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Pandemie "Centaurus"-Variante: Was Sie jetzt über den neuen Omikron-Subtyp wissen sollten

BA.2.75 – wie gefährlich ist die neue Omikron-Variante
Die Omikron-Variante BA.2.75 bereitet Expert:innen Sorge.
© Udomkarn Chitkul / Getty Images
Ein neuer Omikron-Subtyp bereitet Expert:innen Kopfzerbrechen. Die vielen Mutationen auf dem Spike-Protein könnten BA.2.75 noch ansteckender machen als die bisherigen Corona-Virusvarianten.

Während die Sommerwelle, verursacht durch die Omikron-Sublinie BA.5, Deutschland fest im Griff hat, gerät eine neue Omikron-Variante in den Fokus der Wissenschaft: BA.2.75. Experten:innen bereiten die vielen Mutationen am Spike-Protein Sorgen – sie könnten die Untervariante noch ansteckender machen als andere Virusvarianten. Was das Auftauchen des Omikron-Subtyps für Deutschland bedeuten könnte und was schon über BA.2.75 bekannt ist.

Woher kommt BA.2.75 und wie verbreitet ist die Corona-Variante?

BA.2.75 ist wahrscheinlich eine Variante zweiter Generation – ein Abkömmling der Omikron-Sublinie BA.2, wie Tom Peacock, Virologe vom Imperial College London, auf Twitter schrieb. Der Forschende hatte 2021 als einer der ersten Wissenschaftler bereits vor der Omikron-Variante wegen ihrer Mutationen am Spike-Protein gewarnt und rät nun auch bei der neuen Sublinie diese genauer zu beobachten.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde die Omikron-Untervariante mit dem Spitznamen "Centaurus" erstmals im Mai in Indien entdeckt. Seit dem 7. Juli wird die Variante vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) genauer beobachtet. Auch die WHO beobachtet die neue Variante im Omikron-Tracking. Weltweit sind bisher erst wenige Fälle der neuen Variante nachgewiesen, unter anderem auch in Deutschland. "Die Gesamtzahl an bekannten BA.2.75-Fällen ist minimal. Wir sprechen von heute etwa 70 Fällen weltweit", sagte Ulrich Elling vom Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien gegenüber "ZDF". Der Experte nimmt aber an, dass die Dunkelziffer der Fälle weitaus höher liegen dürfte.

Warum sind Expert:innen angesichts der Omikron-Untervariante BA.2.75 besorgt?

"BA.2.75 hat zusätzlich zu den 29 Mutationen, die die BA.2-Linie ohnehin schon im Spike-Protein hat, noch weitere acht Mutationen. Es ist davon auszugehen, dass eine derartige Fülle an neuen Mutationen die Eigenschaften, den Immunschutz zu unterlaufen, weiter verstärken wird", schilderte Ulrich Elling. Heißt also: Die "Centaurus"-Variante könnte noch besser als andere Varianten der Immunantwort des Körpers ausweichen. Das macht eine Infektion trotz Impfung und/oder vorangegangener Infektion dann leichter möglich.

Ist "Centaurus" gefährlicher als die bisherigen Omikron-Varianten?

Dr. Soumya Swaminathan von der WHO sagte gegenüber dem "Guardian", dass es noch nicht genügend Proben von BA.2.75 gebe, um den Schweregrad einzuschätzen. Zum Krankheitsverlauf oder der Hospitalisierung gibt es derzeit noch nicht genügend Daten, um abzuschätzen, wie gefährlich der Subtyp ist.

Was bedeutet BA.2.75 für die angepassten Omikron-Impfstoffe?

Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) empfiehlt den Impfstoffherstellern, für diesen Winter auf einen Impfstoff gegen die Omikron-Varianten BA.4/5 zu setzen. In Deutschland ist derzeit auch die Omikron-Sublinie BA.5 vorherrschend. Bei der Europäischen Arzneimittelagentur hat man sich noch nicht festgelegt, auf welche Variante der Omikron-Impfstoff angepasst werden sollte, wie der stern berichtete. Was BA.2.75 für einen angepassten Impfstoff bedeute, sei noch nicht abschätzbar, so Elling. "Wie es aussieht, bleibt die Evolution des Coronavirus derzeit noch schneller, als wir die Impfstoffe anpassen können. Sehr gut möglich, dass der BA.5-Impfstoff unzureichend vor BA.2.75 schützt, die Varianten unterscheiden sich in elf Positionen."

Können Corona-Tests BA.2.75 schlechter erkennen als andere Varianten?

In den sozialen Medien gibt es Spekulationen darüber, dass Schnelltests und auch PCR-Tests bei der Omikron-Untervariante BA.2.75 nicht anschlagen würden. Auf Twitter schrieb die Virologin Isabelle Eckerle: "Das BA.2.75 per PCR nicht erkannt wird, ist sehr unwahrscheinlich". Dass Schnelltests hingegen – insbesondere nach wiederholten Infektionen– weniger zuverlässig sind, sei bereits bekannt.

Wird BA.2.75 in Deutschland eine neue Welle auslösen?

"Es ist schwer vorherzusagen, welche Auswirkungen so viele Mutationen haben, die zusammen auftreten – es verleiht dem Virus eine Art 'Wildcard'-Eigenschaft, bei der die Summe der Teile schlimmer sein könnte als die Teile einzeln", sagte der Virologe Tom Peacock gegenüber dem "Guardian". "Centaurus" sei definitiv ein Kandidat für das, was nach BA.5 komme könnte, fasst es Peacock zusammen. Wie sich neue Varianten zukünftig verbreiten werden, lässt sich allerdings schwer voraussagen. Neben dem Virus selbst spielt auch die Immunität der Bevölkerung eine Rolle. In Indien, wo BA.2.75 zuerst entdeckt wurde, gab es beispielsweise keine BA.1-Welle, dafür aber eine BA.2-Welle. "Wenn sich BA.2.75 nun so rasch in Indien ausbreitet, dann liegt die Vermutung nahe, dass BA.2.75 die BA.2-Immunität umgeht wie BA.5 die BA.1-Immunität. In dem Fall ist auch international eine zügige Verbreitung zu erwarten", erklärt Ulrich Elling mit Blick nach Südafrika und Portugal, wo es eine BA.1-Welle gab und später dann viele Fälle mit BA.5. Bisher gebe zu wenige Daten zu BA.2.75, um zu wissen, wie genau sich die neue Omikron-Variante auf das Infektionsgeschehen in Deutschland auswirken wird.

Quellen: WHO,Guardian, ZDF, Twitter 1, Twitter 2, ECDC

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