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Wegen medialer Präsenz Klinik streicht Intensivpfleger Ricardo Lange offenbar alle Dienste

Intensivpflegekraft Ricardo Lange
Intensivpflegekraft Ricardo Lange auf einer Bundespressekonferenz im April
© Andreas Gora-Pool / Getty Images
Zeitdruck, Stress und Personalmangel: Intensivpfleger Ricardo Lange prangert regelmäßig Missstände im Gesundheitswesen an. Offenbar hat das einem seiner Arbeitgeber weniger gut gefallen: Lange darf nach eigenen Angaben nicht mehr in einer bestimmten Klinik arbeiten.

Ricardo Lange zählt zu den bekanntesten Pflegekräften Deutschlands und erreicht über Twitter, einen Podcast und eine eigene Kolumne im "Tagesspiegel" eine breite Öffentlichkeit. Im April 2021 war der Intensivpfleger auf einer Bundespressekonferenz zu Gast, um über die Auswirkungen der Corona-Pandemie in den Kliniken zu sprechen. Bei öffentlichen Auftritten wie diesem und in Interviews setzt sich Lange für eine bessere Patientenversorgung und bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte ein. Sein Engagement scheint jedoch nicht überall gern gesehen zu sein, wie aus einem Post hervorgeht, den Lange auf Twitter veröffentlichte. 

"Bisher haben sich die negativen Auswirkungen meiner Bemühungen für eine bessere Patientenversorgung auf Beleidigungen beschränkt", schreibt Lange. "Nun darf ich in einer Klinik nicht mehr arbeiten, weil ich mich zu medienwirksam für die Pflege einsetze. Ich bin enttäuscht!"

Aus dem Post geht nicht hervor, um welche Klinik es sich handelt. Nach Informationen des "Tagesspiegel" soll Lange aber bereits seit Längerem in dem Krankenhaus tätig sein. Lange arbeitet als Intensivpfleger und wechselte vor drei Jahren in die Leiharbeit, weil dort für Pflegekräfte oft bessere Arbeitsbedingungen herrschen. Als Leasingkraft wird er seitdem an Berliner Krankenhäuser vermittelt, denen Personal fehlt. Offenbar ist nun eine dieser Kliniken nicht mehr bereit, mit Lange zusammenzuarbeiten.

"Niemand sollte meinen Arbeitsplatz erkennen"

Gegenüber dem "Tagesspiegel" äußerte er sein Unverständnis über die Entscheidung: "Ich habe das Krankenhaus nie schlechtgemacht, nicht bestohlen, habe Interviews, die in oder vor der Klinik stattfinden sollten, immer abgelehnt – niemand sollte meinen Arbeitsplatz erkennen." Er habe in der Klinik angerufen und nach dem Grund gefragt. "Aufgrund meiner medialen Präsenz, wurde mir gesagt", so Lange gegenüber der Zeitung. Noch habe er aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es sich bei der Sperre möglicherweise um ein Missverständnis handle. 

Auf Twitter erhält er viel Zuspruch: Sein Post wurde bereits knapp 3000 Mal geteilt und mehr als 19.000 Mal gelikt. Auch Politiker, Anwälte und weitere Kliniken hätten sich bereits bei ihm gemeldet und Hilfe angeboten, sagte er dem "Tagesspiegel". "Da merkt man: Man ist doch nicht so allein."

Ricardo Lange hat über die Arbeitsbedingungen in der Pflege kürzlich mit dem stern gesprochen – hier können Sie sein Protokoll nachlesen. Mehr zum Thema Pflege und zur Pflege-Petition des stern lesen Sie hier. 

Quellen: Twitter / Tagesspiegel


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