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Impfpflicht-Debatte: Masern in Deutschland: Was Sie aktuell wissen müssen

Bremen denkt über Impfpflicht nach +++ Peine meldet achten Masernfall +++ Sächsischer Landtag debattiert über Impfpflicht +++ Weimar warnt Kinobesucher +++ Schon 34 Masernfälle in Bayern +++ 77 Prozent für Impfpflicht bei Masern +++ Masern in Deutschland

News Masern aktuelle Meldungen zum Thema Impfen

Die Diskussion um eine Impfpflicht in Deutschland geht in die nächste Runde. Auslöser dafür waren unter anderem Masernfälle in Niedersachsen und Schulschließungen in Schleswig-Holstein.

DPA

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Seitdem an Schulen und Kindertagesstätten in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und einigen weiteren Bundesländern verstärkt Masernfälle bekannt geworden sind, nimmt die Debatte rund um das Thema Impfpflicht in Deutschland zum wiederholten Male Fahrt auf. Er unterstütze verpflichtende Masernimpfungen an Schulen und in Kitas, ließ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zuletzt wissen. In seinem Ministerium laufen derzeit erste Gespräche dazu. Demnach gehe es dabei auch um Konsequenzen für Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen und damit deren Schulbesuch verhindern.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) unterstützt Spahn. Es gehe nicht nur um die Verantwortung jedes Einzelnen für sich und seine Kinder, sondern auch um die für andere, so Giffey. "Der Staat muss dann handeln, wenn das Risiko, in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen Mitmenschen zu gefährden, anders nicht in den Griff zu bekommen ist."

Montgomery: "Impfpflicht absolut sinnvoll"

Klare Kante zeigt auch Frank Ulrich Montgomery. "Eine Impfpflicht in Deutschland wäre aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht absolut sinnvoll", erklärte der Präsident der Bundesärztekammer in einem Interview. Rückendeckung bekommt Montgomery vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). "Kinder haben ein Recht darauf, immunisiert zu werden gegen potenziell tödliche Krankheiten", sagt BVKJ-Präsident Thomas Fischbach. Und geht sogar noch einen Schritt weiter. Denn Fischbach fordert auch eine Impfpflicht für Röteln, Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Mumps und Windpocken.


26. April: Auch Bremen denkt über Impfpflicht nach

Die Bremer Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt schließt eine Masern-Impfpflicht für Kinder in Kitas und Schulen nicht mehr aus. "Wir prüfen derzeit, wie Eltern über die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen der Kinderärzte noch besser erreicht werden könnten", sagte sie dem "Weser-Kurier". Steige die Masern-Impfquote dennoch nicht spürbar, stehe sie einer Impfpflicht positiv gegenüber, so Quante-Brand weiter. Ihre Kollegin in Niedersachsen hatte sich im März trotz eines Ausbruchs noch dagegen ausgesprochen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Anfang Mai seine Vorschläge für eine bundesweite Impfpflicht präsentieren.

23. April: Kinderärzte fordern nationales Impfregister

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte(BVKJ) hat sich in die aktuelle Impfdebatte eingeschaltet. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP sprach sich BVKJ-Sprecher Hermann Josef Kahl dafür aus, ein nationales Impfregister einzuführen. Man wolle darin Impfungen erfassen und zugleich die Patienten an die jeweiligen Termine erinnern, so Kahl. Bis zur Einführung, die Kahl als "mittel- bis langfristiges Ziel" bezeichnete, fordert der BVKJ eine generelle Impfpflicht. Jüngst hatte sich BVKJ-Präsident Thomas Fischbach in die Diskussion eingeschaltet. Er plädierte unter anderem für eine Impfpflicht gegen weitere Krankheiten, wie Röteln, Diphterie, Kinderlähmung, Keuchhusten, Mumps und Windpocken.

11. April: Masern - Klagenfurt stellt Busverkehr ein

In der österreichischen Stadt Klagenfurt hat ein Masernfall am Mittwoch vorübergehend den gesamten Busverkehr lahmgelegt. Einem Bericht der "Krone" zufolge war ein Busfahrer erkrankt. Um zu verhindern, dass sich die hoch ansteckende Krankheit weiter ausbreitet, wurde veranlasst, alle 60 Busse der 100.000-Einwohner-Stadt am Wörthersee zu desinfizieren. Zudem überprüfe man den Impfstatus aller etwa 130 Busfahrer-Kollegen des Erkrankten. Unklar ist offenbar noch, ob auch Fahrgäste angesteckt wurden. Am Donnerstag durften zunächst ausschließlich gegen Masern geimpfte Fahrer wieder ans Lenkrad. 

11. April: Peine meldet achten Masernfall in 2019

Im Landkreis Peine ist eine weitere Frau an Masern erkrankt. Wie die "Peiner Nachrichten" berichten, habe sich eine 40-Jährige mit dem Virus infiziert. Es ist der achte offiziell bestätigte Fall im Kalenderjahr 2019. Allein im April wurden drei Infektionen bekannt. Im aktuellen Fall informiert das Gesundheitsamt derzeit Kontaktpersonen und versucht deren Impfstatus zu verifizieren.  

10. April: Sächsischer Landtag diskutiert Impfpflicht

Sachsen diskutiert über die Impfpflicht bei Masern. Im Dresdner Landtag entbrannte am Mittwoch eine Debatte darüber, ob man die Bürger gesetzlich dazu verpflichten kann, sich impfen zu lassen. Gesundheitsministerin Barbara Klepsch befürwortet das - verlangte aber, dass die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen dafür auf Bundesebene geschaffen werden. Rückendeckung erhält sie von den Linken, die SPD will es bei einer "moralischen Pflicht" zur Schutzimpfung belassen. Eine Abgeordnete warf die Frage auf, welche Konsequenzen oder Sanktionen man bei einer gesetzlichen Pflicht aussprechen wolle. Kritisch steht die AfD-Fraktion der Impfpflicht gegenüber. Für Bündnis 90/ Die Grünen ist die gesetzliche Impfpflicht nur ein "letztes Mittel". Hier setzt man stattdessen auf Aufklärung und Impfberatung. Seit dem 25. März registrierten die Behörden im Freistaat vier weitere Masernfälle. Die Zahl der Infektionen steigt damit auf 15.

8. April: 34 Masernfälle - Impfdebatte erreicht Bayern

Im Freistaat Bayern ist eine Debatte zur Impfpflicht entbrannt. Zunächst hatte eine Anfrage der Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze an die Staatsregierung ergeben, dass seit Jahresbeginn in Bayern 34 Fälle von Masern gemeldet wurden. Daraufhin warf Schulze der CSU Versagen beim Thema Masernimpfung vor. Sie habe es nicht geschafft, die Quote bei der zweiten Impfung gegen die im Extremfall tödliche Masernkrankheit auf die erforderlichen 95 Prozent zu heben, so Schulze. Laut Robert-Koch-Institut ist genau diese Quote nötig, um zu verhindern, dass sich die Krankheit weiter verbreitet. In Bayern liegt sie laut Staatsregierung aktuell bei 92,2 Prozent.

2. April: Masern in Weimar - Stadt warnt Kinobesucher 

Nach der Masernerkrankung eines Erwachsenen im thüringischen Weimar hat das Gesundheitsamt der Stadt den Besuchern eines Kinos und der Universitätsbibliothek dazu geraten, dringend ihren Impfstatus zu überprüfen. Menschen, die am 24. März um 16.45 Uhr die Vorstellung im Lichthaus Kino besucht haben, könnten mit dem Erkrankten Kontakt gehabt haben. Gleiches gelte für Besucher der Universitätsbibliothek, die sich am Vormittag des 27. März in dem Gebäude aufgehalten haben, heißt es in einer Mitteilung.

Quelle: "Thüringer Allgemeine"

1. April: Einlasskontrollen an Gymnasium in Bad Segeberg

In dem am Freitag evakuierten Gymnasium in Bad Segeberg wurde am Montag der Unterricht wieder aufgenommen. Um weitere Masernfälle zu verhindern, organisierten Schulleitung und Kreisgesundheitsamt Einlasskontrollen. Wie der "NDR" berichtet, mussten Schüler und Mitarbeiter ihre Impfausweise vorlegen. Demnach wurden 14 Schüler und 12 Lehrer nach Hause geschickt, weil sie den Ausweis vergessen hatten oder keinen ausreichenden Masern-Impfschutz nachweisen konnten. Weitere 151 Schüler waren gar nicht erst in der Schule erschienen. Auch bei den Abi-Prüfungen, die in Schleswig-Holstein am Dienstag beginnen, sollen die Impfausweise überprüft werden. Laut Schulleitung haben Abiturienten ohne Impfschutz am 8. Mai die Chance, die Prüfungsklausur nachzuschreiben. An der Theodor-Storm-Grundschule, die am Freitag ebenfalls wegen eines Masernfalles geschlossen worden war, will das Gesundheitsamt die Impfpässe der Schüler und Mitarbeiter ab Dienstag kontrollieren.

31. März: 77 Prozent wollen Impfpflicht für Masern

In einer von der "Bild am Sonntag" in Auftrag gegebenen Emnid-Umfragen haben sich mehr als drei Viertel der Befragten für eine Masern-Impfpflicht ausgesprochen. 77 Prozent befürworteten sie - nur jeder Fünfte der 506 Befragten sprachen sich dagegen aus.  

29. März: Behörde schließt Gymnasium in Bad Segeberg

Wegen eines Masernfalls an der Bad Segeberger Dahlmannschule hat das Gesundheitsamt der Kreisstadt in Schleswig-Holstein das Gymnasium evakuiert und vorläufig geschlossen. Wie die Schulleitung auf der Website des Gymnasiums mitteilte, werden bis zum 3. April nur Schüler unterrichtet, die einen ausreichenden Masern-Impfschutz nachweisen können. Die "Lübecker Nachrichten" berichten von einem weiteren Masernfall. Demnach soll sich auch an der Theodor-Storm-Grundschule ein Kind infiziert haben. Die Einrichtung sei ebenfalls vorläufig geschlossen worden. 

29. März: 150 Kinder ohne Windpocken-Impfschutz

Wegen fehlenden Impfschutzes haben drei Schulen im Landkreis Potsdam-Mittelmark insgesamt mehr als 150 Schülerinnen und Schüler vom Unterricht ausgeschlossen. Auch zwölf Knirpse einer Kindertagesstätte in Stahnsdorf müssen bis zum 7. April zu Hause bleiben. Die Eltern der Kinder konnten nach einem Fall von Windpocken keine entsprechende Impfung belegen. Die Ständige Impfkomission empfiehlt seit 2004 eine Impfung gegen die hoch ansteckende Infektionskrankheit. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) wurden 2019 allein aus Brandenburg bisher etwa 100 Windpocken-Fälle gemeldet.

Quelle: "Potsdamer Neueste Nachrichten"

27. März: Baden-Württemberg meldet drei Mal so viele Masernfälle wie 2018

Auch in Baden-Württemberg registrieren die Behörden im ersten Quartal des Jahres steigende Masernzahlen. Wie das Landesgesundheitsamt meldet, wurden bisher mehr als 30 Erkrankungen übermittelt. Im Vergleichszeitraum 2018 waren es nur zehn Fälle. Gemeldet wurden die aktuellen Erkrankungen aus der Pfalz, Rastatt und dem Ortenaukreis.

26. März: Ausgeschlossene Schüler dürfen wieder am Unterricht teilnehmen

Die 80 vorläufig suspendierten Schüler der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim dürfen wieder am Unterricht teilnehmen. Weil sie nach Bekanntwerden von zwei Masernfällen keinen ausreichenden Impfschutz nachweisen konnten, durften sie ihre Schule zeitweise nicht betreten. Eines der ausgeschlossenen Mädchen ist nach Informationen des "NDR" inzwischen an Masern erkrankt.  

An zwei weiteren Schulen in Hildesheim dürfen insgesamt neun Schüler erst am 1. April wieder zum Unterricht. Auch sie waren nicht gegen Masern geimpft.

25. März: Elf Masernfälle in Sachsen, Tendenz steigend

Nachdem die Zahl der Masernfälle in Sachsen zuletzt zurückgegangen war, steigt sie seit Jahresbeginn offenbar wieder an. Nach Angabe des Gesundheitsministeriums in Dresden wurden bisher elf Erkrankungen bestätigt - das sind drei mehr als im Vorjahr. Weitere Verdachtsfälle seien in der Prüfung, so ein Sprecher gegenüber dem "Mitteldeutschen Rundfunk".

21. März: Sechs Grundschüler in Hannover müssen zwei Wochen zu Hause bleiben

In Hannover haben sechs Schüler einer Grundschule im Stadtteil Döhren demnächst viel Freizeit. Wegen fehlenden Masern-Impfschutzes wurden sie für 14 Tage vom Unterricht ausgeschlossen. Nach einem Masernfall waren in der Region die Impfpässe aller Schülerinnen und Schüler kontrolliert worden. 

Eine Frau mit Masern-Erkrankung liegt in einem Bett
js / DPA

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