HOME

Schweiz: Warum Patienten ihr Verbandsmaterial ins Krankenhaus mitbringen müssen

Hat das Inselspital in Bern eine Neuerung, die für Verwunderung sorgt, eingeführt? Der Sender SRF berichtet, dass einige Patienten das Verbandsmaterial für ihre Behandlung selbst mitbringen müssen. Das sagt die Klinik dazu.

Ein Krankenpfleger behandelt die Wunde eines Schienbeines

Im Inselspital Bern müssen einige Patienten ihr Verbandmaterial für die Wundbehandlung jetzt selbst mitbringen (Symbolfoto)

Hinweis: Nach der Veröffentlichung des Artikels am 11. Januar 2018 hat die Pressestelle des Berner Inselspitals auf die Anfrage des stern geantwortet. Wir haben den Text entsprechend aktualisiert.

Das Inselspital in der Schweizer Haupstadt Bern genießt einen guten Ruf. Medizin-Studenten aus dem In- und Ausland lernen hier, Zehntausende Menschen lassen sich jährlich aufnehmen und von Tausenden Mitarbeitern behandeln und pflegen, das Krankenhaus ist modern ausgestattet.

Jetzt gibt es aus der Klinik in unserem Nachbarland eine zunächst kurios anmutende Schlagzeile. Wie der Rundfunksender SRF berichtete, müssen Patienten in einigen Fällen ihr Verbandsmaterial selbst mit zur Behandlung mitbringen. Für Betroffene, die die ambulante Wundbehandlung aufsuchen müssen - zum Beispiel nach einer Operation - heißt es demnach jetzt: "Bring your own Mullbinde" statt "Rundum-sorglos-Paket". Sie bekämen sterile Kompressen, Pinzetten, Wundreiniger, Verbände oder Kanülen von einer externen Firma nach Hause geschickt und müssten die Utensilien nunmehr mit ins Krankenhaus bringen und dem medizinischen Personal für die Behandlung übergeben.

Inselspital Bern erklärt das Vorgehen

Dem SRF-Bericht zufolge erklärte eine Klinikmitarbeiter einem Patienten das befremdlich erscheinende Vorgehen unter anderem mit der aufwändigen Lagerhaltung für bestimmte Verbandsmaterialien sowie mit Verschwendung durch das Krankenhauspersonal.

Vor allem letzteren Punkt weist das Inselspital auf stern-Anfrage entschieden zurück. Dies stelle das Pflegefachpersonal unter Generalverdacht, im Krankenhaus werde jedoch "verantwortungsvoll mit Material und Ressourcen" umgegangen.

Das Zuschicken des Verbandsmaterials an die Patienten bei "hochindividuellen Behandlungen" sei vielmehr "im Sinne der Versorgungsqualität sinnvoll und auch gängig", erkärt die Klinik. So sei es zum Beispiel auch möglich, die Wundbehandlung von ambulanten Pflegekräften im Zuhause des Patienten vornehmen zu lassen.

Und in der Tat: So ungewöhnlich die Regelung am Berner Inselspital auch im ersten Moment klingen mag – auch hierzulande ist es bei der Wundversorgung in bestimmten Fällen durchaus üblich, dass sich Patienten ihr Verbandsmaterial selbst organisieren und zur Behandlung mitbringen müssen, wie etwa der Bundesverband für Medizintechnologie erklärt.

Patient zeigt sich irritiert

Der Schweizer Rundfunk berichtete indes von einem Patienten, bei dem das Vorgehen der Klinik dennoch für Fragezeichen gesorgt habe. Er sagte, dass er nach einer Darmoperation von zugesandtem Verbandsmaterial regelrecht überschwemmt worden sei: "Ich hatte schon so viel Material im Haus, dass es bis im Frühling gereicht hätte. Ich könnte mittlerweile einen kleinen Materialhandel aufziehen." Zwei Drittel der erhaltenen Materialien im Wert von mehreren hundert Euro habe er gar nicht benötigt.

Das Inselspital teilte mit, dass sich die benötigte Menge an Wundbehandlungsmaterial nur schwer berechnen lasse, "da jede Wundheilung anders und individuell verläuft", die Erfahrung der Mitarbeiter garantiere jedoch, dass die Verschwendung so gering wie möglich gehalten werde.

Der Darm-OP-Patient hält das Vorgehen so oder so für Irrsinn: "Das ist ja so, wie wenn ich in ein Restaurant gehe und das Fleisch und das Gemüse selber mitbringen muss, das dort dann gekocht wird", sagte er dem SRF.

Was haben Sie schon an kuriosen Situationen rund ums Krankenhaus erlebt? Wir möchten darüber berichten, schreiben Sie uns Ihre Klinik-Geschichte an  leseraufruf@stern.de.

Ärzte im OP
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity