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Überraschende Entwicklung: Die Lebenserwartung in den USA sinkt – und das sind die Gründe

In den USA ist die Lebenserwartung gesunken – erstmals seit mehr als 20 Jahren. Mediziner untersuchen die Ursachen für diese Entwicklung.

In den USA ist die Lebenserwartung gesunken

In den USA ist die Lebenserwartung gesunken

In den USA ist erstmals seit 20 Jahren die Lebenserwartung gesunken: Hatte ein Neugeborenes 2014 im Durchschnitt 78,9 Lebensjahre vor sich, waren es 2015 nur noch 78,8 Lebensjahre – ein leichter, aber deutlicher Rückgang von 0,1 Prozent, der eine Trendwende markiert. Zuletzt war in den USA in den Neunzigerjahren ein Rückgang der Lebenserwartung zu beobachten: Im Jahr 1993 hatten die Todesfälle durch Aids ihren Höhepunkt erreicht und drückten die Statistik. Umso mehr sind Mediziner von der aktuellen Abnahme überrascht.

"Ein Rückgang von 0,1 Prozent ist gewaltig", erklärte Peter Muennig, Professor für Gesundheitspolitik an der Mailman School of Public Health gegenüber der "New York Times". "Die Lebenserwartung steigt grundsätzlich beständig. Dass sie jetzt abnimmt, ist ein echtes Alarmzeichen." Muennig sprach in diesem Zusammenhang jedoch von einem "rein amerikanischen Problem". In anderen Industrieländern würde die Lebenserwartung dem allgemeinen Trend folgend weiter steigen. Dasselbe gilt auch für Deutschland: Hierzulande liegt die Lebenserwartung derzeit bei 78,4 Jahren für Männer und bei 83,4 Jahren für Frauen.

Doch was könnten die Gründe für den Rückgang der Lebenserwartung sein? Forscher rätseln über die Ursachen und sind sich in einem Punkt weitgehend einig: Statt einer Ursache allein scheinen viele verschiedene Faktoren zu dieser Entwicklung beizutragen, darunter folgende:

  • Acht der zehn häufigsten Todesursachen haben laut Statistik zugenommen. Dazu zählen die Todesursachen Herzerkrankung (+0,9 Prozent), chronische Lungenerkrankungen (+2,7 Prozent), Unfälle (+6,7 Prozent), Schlaganfall (+3,0 Prozent), Diabetes (+1,9 Prozent) und Suizid (+2,3 Prozent). Die Todesfälle durch Alzheimer nahmen sogar um ganze 15,7 Prozent zu. Einige dieser Erkrankungen, etwa Diabetes, stehen in direktem Zusammenhang mit Übergewicht und Fettleibigkeit. Einziger Lichtblick: Insgesamt starben weniger Menschen an Krebs (-1,7 Prozent). Experten machen dafür sinkende Raucherzahlen und eine verbesserte Früherkennung verantwortlich.
  • Auch die Kindersterblichkeit hat leicht zugenommen: Sie stieg von 582,1 Fällen pro 100.000 Geburten auf 589,5 Fälle. Nach Angabe des "National Center für Health Statistics" ist diese Zunahme jedoch statistisch nicht relevant.
  • Die Zahl der Drogentoten steigt – insbesondere Opioide sind in den USA auf dem Vormarsch. Für Heroin hat sich in den letzten Jahren die Zahl der tödlichen Überdosen verfünffacht, von rund 2000 im Jahr 2004 auf über 10.000 Fälle im Jahr 2014, meldet das "National Institute on Drug Abuse". Die Gründe für diese Zunahme sind noch nicht abschließend geklärt. Als eine der Hauptursachen wird die leichte Verfügbarkeit von Heroin diskutiert.
  • Auch Arbeitslosigkeit und Unterschiede im Einkommen und der Ernährung drücken Experten zufolge die Lebenserwartung. Insbesondere in der weißen Arbeiterklasse habe sich der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert, erklärte Peter Muennig gegenüber der "New York Times". Die Hauptursache hierfür seien wirtschaftlicher Stress, Drogen- und Alkoholsucht.
ikr, mit DPA

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