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Studie Positive Vibes: Warum wir uns viel öfter in den Arm nehmen sollten

Ein Mann und eine Frau umarmen sich innig.
Umarmungen senken unser Stresslevel und können uns nachhaltig zufriedener machen.
© Priscilla du Preez / Unsplash
Umarmungen tun gut, das ist längst kein Geheimnis mehr. Eine neue Studie zeigt nun, wie sich regelmäßige Umarmungen auf unser allgemeines psychisches Wohlbefinden auswirken. Kleiner Spoiler: Tun Sie es öfter.

Wenn wir einen anderen Menschen in die Arme schließen, dann schüttet unser Körper automatisch das Kuschelhormon Oxytocin aus. Umarmungen können dadurch unseren Stresspegel und unseren Blutdruck senken und sich positiv auf unsere körperliche Gesundheit auswirken.

Eine aktuelle Studie konnte nun zeigen, dass regelmäßige Umarmungen sich auch langfristig positiv auf unser psychisches Wohlbefinden auswirken können.

Für die in der Fachzeitschrift “Journal of Nonverbal Behavior“ veröffentlichte Studie hat das Forschungsteam um Julian Packheiser vom Social Brain Lab am Niederländischen Institut für Neurowissenschaften in Amsterdam 94 erwachsene Probanden über eine Woche hinweg begleitet.

Die Teilnehmenden haben dafür jeden Tag eine Online-Umfrage ausgefüllt, in der die Zahl der Umarmungen, die Stimmung und die allgemeine Lebenszufriedenheit abgefragt wurde.

Singles freuen sich am meisten über eine Umarmung

Die wichtigste Erkenntnis: Umarmen macht uns glücklicher. Die Befragten, die häufiger Umarmungen verteilten, hatten auch eine allgemein positivere Stimmung und fühlten sich weniger einsam. So weit, so erwartbar.

Auch die Tatsache, dass Menschen, die eine Neigung zum Neurotizismus aufweisen – also eine Tendenz zu Gefühlen wie Angst, Trauer und Wut – weniger Menschen in den Arm nehmen als andere, ist erstmal wenig überraschend.

Etwas überraschender ist, wer am meisten von Umarmungen profitiert. Bei Paaren wirken sich freundschaftliche Berührungen kaum auf die allgemeine Lebenszufriedenheit aus, während Singles maßgeblich von Umarmungen profitieren, wenn es um ihr psychisches Wohlbefinden geht.

Sebastian Ocklenburg, Mitautor der Studie, schreibt in einem Gastbeitrag auf “Psychology Today“ dazu: “Bei Paaren gibt es im Allgemeinen mehr positive Berührungen, sodass eine Umarmung möglicherweise nicht viel mehr ausmacht.“

Der Zusammenhang zwischen Glück und Umarmungen

Die Wissenschaftler haben außerdem noch ein paar Soft-Facts über Umarmungen rausgefunden. Da gibt es einmal die große Spanne in der Anzahl. Einer der Teilnehmenden hatte innerhalb einer Woche keine einzige Umarmung, ein anderer hat stolze 150-mal die Arme für andere Menschen geöffnet.

Im Durchschnitt gab es pro Teilnehmer:in vier Umarmungen am Tag. Am Wochenende haben sich die Leute am liebsten in die Arme geschlossen, während sie montags und dienstags am wenigstens Menschen umarmten.

Die Studie deckt viele bereits vermutete Zusammenhänge zwischen allgemeiner Lebenszufriedenheit und menschlicher Nähe auf. Durch den begrenzten Versuchsrahmen braucht es aber noch weitere Studien, um die Korrelation eindeutig feststellen zu können, wie auch Co-Autor Ocklenburg schreibt: “Es könnte sein, dass Umarmungen zu einer positiveren Stimmung führen – es könnte aber auch sein, dass Menschen, die generell eine bessere Stimmung haben, eher von anderen umarmt werden.“

Das Rezept für die perfekte Umarmung

Fakt ist, dass Umarmungen uns guttun. Um unseren Herzschlag und unseren Blutdruck zu senken, reichen schon 20 Sekunden in den Armen eines Mitmenschen aus, wie eine Studie der American Psychosomatic Society herausfand. Und das am besten mit “mittlerem Druck“, wie Forscher der japanischen Toho-Universität herausfanden. Das ist laut Wissenschaft das Rezept für die perfekte Umarmung.

Meistens reicht es aber auch schon, einfach nur die Nähe eines geliebten Menschen zu genießen. Aber was, wenn gerade niemand für eine Umarmung zur Verfügung steht? Unseren Oxytocin-Spiegel können wir zum Beispiel auch erhöhen, indem wir langsam und genussvoll essen – oder uns selbst umarmen.

Das mag im ersten Moment vielleicht erstmal skurril klingen, aber sobald wir uns selbst in die Arme schließen, schütten wir ebenfalls das Kuschelhormon aus. Und wir sind nicht die einzige Spezies, die das macht. Eine Studie der Universität Chongqing in China konnte zeigen, dass isolierte Affen sich zum Trost selbst umarmen.

Quelle: Studie von Julian Packheiser und Co., Studie der Universität Chongqing in China, Studie der American Psychosomatik Society

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