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Corona-Ausbruch in Schlachtbetrieb "Kaum aushaltbar": Schulen und Kitas wieder zu im Kreis Gütersloh

Die  Brinkmannschule in Langenberg im Kreis Gütersloh
Ein Schild am Eingangstor der Brinkmannschule in Langenberg im Kreis Gütersloh weist daraufhin, dass der Spielplatz geschlossen ist. Normalerweise würden Kinder dort ihre Pause verbringen. Nach dem massenhaften Ausbruch des Corona-Virus im Fleischwerk Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind seit Donnerstag aber sämtliche Schulen und Kitas bis auf eine Notbetreuung geschlossen.
© David Inderlied / DPA
Geschlossene Schulen und Kindertagesstätten und Hunderte Infizierte sorgen für Wut und Unverständnis bei den Menschen im ostwestfälischen Kreis Gütersloh. Die Verantwortung für den Corona-Ausbruch sehen viele bei dem Schlachtereibetrieb Tönnies.

Elena Engenhorst steigen die Tränen in die Augen. Ihr Sohn spielt an einer Wasserstelle. Der Fünfjährige hüpft mit seinen Gummistiefeln auf und ab. Daneben steht der Kinderwagen mit dem anderen Sohn. "Der Große war erst eine Woche wieder in der Kita, und abends beim Einschlafen hat er mich noch gefragt, was wohl am nächsten Tag in der Kita Schönes passieren wird", so die junge Mutter. "Und jetzt muss ich ihm erklären, dass er wieder nicht hingehen darf." Sie habe Angst, dass die Spielplätze auch wieder zumachen. "Wir Erwachsenen können diese soziale Distanz akzeptieren, aber für unsere Kinder ist das kaum aushaltbar", sagt die Mutter.

Ähnlich geht es auch Paulina Twardowski. "Ich bleibe zurzeit zu Hause, um meine zweijährige Tochter zu betreuen", so die alleinerziehende Mutter. Sie sei an ihrer Belastungsgrenze. "Das wird eine sehr anstrengende Zeit für mich und die Kleine." 

Corona-Ausbruch bei Tönnies Hauptgesprächsthema 

Für Dirk Ködding von der Grundschule Neisseweg in Gütersloh kam die Nachricht der Schulenschließung völlig überraschend. "Wir sind alle tieftraurig", so der Schulleiter. "Vor allem die Viertklässler tun mir sehr leid, denn für die wird es nun keinen normalen Abschied geben." Bei den Kleinen seien Tränen geflossen. Auch einige Eltern hätten sich bereits bei der Schule gemeldet. "Da gibt es nun viele Unsicherheiten besonders in Bezug auf die Notbetreuung", sagt Ködding. Diese werde aber stattfinden.

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies ist vielerorts im Kreis Hauptgesprächsthema. So auch bei Lara Köppikus. Die 17-Jährige hat erst vor Kurzem ihr Fachabitur gemacht. "Ich habe von dem Vorfall bei Tönnies bei Facebook gehört", so die Schülerin. "Da gab es viele Posts und Nachrichten." Sie selbst mache sich nicht so große Sorgen zu erkranken. Dennoch wolle sie sich nun wieder häufiger die Hände desinfizieren. 

"Eine Katastrophe für die Stadt"

Auch bei Friseur Abdullah Yildiz dreht sich nun alles um den Corona-Ausbruch bei dem Schlachtereibetrieb. "Die Kunden, die da waren, haben alle nur darüber gesprochen", so der 34-Jährige. "Wir mussten wegen Corona schon sechs Wochen zumachen und haben Angst, dass das wieder passiert." Viele Läden hätten nicht so große Rücklagen, um die Krise zu überbrücken.

"Ich wollte mich eigentlich zum 1. August selbstständig machen", so der Friseur. "Keine Ahnung, wie das nun gehen soll." Außerdem habe er Sorge, wie bei den Arbeitern bei Tönnies die Quarantäne eingehalten werden solle. "Das sind 7000 Menschen, wie soll das kontrolliert werden?" Tönnies hätte diesen Ausbruch verhindern müssen, schließlich habe der Konzern riesige Macht in der Region, sagt er.

"Mich macht das traurig, denn das ist eine Katastrophe für die Stadt", sagt auch Jürgen Holtkamp, der draußen vor einer Kneipe sitzt und eine Cola trinkt. "Mir tun die Mitarbeiter bei Tönnies leid." Die Arbeitsbedingungen seien "furchtbar", glaubt er. Das sieht auch sein Freund Andreas Kersting so. Für die beiden Männer trägt Clemens Tönnies als Unternehmer die Verantwortung für den Corona-Ausbruch.

rw / Stella Venohr DPA

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