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Krieg in der Ukraine Bundesamt für Strahlenschutz warnt vor Einnahme von Jodtabletten

Jod-Tabletten liegen auf einem Stein.
Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion sollten in der Regel keine Jod-Tabletten einnehmen
© Benjamin Horn/ Eibner-Pressefoto / Picture Alliance
Nach der russischen Invasion in die Ukraine ist in den sozialen Medien eine Diskussion über Jodtabletten entbrannt. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät von einer Eigenmedikation ab. 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de.

Jodtabletten: Ja, oder Nein? Eine der aktuell wohl meist diskutierten Fragen im Netz. Denn das frühere Atomkraftwerk in Tschernobyl wurde im Zuge der Invasion von russischen Soldaten eingenommen. Jetzt sei dort, laut Angaben des ukrainischen Umweltamts, die radioaktive Strahlung deutlich gestiegen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt am Freitagnachmittag via Twitter Entwarnung: "Hier und da taucht gerade auf, man solle jetzt Jodtabletten nehmen. Das ist falsch." Weiter erklärt das BfS über einen Link zu ihrer Homepage, wann die Tabletten wirklich eingenommen werden sollten, wie sie uns im Falle eines nuklearen Unfalls helfen und welche gesundheitlichen Risiken sie mit sich bringen.

So wirken Jodtabletten

Sollte es zu einem Unfall in einem Kernkraftwerk kommen, könnten radioaktive Stoffe freigesetzt werden, unter anderem Jod. "Wird radioaktives Jod eingeatmet oder gelangt über Nahrung bzw. Getränke in den Körper, kann es sich in der Schilddrüse anreichern und die Entwicklung von Schilddrüsenkrebs befördern", schreibt das BfS auf seiner Homepage.

Nehmen Betroffene zum richtigen Zeitpunkt nicht-radioaktives Jod ein, könne eine Anreicherung des radioaktiven Jods in ihrer Schilddrüse verhindert werden. "Die Schilddrüse wird mithilfe der Tabletten mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt, so dass radioaktives Jod von der Schilddrüse zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr aufgenommen werden kann. Man spricht dabei von einer Jodblockade", erklärt das BfS.

Allerdings warnt das Bundesamt für Strahlenschutz dringend davor, eine Eigenmedikation zu betreiben. Jodtabletten, auch Kaliumjodidtabletten genannt, sollten nur "nach ausdrücklicher Aufforderung durch die Katastrophenschutzbehörden eingenommen werden." Denn die hochdosierten Tabletten könnten zu Nebenwirkungen führen.

Jodtabletten riskant bei Schilddrüsenerkrankungen

Das BfS betont zudem, dass es gesundheitliche Risiken für Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) gebe. Deutschland habe viele Betroffene, die an der Krankheit leiden, aber ohne irgendwelche Krankheitszeichen aufzuweisen. "Diese latente Hyperthyreose kann durch Einnahme hoher Dosen von Kaliumjodid in eine Hyperthyreose mit Krankheitszeichen übergehen. Die Krankheitszeichen können bis hin zu akutem Herz-Kreislauf-Versagen reichen."

Deshalb rät das Bundesamt für Strahlenschutz Personen mit einer Schilddrüsenerkrankung dringend, "Jodtabletten erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt" einzunehmen.

RTL.de/ dbö

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