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Studie zu Medienkonsum: Kinderärzte besorgt: Was Smartphones und Tablets mit unseren Kindern machen

Smartphones und Tablets gelten unter Kindern heutzutage längst nicht mehr nur als Statussymbol – sie sind Telefon, Fernseher und mobile Spielkonsole in einem. Und das hat Folgen. In einer Studie zeichnen Kinderärzte ein besorgniserregendes Szenario.

Zwei kleine Mädchen schauen auf ihre Tablet-Computer

Sie gehören auch bei Kindern zum Leben dazu. Doch vor allem bei den Kleinen hat der übermäßige Medienkonsum via Smartphone und Tablet nicht nur physische, sondern auch psychische Folgen – das glauben Kinderärzte (Symbolfoto)

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Eigentlich ist die Sache klar. Wer ständig auf seinem Smartphone herumtippt oder mit dem Tablet daddelt, bewegt sich weniger. Das klingt logisch – und wird allgemein auch nicht bestritten. Diskutiert wird dagegen schon seit Jahren, was die tägliche Nutzung von Smartphone und Co. sonst noch mit Kindern und Jugendlichen macht. Vor allem im Kopf. Und vor allem von Kinderärzten. Erst kürzlich forderte der Präsident des Berufsverbands öffentlichkeitswirksam "Kein Handy vor elf Jahren". Begründung: Täglich auf die kleinen Bildschirme zu starren, habe katastrophale Folgen für die kindliche Entwicklung. Eine aktuelle Studie der pronova BKK stützt diese These.

Machen Smartphones krank? Kinderärzte alarmiert

Unter dem Titel "Smart Aufwachsen 2019?" befragte die Betriebskrankenkasse 100 in Deutschland niedergelassene Kinderärzte. Und was die Pädiaten in den vergangenen fünf Jahren bei ihren kleinen Patienten beobachtet haben, macht zumindest nachdenklich. Sie behandelten demnach nicht nur mehr übergewichtige Kinder, sondern auch immer mehr, die sozial auffälliges Verhalten zeigten. Neun von zehn Ärzten führen das auf die frühe Nutzung von Computern, Smartphones, Tablets und Spielkonsolen zurück. Bei den verschiedenen, so genannten U-Untersuchungen, fielen den Medizinern der Studie zufolge aber noch andere bemerkenswerte Entwicklungen auf. So berichten sieben von zehn Kinderärzten von gehäuften Störungen in der Sprachentwicklung, zwei Drittel stellen bei Kindergartenkindern und Grundschülern zunehmend motorische Defizite fest. Auch hierfür machen acht von zehn Ärzte den übermäßigen Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen verantwortlich. 

Psychische Schäden vorprogrammiert

Alles andere als rosig beurteilen die Kinderärzte das, was in den kommenden Jahren noch auf sie zukommen wird. Neun der zehn Befragten glauben,  dass die stetig steigenden Mediennutzung bei den Kindern zu psychischen Schäden führt. Die Tragweite dessen, sei noch gar nicht abzusehen. Dass viele Kinder schon heute sozial isoliert leben, hat der großen Mehrheit der Mediziner ebenfalls damit zu tun, dass sie sich teils stundenlang in ihre Zimmer zurückziehen und ihrer Freizeit am Tablet oder der Spielkonsole verbringen.

Zur Wahrheit zu diesem viel diskutierten Thema gehört aber auch das: Ob und wie genau sich zu viel Zeit vor den flackernden Displays auf die Gehirne von Kindern auswirken, ist unter Wissenschaftlern höchst umstritten. Der Grund ist ebenso simpel wie einleuchtend: Es fehlt an belastbaren Studienergebnissen.

 In den USA beobachten Hirnfoscher seit etwa einem Jahr fast 12.000 Kinder, um herauszufinden, inwieweit sich ihr Gehirn bei exzessiver Smartphone-Nutzung verändert. Mit Ergebnissen könne man aber erst in einigen Jahren rechnen, heißt es vom National Institut of Health mit Sitz im Bundesstaat Maryland.

Laut einer aktuellen RTL-Studie verbringen 11-13-jährige Schüler täglich durchschnittlich 52 Minuten mit ihrem Smartphone. Acht- bis Zehnjährige wischen demnach jeden Tag nur zehn Minuten auf dem Handy herum. 

Quelle: Studie "Smart Aufwachsen 2019?"; "schau-hin.info"

js
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