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Pläne der Regierung Fettleibigkeit: Großbritannien will Online-Werbung für Junkfood verbieten

Ein Mann isst eine "Quesadilla" auf der Straße.
Eines von drei Kindern, die in Großbritannien die Grundschule abschließen, ist übergewichtig oder fettleibig – daran sei vor allem Online-Werbung schuld.
© Jair Cabrera / dpa / Picture Alliance
Weit verbreitete Fettleibigkeit hat sich zu einer ernsthaften Krise in Großbritannien entwickelt. Die britische Regierung plant deswegen, jegliche Werbung für Junk-Food im Internet zu verbieten. Bei der Industrie sorgt dies für Kopfschütteln.

Die Regierung in der Downing Street plant laut einem Bericht des "Guardian" ein umfassendes Verbot von Online-Werbung für Junkfood. Mit den Marketingbeschränkungen will der Inselstaat die zunehmende Fettleibigkeitskrise bekämpfen. Während Gesundheitskampagnen die Maßnahme begrüßten, habe die Werbeindustrie das geplante Verbot als unentschlossen und drakonisch bezeichnet. Der Vorschlag sei nun Gegenstand von sechswöchigen Beratungen. Einer Regierungserklärung zufolge sollen in diesem Zeitraum Meinungsvertreter aus Gesellschaft und Industrie angehört werden.

Nach Johnsons Corona-Infektion: Schärfere Maßnahmen als je zuvor

Bereits im Sommer habe es ähnliche Überlegungen gegeben – doch die neuen Vorschriften gingen viel weiter. Betroffen seien alle Lebensmittel, die als zu fett-, salz- oder zuckerhaltig gesehen werden. So würden beispielsweise auch Avocados, Marmelade oder Sahne zum Junkfood gezählt werden. Ein solches Maßnahmenpaket treffe in der Bevölkerung auf breite Zustimmung, heißt es in einer Presseerklärung der Regierung. Man habe sich bereits verpflichtet, entsprechende Werbung nach 21 Uhr im Fernsehen einzuschränken.

Dem "Guardian" zufolge sind die unerwartet strengen Regeln angestoßen worden, nachdem Premierminister Boris Johnson während seiner Corona-Erkrankung seine Meinung zu dem Thema geändert habe. Für übergewichtige Menschen bestünde ein erhöhtes Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs – bis hin zum Tod.

Fast zwei von drei Engländern übergewichtig

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sei fest entschlossen "Eltern, Kindern und Familien in Großbritannien dabei zu helfen, gesündere Entscheidungen darüber zu treffen, was sie essen." Laut der Regierungserklärung hätten Untersuchungen ergeben, dass eines von drei Kindern, die in Großbritannien die Grundschule abschließen, übergewichtig oder fettleibig ist. Zudem litten auch beinahe zwei Drittel aller Erwachsenen in England unter Adipositas.

Weiter heißt es, dass Kinder und Jugendliche im Internet jedes Jahr mit über 15 Milliarden Junkfood-Werbungen in Kontakt kommen – zwei Jahre zuvor seien es noch 700 Millionen gewesen. Zudem seien die Online-Marketingausgaben für Lebensmittel und Getränke von 2010 bis 2017 um 450 Prozent gestiegen. Damit nehme die Werbung enormen Einfluss auf die Essgewohnheiten Heranwachsender.

Google, Facebook und Co wären betroffen

Sollte das Verbot umgesetzt werden, würde es sich auf das gesamte Spektrum des Onlinemarketings auswirken: von Anzeigen auf Facebook, über bezahlte Suchergebnisse bei Google, bis hin zu SMS-Werbung und Social-Media-Aktivitäten auf Twitter und Instagram.

"Diese Politik würde weltweit Maßstäbe setzen, wenn es um die Verbesserung der Gesundheit von Kindern geht", zitiert der "Guardian" Fran Bernhardt, Koordinatorin der Children's Food Campaign. Unternehmen, die für gesündere Lebensmittel werben, hätten nichts zu befürchten, sagte sie weiter.

Werbeindustrie: Schwerer Schlag in Zeiten der Pandemie

Wie der "Guardian" berichtet, gab Stephen Woodford, Geschäftsführer der Advertising Association, im Namen der britischen Werbeindustrie eine Erklärung ab, in der er die Maßnahmen als "streng und unverhältnismäßig" bezeichnete. "Wenn diese Politik des völligen Verbots fortgesetzt wird, wird sie der britischen Werbung einen schweren Schlag versetzen – zu einer Zeit, in der sie von den Auswirkungen von Covid-19 erschüttert wird", wird er zitiert.

Quellen: "Guardian", Presseerklärung der britischen Regierung

yks

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