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Lederschuhe: Schick, aber schädlich

In Leder steckt oft Gift - und tierisches Leid. Gibt es Schuhe, die man bedenkenlos tragen kann?

Von Tanja Busse

Der größte Teil des Schuhleders wird zumeist mit dem Schwermetall Chrom gegerbt. Als Kunde im Schuhgeschäft erfährt man nichts über das Gift in der Ware - bislang gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Schuhe.

Der größte Teil des Schuhleders wird zumeist mit dem Schwermetall Chrom gegerbt. Als Kunde im Schuhgeschäft erfährt man nichts über das Gift in der Ware - bislang gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Schuhe.

Möchte man Lederschuhe  kaufen, die ökologisch und gesundheitlich unbedenklich sind und bei deren Herstellung niemand gequält wurde, muss man lange suchen. Denn gewöhnliches Leder steht gleich mehrfach unter Verdacht: Viele Gerbereien außerhalb der EU produzieren ohne Umwelt- und Sozialstandards und gefährden so das Leben von Arbeitern und Anwohnern. Vor einiger Zeit hat das ZDF gezeigt, wie giftige Abwässer aus der Lederproduktion ganze Stadtteile in Dhaka, Bangladesch, verseuchen und Arbeiter völlig ungeschützt in den Gerbsäuren herumlaufen. Viele Rinder, deren Häute dort verarbeitet werden, erleiden vor dem Schlachten fürchterliche Qualen. Die Tierrechtsorganisation Peta hat dokumentiert, wie zusammenbrechenden Rindern auf den langen Transporten aus Indien Chili in die Augen gerieben wird, damit sie vor Schmerzen wieder aufstehen.

Was das mit unseren Schuhen zu tun hat? Jedes Jahr kommen Lederwaren aus Bangladesch im Wert von knapp 50 Millionen Dollar auf den deutschen Markt. In der Schuhbranche ist es üblich, Häute und Leder weltweit einzukaufen. Die Kunden im Schuhgeschäft erfahren nichts darüber, denn es gibt keine Kennzeichnungspflicht für Schuhe - ein verbraucherrechtliches Vakuum mit Gesundheitsrisiko. Denn der weitaus größte Teil des Leders für Schuhe, Taschen und Handschuhe wird immer noch mit dem Schwermetall Chrom gegerbt. Dabei kann das krebserregende Chrom VI entstehen, das oft heftige Kontaktallergien auslöst. Schon 2007 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung davor, und 2013 entdeckte "Öko-Test" Chrom VI sogar in Krabbelschuhen für Babys.

Warnung vor billigem Leder

Aber es gibt sie, die Nadeln im Heuhaufen: Die Lederfabrik Josef Heinen zum Beispiel, eine der letzten Gerbereien in Deutschland, verarbeitet nur Häute von Tieren aus Mitteleuropa und produziert besonders langlebiges Leder für Schuhe und Taschen. "Wenn ich wasserabweisendes und gleichzeitig atmungsaktives Leder bekommen möchte, ist die Chromgerbung unersetzlich", sagt Chemiker Christian Matzen. Aber er kennt die Risiken und warnt vor billigem Leder aus schlechter Gerbung: "Nur wenn ein Gerber alle Prozessschritte perfekt beherrscht, nach dem Stand der Technik arbeitet und das Rohmaterial verantwortungsvoll auswählt, kann der Kunde sicher sein, ein Chrom-VI-freies Produkt zu erhalten."

Der Hersteller Ecopell kommt sogar ganz ohne Chrom aus. Er kauft Rinderhäute ausschließlich aus regionaler Herkunft, zum Teil sogar aus Biohaltung, und gerbt sie mit Extrakten aus den Schoten des peruanischen Tarabaumes oder den Früchten der Valonea-Eiche. Ecopell trägt das anspruchsvolle IVN-Ledersiegel vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft, als bislang einziger Produzent überhaupt. Damit das nicht so bleibt, sind wir Konsumenten gefragt: Wir sollten uns Gift im Schuh nicht länger bieten lassen - und solange nachfragen, bis die Hersteller reagieren.

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