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Jugend trinkt weniger: "Das ist nicht die Generation Suff"

Vor allem in der närrischen Jahreszeit und vor den Sommerferien kommen Jugendliche wegen Komasaufen ins Krankenhaus, sagen Statistiker. Die Grünen fordern Einschränkungen bei der Alkoholwerbung.

Einer geht noch - viele Jugendliche reizen diesen Spruch aus, bis es zu spät ist. Für einige endet das Komasaufen in der Klinik. Mehr als 26 000 junge Leute zwischen 10 und 20 Jahren waren es 2009, die mit Alkoholvergiftungen im Krankenhaus landeten - neun Jahre zuvor lag die Zahl nur bei 9000. In Baden-Württemberg kamen besonders viele in der "närrischen Jahreszeit" und zum Beginn der Sommer- und Herbstferien ins Krankenhaus, fanden die Statistiker im Südwesten heraus.

Dennoch könnte die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) eigentlich ganz zufrieden sein, denn nach einer neuen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) trinkt die Jugend in Deutschland insgesamt so wenig Alkohol wie noch nie seit den 1970er Jahren. Auch das Einstiegsalter liegt nicht mehr ganz so niedrig wie vor einigen Jahren. "Das ist nicht die Generation Suff", sagt die frühere Richterin. Doch beim genauen Hinsehen zeigt sich auch: "Wir haben weiterhin große Probleme."

Erwachsene sollten nicht mehr als ein kleines Glas Bier oder Wein am Tag trinken, empfiehlt die Direktorin der BzgA, Elisabeth Pott. Jugendliche sollten noch weniger trinken. Die Realität sieht aber ganz anders aus.

Jeder fünfte Junge zwischen 12 und 17 und jeder zweite junge Mann zwischen 18 und 25 gibt an, er habe im vergangenen Monat mindestens einmal fünf Gläser oder mehr getrunken. Bei den 16- und 17-jährigen Jungen stieg der Anteil der Kampftrinker von 17,4 Prozent 2008 auf 18,9 Prozent 2010. Beliebt sind vor allem Bier und Bier-Mixgetränke, bei den etwas Älteren auch Spirituosen.

Die Drogenbeauftragte zeigt sich besorgt darüber, dass von den 10- bis 14-Jährigen, die 2009 mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kamen, die meisten (52 Prozent) Mädchen sind. Das ergaben Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Dyckmans will vor allem bei diesen Gruppen ansetzen, um sie stärker über die Gefahren aufzuklären. Ein Rezept: noch enger mit den Schulen zusammenarbeiten. Auf die Forderung nach schärferen Gesetzen verzichtet sie. Die Drogenbeauftragte verweist aber darauf, dass einige Bundesländer nun gespannt nach Baden-Württemberg blicken, um zu sehen, wie die Erfahrungen des dortigen nächtlichen Alkohol-Verkaufsverbots an Tankstellen ausfallen.

Die Grünen im Bundestag werfen der Drogenbeauftragten vor, sie sei eine "Tutnix"-Beauftragte. Die Präventionsstrategie der Regierung ist für den Grünen-Abgeordneten Kai Gehring "weitgehend wirkungslos". Er fordert eine Einschränkung der Alkoholwerbung. Die Werbewirtschaft räumt ein, dass die Investitionen im Markt für alkoholhaltige Getränke im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 526 Millionen Euro stiegen. Aus der Werbung würden aber problematische Inhalte herausgehalten.

Gesetze, Kampagnen und Appelle an die Jugend helfen allerdings wenig, wenn die Eltern es anders vormachen. Der Direktor des Verbands der privaten Krankenversicherung, Volker Leienbach, nimmt die Eltern deshalb auch in die Verantwortung: "Eltern sind da auch nicht immer die besten Beispiele", sagt er.

Marc-Oliver von Riegen, DPA / DPA

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