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Blick in die Zelle : Die Krebs-DNA als Wegweiser

In der Medizin gelingt es immer häufiger, das veränderte Erbgut eines Tumors zu entschlüsseln. Ein Meilenstein, der helfen kann, den Krebs besser zu verstehen. Der Blick in die Zelle verrät Erstaunliches

Jeder Tumor ist anders. Bryce stellt sich seinen so vor

Jeder Tumor ist anders. Bryce stellt sich seinen so vor

Anfangs ist die Vorstellung vom eigenen Tumor noch diffus. Doch irgendwann entwickelt sich ein sehr persönliches Bild von ihm, dem Krebs, der sich meist im Inneren des Körpers versteckt. „Ich stelle mir meinen Tumor wie eine Explosion starker, mutierter Zellen vor, die unkontrolliert wachsen. Er ist in der Mitte dunkel, doch je mehr ich über ihn erfahre, desto mehr Farbe bekommt er“, erzählt der 49-jährige Bryce. Er hat ein Bild von seinem Tumor gemalt, genau wie die 7-jährige Elysa, die sogar einen Namen für ihn hat: „Ich nenne meinen Tumor Bobette. Sie sieht aus wie ein kleines Monster mit glitschiger Haut. Sie ist nicht niedlich und flauschig, sondern eher unheimlich und böse.“  Mit der DNA-Analyse des Tumors, dem Tumorgenomtest, wird das Bild vom Krebs weiter geschärft. Der Test zeigt genetische Veränderungen im Tumor auf, die verantwortlich für seine Entstehung und sein typisches Verhalten sind. Wächst er schnell oder langsam? Streut er ins umliegende Gewebe? Außerdem fanden die Forscher noch etwas heraus: Es gibt Mutationen, die bei unterschiedlichen Krebserkrankungen identisch sind und z. B. das Wachstum unabhängig von der Lage und Art des Tumors vorantreiben.

DNA-Veränderungen der Tumoren verändern auch die Behandlung
So können Mutationen bestimmter Proteine, wie beispielsweise BRAF, NTRK oder EGFR, bei verschiedenen Tumorarten auftreten und somit das Fortschreiten ganz unterschiedlicher Krebsarten, wie Dickdarmkrebs, Hautkrebs oder Lungenkrebs, vorantreiben. „Dieser Ansatz bedeutet, dass die Tumoren zielgerichtet mit derselben Therapie angegangen werden können – unabhängig davon, wo sich der Tumor im Körper befindet“, erklärt Dr. Mathias Rossberg, Leiter Onkologie bei Bayer Vital. Es kann also ein Medikament, das gegen eine bestimmte Genomveränderung entwickelt wurde, eine geeignete Behandlungsmöglichkeit bei unterschiedlichen Krebsarten sein. 

Die DNA hilft, den Tumor zu verstehen
Für Bryce war dieser neue Forschungsansatz ein wichtiger Wendepunkt in seiner Behandlung. Als bei ihm mit 44 Jahren Krebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wurde, war seine Prognose schlecht. Dann erfuhr er von der Möglichkeit der Tumorgenomtests bei Krebserkrankungen als Teil einer personalisierten Medizin.  „In dem Moment habe ich einen Tumorgenomtest machen lassen und meine Krebsgeschichte wandelte sich. Das ist der Grund, warum ich heute noch am Leben bin“, sagt er. „Ich rate jedem, bei dem Krebs diagnostiziert wird, sein Tumorgenom analysieren zu lassen und so herauszufinden, womit er es genau zu tun hat.“ 

Die Forschung geht weiter
Noch haben die Wissenschaftler nicht alle genomischen Veränderungen der Krebszellen entschlüsselt. Die bisher bekannten umfassen unter anderem Veränderungen in den Genen KRAS, HER2, BRAF, EGFR, ALK, ROS1 sowie NTRK, und es kommen immer mehr hinzu. Aktuell werden bei mehr als einem Drittel* der Patientinnen und Patienten, die einen Tumorgenomtest machen lassen, genomische Veränderungen gefunden, für die es bereits heute gezielte Therapien gibt.

Mehr Infos unter www.testedeinentumor.de 

Quellen: * Boland GM, Piha-Paul SA, Meric-Bernstam F et al. Clinical next generation sequencing to identify actionable aberrations in a phase I program. Oncotarget 2015, S. 20100-20110 Massard C, Michiels S, Ferté C et al. High-Throughput Genomics and Clinical Outcome in Hard-to-Treat Advanced Cancers: Results of the MOSCATO 01 Trial, aacrjournals. Cancer Discovery 2017, OF 2-10.

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