VG-Wort Pixel

Tod von sechs Teenagern Was macht Kohlenmonoxid so gefährlich?

Stern Logo
Trauriges Ende eines Partyabends: Die sechs Teenager aus Arnstein starben an den Folgen einer Kohlenmonoxidvergiftung. Das geht aus dem Obduktionsbericht hervor. Was macht das Gas so gefährlich - und wie schützt man sich davor?

Gastherme, Kamin oder Holzkohlegrill: Sie alle produzieren eine potenzielle Gefahr - das unsichtbare Gas Kohlenmonoxid. In Deutschland gibt es jährlich etwa 4000 Fälle von Kohlenmonoxidvergiftungen, die im schlimmsten Fall tödlich enden. Im bayrischen Arnstein starben nun sechs junge Menschen an den Folgen einer Vergiftung mit Kohlenmonoxid. Das geht aus dem Obduktionsbericht hervor, den die Ermittler am Dienstag veröffentlicht haben.

Der Vater zweier Jugendlicher hatte die leblosen Körper am vergangenen Sonntagmorgen in einem Gartenhäuschen entdeckt. Dort soll sich unter anderem ein Holzofen befunden haben. Ob er im Zusammenhang mit der Vergiftung steht, ist bislang noch unklar.

Wie macht sich eine solche Vergiftung bemerkbar? Und wie lässt sich die Gefahr bannen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Kohlenmonoxid – was ist das eigentlich?

Kohlenmonoxid ist eine Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und trägt das Kürzel CO. Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos, aber für den Menschen hochgefährlich. Es entsteht beim Verbrennen von kohlenstoffhaltigen Materialien - also Kohle, Gas und Benzin.

Wie kann sich CO im Raum bilden?

Kohlenmonoxid entsteht, wenn Kohle, Gas oder Benzin verbrannt werden und Sauerstoff fehlt. Zu den meisten CO-Vergiftungen kommt es daher in Innenräumen. Potenzielle CO-Quellen sind defekte Öfen, Gasthermen und Durchlauferhitzer. Normalerweise wird das Gas über Abluftsysteme, etwa einen Schornstein, aus der Wohnung transportiert. Ist das System jedoch nicht richtig gewartet oder sind Rohre verstopft, kann sich CO unbemerkt in der Wohnungsluft ansammeln.

Heizpilze, Holzkohle-Grills und Geräte mit Verbrennungsmotoren sollten keinesfalls in Innenräumen verwendet werden – auch nicht dann, wenn Türen, Fenster oder das Garagentor offen stehen. Selbst bei belüfteten Räumen können sich schnell tödliche Mengen CO ansammeln.

Was macht das Gas so tückisch?

Ob Kohlenmonoxid in der Luft liegt, kann ein Mensch nicht feststellen, da das Gas nach nichts riecht. Selbst hohe Konzentrationen bleiben so unentdeckt. Besonders gefährlich: Bereits kurz nach dem Auftreten erster Symptome kann es nach Angabe des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zur Bewusstlosigkeit kommen. Das Verlassen des Raumes oder weiteres Handeln ist dann nicht mehr möglich.

Laien verwechseln die Symptome einer CO-Vergiftung zudem oft mit denen einer Alkoholvergiftung.

Welche Symptome treten auf?

Das Auftreten von Symptomen ist abhängig von der Konzentration des Gases. Sie wird in der Einheit "ppm" gemessen. Das Kürzel steht für "parts per million", also den millionsten Teil.

Bereits ab einer Konzentration von 200 ppm CO in der Luft entwickeln Personen leichte Kopfschmerzen. 800 ppm Kohlenmonoxid führen zu Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit und Bewusstlosigkeit. Bei einigen Menschen färbt sich die Haut kirschrot, was auf den ersten Blick gesund wirkt und den Ernst der Lage verkennt.

Je mehr CO in der Raumluft schwirrt, desto gefährlicher ist es. Bei einem Versuch des BfR mit einem Holzkohlegrill in einem Testraum wurde sogar eine Konzentration von 3000 ppm CO erreicht. Atmen Menschen derart hohe Konzentrationen ein, fallen sie binnen Minuten in Ohnmacht.

Wie führt Kohlenmonoxid zum Tod?

Über die Lunge gelangt das Gas in den Körper und bindet sich an den roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin. Üblicherweise ist dieses für den Sauerstoff-Transport im Blut zuständig. In der Folge werden die Organe nicht mehr ausreichend mit dem lebenswichtigen Stoff versorgt - und der Mensch erstickt.

Was ist im Notfall zu tun?

Verlassen Sie bei Verdacht auf eine Kohlenmonoxid-Vergiftung umgehend den Raum. Finden Sie verunglückte Menschen in einer Situation vor, die auf eine Kohlenmonoxid-Vergiftung schließen lässt, öffnen Sie Fenster und Türen und halten nach Möglichkeit die Luft an. Atmen Sie nur an frischer Luft, zum Beispiel, am offenen Fenster. Alarmieren Sie den Rettungsdienst und versuchen Sie, den Vergifteten an die frische Luft zu retten. Wichtig dabei: Achten Sie stets auf Ihre eigene Sicherheit und vermeiden Sie offenes Feuer oder das Einschalten elektrischer Geräte. Kohlenmonoxid gilt als explosiv.

Wie kann man sich vor einer Kohlenmonoxid-Vergiftung schützen?

Herkömmliche Rauchmelder schützen nicht vor einer Vergiftung mit Kohlenmonoxid. Der Grund: Sie suchen nach Rauchpartikeln in der Luft. Bei CO handelt es sich jedoch um ein Gas. Effektiv sind nach Angabe des BfR spezielle CO-Melder: Sie wurden eigens für das Entdecken von Kohlenmonoxid in der Raumluft entwickelt und schlagen bei kritischen Konzentrationen Alarm. Die Melder gibt es bereits ab 20 Euro im Baumarkt. Kamine, Öfen, Gasthermen und deren Abluftsysteme sollten regelmäßig von fachkundigem Personal kontrolliert und überprüft werden.


Mehr zum Thema



Newsticker