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Aids: So schützen Sie sich vor einer HIV-Infektion

Schauspieler Charlie Sheen ist HIV-positiv - das verkündete er im US-TV. Auch in Deutschland stecken sich jedes Jahr etwa 3000 Menschen neu mit dem HI-Virus an. Eine Heilung gibt es derzeit nicht. Vorsicht ist daher immer noch die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen die Krankheit.

Symbol einer Krankheit: Die Rote Schleife steht für HIV und Aids.

Symbol einer Krankheit: Die Rote Schleife steht für HIV und Aids.

Die Begriffe HIV und Aids werden oft verwechselt, sind aber nicht gleichzusetzen: Aids ist die Spätfolge eines Viren-Angriffs. Zunächst befällt das Humane Immunschwäche-Virus (HIV) die Zellen des Immunsystems, vermehrt sich in ihnen und zerstört sie. Damit ist der Körper nicht mehr gefeit gegen Ansteckungen, die er sonst gut wegstecken könnte. Schreitet dieser Prozess der HIV-Infektion voran, weil die Betroffenen nicht behandelt werden, entwickelt sich das Krankheitsbild der erworbenen Abwehrschwäche, auf Englisch: acquired immunodeficiency syndrome, also Aids. Von der Ansteckung bis zur Krankheit Aids dauert es etwa zehn Jahre.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einem Mittel, das die Viren im Körper vernichtet. Gelungen ist ihnen das bisher nicht. Wohl aber konnten sie Medikamente entwickeln, die die Virenmenge im Blut eindämmen. Für die Kranken heißt das: Mit dieser Behandlung hält ihr Abwehrsystem länger stand, schwere Infektionen werden hinausgezögert. In den letzten Jahren machte die Therapie Fortschritte: Die meisten Betroffenen können daher auch mit einer HIV-Diagnose lange leben - zum Ausbruch von Aids muss es nicht mehr kommen.

In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 83.400 Menschen mit der Viruskrankheit, im vergangenen Jahr kamen rund 3200 Neuinfektionen dazu. Am häufigsten betroffen sind Männer, die Sex mit Männern haben. Aber auch durch Sex zwischen Mann und Frau ist eine Übertragung möglich. Sex ohne Kondom ist dabei das Hauptrisiko.

HI-Viren lieben es feucht. Sie leben in verschiedenen Körperflüssigkeiten. Dazu gehören vor allem Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und der Flüssigkeitsfilm auf der Schleimhaut des Enddarms. Am häufigsten wird HIV daher beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Auch das gemeinsame Benutzen von Spritzen beim Drogenkonsum ist riskant. Tränenflüssigkeit, Speichel, Schweiß, Urin und Kot dagegen transportieren keine Viren. Küssen ist daher im Prinzip ungefährlich. Es sei denn, beide Liebenden haben eine offene Wunde im Mund; dann können sie das Virus möglicherweise über das Blut austauschen.

Den besten Schutz vor HIV bieten Kondome

Analsex ohne Kondom ist ein Risiko für beide: Der eine kann das Virus über kleinste Verletzungen in der empfindlichen Darmschleimhaut aufnehmen. Der andere kann es über die Schleimhäute an Eichel und Vorhaut beziehungsweise Harnröhreneingang bekommen. Auch ungeschützter Vaginalsex birgt Risiken: Ansteckende Samenflüssigkeit kann über kleinste Verletzungen in der Scheidenwand leicht in die Blutbahn gelangen. Der umgekehrte Ansteckungsweg von der Frau zum Mann ist auch möglich: Nach Angaben der Deutschen Aids-Hilfe kann die vaginale Schleimhaut viele HI-Viren enthalten, was ein Risiko für den eindringenden Partner darstellt.

Wenn die Frau ihre Regel hat, können beide Partner nicht vorsichtig genug sein: Die Schleimhaut in der Vagina ist dann besonders gereizt, der Muttermund etwas geöffnet - ein weit aufstehendes Tor also für Viren. Umgekehrt steckt infektiöses Menstruationsblut, das in die Blutbahn des Mannes gelangt, diesen wahrscheinlich an. Was schützt, ist einzig ein hochwertiges Kondom. Öl und Fett übrigens zersetzen das Gummi - daher sollten Gleitmittel nicht öl- und fetthaltig sein.

Vorsicht bei One-Night-Stands

Beim Oralverkehr sollten Paare darauf achten, kein Sperma oder Menstruationsblut in den Mund gelangen zu lassen. Das gilt vor allem dann, wenn unklar ist, ob der Partner HIV-positiv ist - also bei One-Night-Stands, anonymen Kontakten oder Beziehungen, die erst seit kurzem bestehen.

Viele andere schöne Dinge können Paare bedenkenlos miteinander genießen: gemeinsam baden. Küssen. Kuscheln. Einander beim Petting Gutes tun - bis zum Höhepunkt. All das ist völlig gefahrlos, solange kein Sperma oder Blut in den Mund, in die Augen, auf Schleimhäute oder Wunden kommt. Bei der gemeinsamen Zahnbürste jedoch sollte die Liebe aufhören. Eine Ansteckung ist zwar unwahrscheinlich, aber hier gilt: Sicher ist sicher.


Barbara Mannitz/ikr

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