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Schlaf- und Schmerztabletten: Sind Sie süchtig nach Medikamenten? Diese drei Hinweise sind Warnzeichen

Arzneimittel sollen helfen - doch einige Wirkstoffe können binnen kürzester Zeit abhängig machen. Stiftung Warentest erklärt, was die Warnzeichen sind.

Eine Frau nimmt eine Tablette ein.

Einige Arzneimittel können abhängig machen

Medikamente sollen Patienten in erster Linie helfen: Sie lindern starke Schmerzen, mildern Ängste oder schieben den Schlaf an. Schmerz- und Beruhigungsmittel können Patienten dabei unterstützen, Extremsituationen zu meistern - etwa den Schmerz nach einer Operation oder Schlafprobleme nach einem Todesfall in der Familie. Einige Präparate haben jedoch eine gravierende Nebenwirkung: Sie machen süchtig, wenn sie falsch angewendet werden. In der aktuellen Ausgabe von Stiftung Warentest erklären Experten, woran eine Medikamentensucht zu erkennen ist - und welche Präparate besonders schnell abhängig machen.

Medikamentenabhängigkeit ist in Deutschland weit verbreitet: Hierzulande sind schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen arzneimittelabhängig. Diese Zahl basiert auf Krankenkassendaten, vor allem Frauen und ältere Menschen sind betroffen. Experten gehen aber von einer beträchtlichen Dunkelziffer aus. Der Grund: Jedes dritte Schlafmittel mit Benzodiazepinen und Z-Drugs wird privat verordnet. Diese Packungen fallen dann aus den Schätzungen der Krankenkassen raus.

Medikamentensucht - woran lässt sie sich erkennen?

Gerd Glaeske, Gesundheitswissenschaftler an der Universität Bremen, schätzt, dass 4 bis 5 Prozent aller häufig verordneten rezeptpflichtigen Arzneimittel problematisch sind. Sie haben demnach ein hohes Suchtpotential.  Dazu zählen Schlaf- und Beruhigungsmittel, wie Valium und Präparate, die auf "-azepam" enden, oder aber sogenannte "Z-Drugs". Sie enthalten Wirkstoffe wie Zolpidem oder Zopiclon. Patienten bekommen diese Mittel verschrieben, wenn sie unter Schlaflosigkeit, Ängsten oder Unruhe leiden. Auch Amphetamine, Narkosemittel und starke Schmerzmittel (Opioide) können in die Sucht führen. Die Präparate können schon nach wenigen Wochen abhängig machen.

Anders als eine Alkoholsucht ist eine Medikamentenabhängigkeit oft nur schwer zu erkennen. Deshalb wird sie auch als "stille Sucht" bezeichnet.

Hinweise liegen aber vor, wenn Patienten

1. die Arznei weiter nehmen, obwohl der Anlass für die Verschreibung nicht mehr aktuell ist - zum Beispiel starke Schmerzen nach einer Operation.

2.  sich nicht an die Einnahmevorgaben halten, sie die Dosis der Arznei eigenmächtig erhöhen oder es länger als vorgesehen einnehmen.

3. von Arzt zu Arzt gehen, um sich das Mittel verschreiben zu lassen oder Rezepte sogar fälschen.

Liegen einer oder mehrere solcher Hinweise vor, raten die Experten von Stiftung Warentest, sich an einen Hausarzt oder eine Suchtberatungsstelle zu wenden. Unbehandelt kann eine Medikamentensucht in eine Depression münden, gesundheitliche Probleme verursachen oder bewirken, dass sich Betroffene aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld zurückziehen. 

Auch einige rezeptfreie Mittel bergen Risiken, warnt Warentest. Dazu zählen Kopfschmerztabletten, rezeptfreie Schlafmittel, koffeinhaltige Grippemittel oder Nasenspray. Sie machen zwar nicht direkt abhängig. Der Körper gewöhnt sich aber an die Wirkstoffe und reagiert bei Entzug mit unangenehmen Symptomen wie Schwindel, verstopfter Nase oder Kopfschmerzen. Die Mittel sollten daher mit Bedacht und nur so lange wie unbedingt nötig eingenommen werden. 

Bin ich süchtig? Auf der Seite der Stiftung Warentest gibt es einen kurzen Fragebogen, der riskante Verhaltensweisen aufzeigt. Wenden Sie sich an ihren Hausarzt, wenn Sie ein riskantes Verhalten bei sich feststellen oder Probleme haben, eine Arznei abzusetzen.

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ikr

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