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Barrierefreiheit: Interaktive Karte zeigt: So rollstuhlgerecht ist es bei Ihnen vor der Haustür

Vor zehn Jahren trat in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. Ein gemeinnütziges Projekt entwickelte zur selben Zeit eine Karte, die die Rollstuhlgerechtigkeit in Deutschland und anderen Ländern darstellt.

Rollstuhlfahrer

Ein Rollstuhlfahrer an einem Bahnsteig (Symbolbild)

DPA

Gehenden Menschen fallen sie oft nicht einmal auf, für Rollstuhlfahrer stellen sie aber Hindernisse dar, die ohne Hilfe nicht überwunden werden können: Treppen, einzelne Stufen und Kanten. Es gibt sie überall: Vor Geschäften, in Bahnhöfen, auf öffentlichen Plätzen - die Liste ließe sich beliebig fortführen. Beim Einstieg in einen Zug machen zusätzlich häufig breite Lücken oder Höhenunterschiede den kurzen Weg vom Bahnsteig in den Waggon für Rollstuhlfahrer unüberwindbar. 

Und obwohl Barrierefreiheit seit zehn Jahren in der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland vorgeschrieben ist, gibt es noch immer etliche Orte, die für Menschen im Rollstuhl oder mit Gehbehinderungen gar nicht oder nur schwer zugänglich sind. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, sieht in vielen Bereichen noch Verbesserungsbedarf für Menschen mit Behinderungen. Die Barrierefreiheit etwa müsse bei Bauvorhaben "zum vorgeschriebenen Standard werden", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland am Jahrestag der Konvention am Dienstag. Eine solche Regel forderte Dusel für den sozialen Wohnungsbau, grundsätzlich müsse sie aber auch für private Bauherren gelten. "Barrierefreiheit muss normal sein", betonte der Behindertenbeauftragte - "Barrieren zu bauen, ist doch Unsinn." Jedes Kino und jedes Café, das nicht barrierefrei sei, schließe Menschen aus.

Interaktive Karte für Rollstuhlgerechtigkeit

Wheelmap

Etwa zeitgleich mit dem Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention entstand 2009 die Webseite "Wheelmap.org". Die Karte wurde vom Berliner Projekt "Sozialhelden" ins Leben gerufen, entwickelt und betreut. Mithilfe einer Community werden Informationen zu Rollstuhlgerechtigkeit gesammelt und auf einer interaktiven Karte dargestellt. "Innerhalb von knapp zehn Jahren wurde so die Rollstuhlgerechtigkeit von knapp 960.000 öffentlich zugänglichen Orten wie Cafés, Supermärkten, Geschäften, Museen, Schulen, Kinos, Bahnhöfen, Haltestellen und mehr gesammelt – Orte, an denen das soziale Leben stattfindet oder die für die Mobilität im Alltag wichtig sind", heißt es auf der Webseite des Projekts. 

Barrierefreiheit ist noch ausbaufähig

Zum zehnten Jahrestag werteten die Macher aus, wie sich die Rollstuhlgerechtigkeit in Deutschland entwickelt hat. Die unten stehende Grafik zeigt als ein Ergebnis das Verhältnis von "voll rollstuhlgerechten", "teilweise rollstuhlgerechten" und "nicht rollstuhlgerechten" Orten in Deutschland. 

wheelmap

Grafik zu Rollstuhlgerechtigkeit in Deutschland: Nord-Süd-Gefälle erkennbar

Das Fazit: Es ist noch viel Luft nach oben. "Es ist schön, dass wir in den meisten Bundesländern einen positiven Trend sehen, aber Verbesserungen von durchschnittlich sechs Prozent innerhalb von fünf Jahren ist noch ausbaufähig", wird Raul Krauthausen, selbst Rollstuhlfahrer und einer der Aktivisten bei den "Sozialhelden", auf Wheelmap.org zitiert. 

Quellen: "Wheelmap.org", "Sozialhelden"

rös, mit Agentur

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