Der Husten wird mit Sicherheit wieder weggehen", sagt Hofmeister. "Dauert er lange, sollte allerdings von einem Arzt abgeklärt werden, ob nichts Schlimmeres dahintersteckt."

Lungenfacharzt Baumann rät auch dazu, sich richtig auszukurieren. "Gerade wer im Beruf steht, meint häufig, dass er keine Zeit zum Kranksein hat. Schlimmstenfalls verschleppt er die Erkältung dann und eine Lungenentzündung entwickelt sich."

Immerhin, eine gute Seite hat die starke Erkältungswelle in diesem Jahr dann doch: "Sind solche Infekte häufig, trifft die echte Influenza seltener auf", sagt Hofmeister. Eine Zusammenhang, den auch Baumann bestätigen kann. Abschließend zu erklären sei dieser allerdings noch nicht.