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Geschlechtskrankheiten: Krank durchs Küssen: Auch Zungenküsse können Tripper übertragen

Wer gern küsst, sollte besser vorsichtig sein: Es herrscht Ansteckungsgefahr! In einer neuen Studie kamen australische Forscher zu der Erkenntnis, dass die die Geschlechtskrankheit Tripper auch durch Zungenküsse übertragen werden kann. 

Pärchen küsst sich im Bett

Die Geschlechtskrankheit Gonorrhö ist hochansteckend und einer Studie zufolge auch durchs Küssen übertragbar (Symbolbild)

Getty Images

Eine beunruhigende Vorstellung: Die Geschlechtskrankheit Gonorrhö, umgangssprachlich Tripper genannt, kann offenbar nicht nur durch Sex, sondern auch durchs Küssen übertragen werden. Zu dieser Erkenntnis kamen australische Forscher in einer neuen Studie, die sie im Fachblatt "Sexually Transmitted Infections" veröffentlichten.

Gonorrhö zählt weltweit zu einer der am häufigsten übertragenen Geschlechtskrankheiten. Jedes Jahr zählt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 78 Millionen Fälle, Tendenz steigend. Allein in Europa sind jährlich 5 Millionen Menschen von der Infektionskrankheit betroffen. Und das, obwohl seit 2001 keine offizielle Meldepflicht mehr besteht – die Dunkelziffer bleibt unbekannt. Einzig und allein in Sachsen gibt es eine Meldepflicht. Hier hat sich die Zahl der Ansteckungen innerhalb von acht Jahren mehr als verdoppelt, berichtet der "Spiegel".

Eine Infektion kann zu Blutvergiftungen und Unfruchtbarkeit führen

Der Erreger bei der Krankheit ist ein Bakterium, das die Schleimhäute der Harnwege befällt, erklärt die "Mopo". Nach der Ansteckung dauert es dann einige Tage bis erste Symptome auftreten, meist ein eitriger Ausfluss aus der Harnröhre. Ganz besonders junge Erwachsene im Alter von 15-25 Jahre sind von der Krankheit betroffen, erklärt die STI-Gesellschaft, die über sexuell übertragbare Krankheiten informiert. Meist sind Männer betroffen, aber auch bei Frauen kann Tripper die Harnwege befallen.  

Selbst wenn Gonorrhö im Normalfall nicht tödlich ist, kann eine Infektion zu Blutvergiftungen und Unfruchtbarkeit führen. Auch die Gefahr sich mit HIV zu infizieren ist erhöht, fügt der "Spiegel" hinzu. Bisher wurden von Aufklärungskampagnen zum Schutz lediglich Kondome empfohlen. Doch ob dieser Schutz in Zukunft ausreicht, ist fraglich.

Bislang wurde vermutet, dass Tripper vor allem beim Sex, egal ob genital oder oral, übertragen wird. Diese Annahme stellt die neue Studie jedoch in Frage. Denn darin deuten die Wissenschaftler darauf hin, dass auch Zungenküsse ein möglicher Übertragungsweg sein können.

Gonorrhö im Rachenbereich

Bei ihren Untersuchungen konzentrierten sich die Forscher auf die oropharyngeale Gonorrhö, eine Form die nur die Schleimhäute des Rachens befällt. Diese Form der Infektion verläuft zunächst meist symptomfrei, wird häufig also unwissend weitergegeben.

Im einem Gesundheitszentrum in Melbourne führten die Forscher daraufhin eine Umfrage von homo- und bisexuellen Männern durch. Die Probanden sollten dabei Angaben zu ihren vergangenen Sexualpartnern und Praktiken machen: Küssen ohne Sex, Küssen mit Sex und Sex ohne Küssen.

Erhöhtes Risiko bei wechselnden Kuss-Partnern

Von den fast 4000 Teilnehmern litten sechs Prozent an Gonorrhö im Rachenbereich. Die Auswertung ergab, dass das Risiko, sich mit dieser Form von Tripper anzustecken, deutlich höher für Männer ist, die sich küssen. Für Probanden mit mehr als vier Kuss-Partnern, im Vergleich zu jenen mit nur einem, erhöhte sich das Ansteckungsrisiko um 46 Prozent. Bei Teilnehmern, die Zungenküsse noch mit Geschlechtsverkehr verbanden, stieg das Risiko sogar um 81 Prozent.

In ihren Erkenntnissen betonten die Wissenschaftler jedoch auch, dass es sich lediglich um Beobachtungen handle. Ob wirklich nur das Küssen Ursache für erhöhte Übertragungsrate von Tripper ist, bleibe unklar. Dennoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Ansteckungsgefahr für die oropharyngeale Gonorrhö unterschätzt wird und küssen, mit oder ohne Sex, ein erhöhtes Risiko bildet, schreibt der "Spiegel". Wie man sich beim Küssen davor schützen kann, bleibt allerdings umstritten. Die Forscher selbst schlagen neben Kondomen antibakterielle Mundspülungen vor – ob das jedoch eine Lösung ist, sei dahingestellt.

Kondome kurz vor dem Verpacken in einer Fabrik in Xapuri.

Quellen: "Spiegel" / "Mopo"

gho

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