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Massiver Corona-Ausbruch Schlachtbetrieb Tönnies schließt – 7000 Menschen in Quarantäne – Schulen und Kitas dicht

Sehen Sie im Video: Geleaktes Video aus Tönnies-Kantine sorgt für Empörung – wann entstand diese Aufnahme?


Hinweis: Zum Schutz der Frau, die in dem Video spricht, wurde die Stimme nachgesprochen.


Dieses Video kursiert seit mehreren Wochen im Netz.
Es zeigt die Kantine der Fleischfabrik Tönnies – der Betrieb, in dem gerade ein Corona-Ausbruch mit mehreren hundert Infizierten bekanntgeworden ist.  
Doch wann sind die Aufnahmen entstanden?
Ein Sprecher des Unternehmens hat gegenüber RTL die Echtheit des Videos bestätigt.
Der Clip sei im März 2020, bevor Corona-Maßnahmen getroffen werden mussten, entstanden.  
Einen Beweis dafür, dass das Video tatsächlich vor der Einführung von Corona-Schutz-Maßnahmen gefilmt wurde, liefert der Unternehmenssprecher nicht.
Die Aussagen der im Video zu hörenden Frau lassen vermuten, dass die Gefahr durch das Coronavirus zum Zeitpunkt der Entstehung bereits bekannt war.
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Im Schlachtbetrieb von Schalke-Boss Clemens Tönnies sind immer mehr Menschen mit Corona infiziert. Seit Anfang der Woche gab es mindestens 675 Fälle. Der Kreis Gütersloh zieht jetzt drastische Konsequenzen.

Nach dem massiven Corona-Ausbruch mit mindestens 657 Infizierten hat der Landkreis Gütersloh den Schlachtereibetrieb Tönnies umgehend geschlossen und rund 7000 Menschen in Quarantäne geschickt. Außerdem werden alle Schulen und Kitas des Landkreises bis zu den Sommerferien dichtgemacht. Durch diesen Schritt solle "der Herd bei Tönnies eingegrenzt" und die Bevölkerung im Kreisgebiet vor Infektionen geschützt werden, sagte eine Sprecherin des Kreises am Mittwoch. Unter den Tönnies-Beschäftigten seien zahlreiche Mütter und Väter mit schulpflichtigen Kindern. Die Schließung von Schulen, Kitas und bei der Tagesbetreuung im gesamten Kreisgebiet gelte ab Donnerstag und bis zum Beginn der Sommerferien in NRW am 29. Juni.

Außenansicht des Firmengeländes vom Fleischwerk Tönnies in Rheda-Wiedenbrück
Außenansicht des Firmengeländes vom Fleischwerk Tönnies in Rheda-Wiedenbrück
© David Inderlied / DPA

Landrat Sven-Georg Adenauer betonte auf einer Pressekonferenz, das Schul- und Kitaschließungen "ein probates Mittel" im Kampf gegen eine weitere Verbreitung seien und immer noch besser als ein "kompletter Shutdown" des Landkreises. Viele Eltern hatten sich empört über die neuerlichen Schließungen gezeigt.

657 neue Fälle von Corona-Infektionen

Der Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück gehört Clemens Tönnies, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04. Allein seit Anfang der Woche sind dort mindestens 657 neue Fälle von Corona-Infektionen festgestellt worden. Insgesamt wurden bislang 1050 Tests durchgeführt, aber erst 500 ausgewertet. Das heißt, dass die Fallzahlen noch steigen werden. Bald solle ein zweiter Testdurchlauf erfolgen, ergänzte Landrat Adenauer. Die komplette Schließung werde rund zwei Wochen dauern, sagte Adenauer. Es gehe nun darum, die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, um den "kompletten Shutdown des Landkreises" zu verhindern. Dazu müssen die Infektionsketten genau nachverfolgt werden, ergänzte der Leiter des eingerichteten Krisenstabes, Thomas Kuhlbusch.

Dem Unternehmen zufolge ist noch nicht ganz klar, ob es einen oder mehrere Infektionsherde gebe. Der oder die Herde müssten in den vergangenen Wochen in den Betrieb hereingetragen worden sein, da die behördlich verordneten Tests vor drei bis vier Wochen bei den betroffenen Mitarbeitern noch negativ gewesen seien.

"Wir können uns nur bei der Bevölkerung und den Familien des Landkreises entschuldigen", sagte ein Sprecher des Unternehmens und der Familie Tönnies. Noch habe man keine "genaue Erklärung", warum es gerade jetzt zu dem massiven Ausbruch gekommen sei. Aber es gebe Hinweise: Die Aufhebung der Reisebeschränkungen habe möglicherweise zum Infektionsgeschehen beigetragen. So seien Hunderte Mitarbeiter aus Osteuropa zuletzt wieder zu ihren Familien und Verwandten gereist. Hinzu kommen die Arbeitsbedingungen. Offenbar tragen die "klimatischen Bedingungen" in Kühlräumen, in denen viele Personen arbeiteten, dazu bei, dass es zu diesem "Spreading Event" gekommen sei, sagte der Sprecher. Hier sei die Übertragung durch Aerosole offenbar massiv befeuert worden. Das Unternehmen werde nun eng mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen.

Anmerkung der Redaktion: Der Text wurde aktualisiert. Zuvor war von 400 Infizierten die Rede. Dies wurde geändert. Außerdem wurde präzisiert, dass 7000 Menschen in Quarantäne seien. Zuvor war von 7000 Mitarbeitern die Rede.

mad / fin / tis DPA AFP

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