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Studie aus Kanada: Teebeutel können wahre Mikroplastik-Schleudern sein - so vermeiden Sie das Problem

Milliarden Partikel pro Tasse: Eine Studie kanadischer Forscher weist auf eine bislang kaum beachtete Quelle von Mikroplastik hin - Teebeutel. Dabei ließe sich das Problem leicht umgehen.

Mikroplastik in Tee: Ein Teebeutel wird aus einem Glas mit Tee genommen

Teebeutel können Mikroplastik abgeben, zeigt eine Studie

Getty Images

Auf Plastikverpackungen verzichten, Wasser aus Plastikflaschen meiden und nur Kleidung aus Naturfasern kaufen: Es gibt viele Möglichkeiten, Mikroplastik im Alltag einzudämmen. Nach Angaben des WWF nimmt ein Mensch in der Woche bis zu fünf Gramm davon auf - was in etwa dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht. Woher stammt all das Plastik? Kanadische Forscher haben kürzlich eine mögliche Quelle von Mikroplastik untersucht, die in der öffentlichen Diskussion bislang wenig Beachtung fand: Tee. Genauer gesagt: Mikroplastik aus Teebeuteln.

Das Forscherteam um Laura Hernandez von der McGill University untersuchte, wie viel Mikroplastik bestimmte Teebeutel in heißes Wasser abgeben. Im Fokus der Untersuchung standen Plastik-Teebeutel, wie sie oft bei Premium-Teemarken eingesetzt werden. Die Wissenschaftler schnitten die Beutel auf, entleerten sie und übergossen sie mit heißem Wasser. Die anschließende Auswertung zeigte: Aus einem einzelnen Plastik-Teebeutel lösten sich rund 11,6 Milliarden Mikroplastik-Partikel und 3,1 Milliarden Partikel im Nanobereich. Die Zusammensetzung der gelösten Partikel stimmte mit den Materialien des Teebeutels überein. Er bestand aus Nylon und Polyethylenterephthalat - ein Kunststoff aus der Gruppe der Polyester. Das Ergebnis der Untersuchung veröffentlichten sie im Fachblatt "Environmental Science & Technology".

Matcha-Tee

"Dass diese Teebeutel Mikroplastik abgeben, ist durchaus plausibel", sagt Darena Schymanski vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe gegenüber der "NZZ". "Aber wie viel das wirklich ist, ist unklar." Die Expertin bemängelt, dass die Aussagekraft der Studie eingeschränkt sei. Bei Untersuchungen zu Mikroplastik sei die Kontamination über die Luft ein großes Problem - bis zu 33 Prozent des Hausstaubs bestünden aus Mikroplastik. Um eine Verunreinigung zu vermeiden, müsste bei der Auswertung mit einer sterilen Werkbank gearbeitet werden. Doch das sei offenbar nicht geschehen. Zudem sei unklar, wie viel Prozent der Probe gemessen worden sei. Die Hochrechnung der Partikelanzahl sei zweifelhaft.

Mikroplastik aus Teebeuteln: Auch hierzulande ein Problem?

In Deutschland bestehen die meisten Teebeutel nicht aus Kunststoff, sondern aus Papier und weiteren Pflanzenfasern. "Sie sind davon also nicht betroffen - oder wahrscheinlich in geringerem Maße, wenn zur Verstärkung des Materials eine kleine Menge Kunststoff beigemischt ist", schreibt dazu "Ökotest". "Klassische Zweikammerbeutel können einen kleinen Kunststoffanteil enthalten, schnurlose Beutel insbesondere an der Klebenaht." Die Plastik-Teebeutel, die in Europa verkauft werden, stammen oft von Premium-Marken und seien meist aus Biokunststoff (PLA) gefertigt. PLA ist biologisch abbaubar und wird aus Maisstärke gewonnen.

Ob und wie sich Mikroplastik auf die Gesundheit auswirkt, ist weitgehend unklar. Die Häufung von Mikroplastik und Nanoplastik in der Umwelt gebe jedoch "zunehmend Anlass zur Sorge", schreibt das kanadische Forscherteam. Kunststoffe gelten als chemisch sehr stabil. Herkömmliches Plastik zersetzt sich nicht oder nur sehr langsam und zerfällt in immer kleinere Teile, die sich in der Umwelt und in der Lebensmittelkette anreichern. 

"Auf der absolut sicheren Seite sind Sie mit losem Tee", schreibt "Ökotest". "Und damit tun Sie der Umwelt noch zusätzlich etwas Gutes, da Sie unnötige Verpackung sparen."

Quelle: "Environmental Science & Technology: Plastic Teabags Release Billions of Microparticles and Nanoparticles into Tea" / Ökotest / Verbraucherzentrale / NZZ / Umweltbundesamt

ikr
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