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Nach stern-Enthüllung: Razzien bei Krebs-Ärzten

Unregelmäßigkeiten in Medizinischen Versorgungszentren und bei der Herstellung von Mitteln für Chemotherapien – nach den stern-Recherchen kam es nun zu ersten Durchsuchungen.

Infusionen für Chemotherapien werden individuell für jeden Patienten gemischt. Die Rezepte sind unter Fachapotheken umkämpft, denn sie bringen dicke Gewinne.

Infusionen für Chemotherapien werden individuell für jeden Patienten gemischt. Die Rezepte sind unter Fachapotheken umkämpft, denn sie bringen dicke Gewinne.

Gestern berichtete der stern online, heute ist die neue Printausgabe erschienen, darin: das Ergebnis einer monatelangen Recherche des stern-Investigativ-Teams mit dem Titel „Krebs. Geschäfte ohne Skrupel“. Die Hauptfigur in dem sechsseitigen Report ist Günter Zeifang, ein Multimillionär aus Hamburg. Zeifang besitzt drei Apotheken und dazu noch einen Pharma-Herstellbetrieb, wo er Mittel für Chemotherapien mischt. Außerdem soll Zeifang, so formuliert es sein Rechtsanwalt, über einen Arzt zwei Medizinische Versorgungszentren (MVZ) kontrollieren.

Heute Morgen wurden nun die Strafverfolger aktiv. Polizisten betraten, offenbar in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Lübeck, den Standort des MVZ Stormarn. Die Einrichtung liegt rund zwei Kilometer nördlich der Hamburger Stadtgrenze. Sie ist Teil einer der beiden von Zeifang laut seines Anwalts kontrollierten MVZs. Die Hausdurchsuchung fand während der Sprechzeiten statt, blieb aber dennoch von Patienten weitgehend unbemerkt.

Am Standort Norderstedt des MVZ Stormarn arbeitete auch der Arzt Prof. Rainer Klapdor. Nach stern-Recherchen behandelt Klapdor an Krebs erkrankte Kassenpatienten, lässt diese aber von zwei Kollegen abrechnen – der 71-Jährige besitzt nämlich keinen Sitz der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Ein Sprecher der KV in Lübeck sagte dem : "Es steht der Vorwurf von Abrechnungsbetrug im Raum."

Jetzt ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Hamburg

In MVZ in Norderstedt hielt sich die Polizei mehr als zweieinhalb Stunden auf. Dann verließen die fünf Beamten das MVZ. Die MVZ-Zentrale in Reinbek wurde ebenfalls durchsucht.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg sagte dem stern heute Nachmittag, dass nicht nur in Lübeck, sondern auch in Hamburg wegen des Vorwurfes des Abrechnungsbetrugs ermittelt werde. Weitere Ermittlungen würden mit Blick auf die stern-Enthüllungen derzeit noch geprüft. In dem Report geht es auch um einen Ausfall der Klimaanlage in Zeifangs Pharma-Herstellbetrieb in Hamburg-Altona im Hochsommer 2014. Damals sollen nach stern-Recherchen trotz hoher Temperaturen sensible Krebsmedikamente produziert worden sein.

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