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Nur Früchte in der Schwangerschaft: Bloggerin propagiert gefährliche Bananen-Diät

Loni Jane Anthony beendet ihr Party- und Drogenleben und startet eine radikale Fruchtdiät. Seitdem wirbt die Webschönheit für ihren Ernährungsstil. Dabei birgt der Gefahren für ihr ungeborenes Kind.

Von Gernot Kramper

Solche Bilder von Loni Jane begeistern ihre meist weiblichen Follower

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Vegane Ernährung ist in, gilt bei typischen Fleischessern aber immer noch als sektiererhaft und unsexy. Dieses Vorurteil widerlegt Loni Jane Anthony eindrucksvoll. Die Australierin ernährt sich nicht nur vegan: Sie lebt sogar fast nur von Obst. Mit dieser strikten Ernährungsweise, einem attraktiven Äußeren und dem Talent, sich gekonnt abzubilden, ist die 25-Jährige zum Netzphänomen und Vorbild geworden. Ihr Instagram-Account zählt mehr als 100.000 Follower. Aus ihrer Begeisterung für ihre Frucht-Diät macht die Australiern kein Geheimnis. Auch ihr Tumblr-Blog huldigt dem Körperkult und der Bananendiät.

Seitdem aber bekannt wurde, dass Loni Jane im sechsten Monat schwanger ist, wird sie in ihrer Heimat Australien als verantwortungslose Mutter gebrandmarkt. Auch Johannes Georg Wechsler Wechsler vom Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) in München ist wegen der zur Schau gestellten Sorglosigkeit erstaunt. "Eine Frau kann sich durchaus vegan ernähren - auch in der Schwangerschaft", sagt der Experte. "Aber nicht so!"

Denn die Fruchtdiät birgt Gefahren. "Zuerst muss man an den Eiweißmangel denken. Nur durch Früchte bekommt man einfach nicht genug Eiweiß. Den gesteigerten Bedarf in der Schwangerschaft kann man so nicht decken", sagt Wechsler. Mit Getreide und Sojaprodukten könne man aber verhindern, dass es zu Mangelerscheinungen kommt. Bei einer reinen Fruchtdiät müsse man zudem mit einem Mangel an Folsäure rechnen, der zu schweren Schädigungen des Fötus führen kann. Mit Sicherheit liege auch ein Eisendefizit vor, das ausgeglichen werden müsse, sagt Wechsler.

Aus diesem Grunde rieten die Fachgesellschaften für Ernährung auch von einer Fruchtdiät in der Schwangerschaft ab. Wer von dieser Ernährung nicht lassen will, benötige eine individuelle, wissenschaftliche Beratung, so der Ernährungsexperte. "Das kann man durchhalten, auch ohne Gefahren für Mutter und Kind. Aber sie müssen sich beraten lassen und kontrolliert Mangelerscheinungen vorbeugen. Für einen Laien ist das zu komplex. Da muss ich sagen: Das kann man so nicht verantworten."

Loni Jane mit Frühstück

Loni Jane mit Frühstück

Auf ihrer Internetseite gibt die Loni Jane die Ahnungslose. Sie habe überhaupt keine Idee, warum sie so populär sei, schreibt die junge Frau kokett. Sie sitze hier nur rum und esse Bananen. Sie hat sich nie mit Ernährung beschäftigt. Sie hat keine Geschichte von Essstörungen und ist auch nicht wegen moralischer Bedenken zur Veganerin geworden. Glaubt man ihr, ist Loni Jane direkt von Junkfood und Alkohol bei der Fruchternährung gelandet. "Ich habe es nicht wegen der Gewichtsabnahme gemacht. Meine Art exzessiv als Partygirl zu leben, hat mich krank gemacht. Wenn ich so weiter gemacht hätte, wäre ich mit Sicherheit nicht alt geworden."

Also änderte sie ihr Leben radikal. Zu den Bananen kam jede Menge Sport. Ihren neuen Lebensstil verfolgt sie seitdem mit Feuereifer und einer gehörigen Portion Naivität. Die Energie und Begeisterung sind ansteckend und bewundernswert. Aber nun wird es Zeit, dass sich die begeisterte Autodidaktin zur Expertin entwickelt. Sonst wird sie ihrer Verantwortung nicht gerecht. Weder als Vorbild für ihre Follower noch als Mutter für ihr Baby.

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