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Pandemie in Asien Von zwei Beerdigungen auf täglich 24: Ein Blick in das Corona-Epizentrum Indonesien

Arbeiter schaufeln Grab
Arbeiter bereiten einen von vielen Särgen für eine Beerdigung auf dem Pedurenan-Friedhof in Bekasi vor
© Achmad Ibrahim / DPA
Überfüllte Krankenhäuser, fehlender Sauerstoff und Menschen, die alleine in Quarantäne sterben. So sieht der traurige Corona-Alltag in Indonesien aus, seitdem die Infektionszahlen durch die Decke gegangen sind.

Trotz Lockdown und strikter Regeln bekommt Indonesien seine bisher schwerste Corona-Welle nicht in den Griff. Die Behörden meldeten am Montag 1338 Covid-Tote innerhalb von 24 Stunden – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Vergangene Woche wurden in dem 270-Millionen-Einwohner-Land rund 57.000 Neuinfektionen verzeichnet.

Indonesien hat damit die USA, Brasilien und Indien – wo die Zahlen rückläufig sind – als weltweiten Spitzenreiter überholt. Grund ist vor allem die Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante. Zudem haben gerade einmal 40 Millionen Bürger ihre Erstimpfung erhalten, nur 16 Millionen Menschen sind vollständig geimpft. Gesundheitsminister Budi Gunadi Sadikin forderte die Menschen dringend auf, die Maßnahmen einzuhalten und Masken zu tragen.

Überlastete Krankenhäuser, viele Leichen

Bereits Ende Juni hatte das Rote Kreuz vor einem Kollaps des Gesundheitssystems in dem viertbevölkerungsreichsten Land der Erde gewarnt. Mittlerweile sind viele Krankenhäuser auf der dicht besiedelten Insel Java komplett überlastet, der lebensrettende Sauerstoff ist knapp. Manche Patienten warten tagelang in Zelten und Fluren auf die Aufnahme in eine Krankenstation – viele andere sterben isoliert zu Hause.

Hunderte Menschen, die positiv getestet wurden, seien in der Quarantäne in ihren Häusern gestorben, berichtet die unabhängige Plattform LaporCovid-19. Bestatter hätten Mühe, mit den Bestattungen hinterherzukommen. 

So geht es auch Wirawan, einem Feuerwehrmann in Jakarta. Anstatt Brände zu bekämpfen, sind er und seine Kollege dafür verantwortlich, Covid-Tote aus ihren Häusern zu holen und zu beerdigen. "Oft rufen uns [ihre] Nachbarn an und sagen, 'diese Person wurde während ihrer Selbstisolation nicht gesehen'", berichtet Wirawan der BBC. Dann wissen er und sein Team schon, dass sie nächste Leiche gefunden haben. "Das ist der Fall, den wir jeden Tag sehen", sagt er. Vor dem jüngsten Anstieg der Fälle hatte er zwei oder drei Beerdigungen pro Tag – jetzt sind es bis zu 24.

Indonesiens Präsident Joko Widodo sagte am Dienstag, er werde die Corona-Beschränkungen mindestens bis Montag verlängern, da das Land ein gedämpftes Eid al-Adha – eines der wichtigsten muslimischen Feste – feiere. "Das ist eine sehr schwierige Situation", sagte er in einer Videoansprache. "Aber mit unserer gemeinsamen Anstrengung, so Gott will, werden wir bald frei von Covid-19 sein und die sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten der Menschen können sich wieder normalisieren."

Quellen: "The New York Times", BBC, mit DPA

les / tkr

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